05.06.2018

Cannes Lions 2018

«Worte können mehr bewirken als Boykotte»

Am 18. Juni startet die 65. Ausgabe des Cannes Lions International Festival of Creativity. Christof Kaufmann, CEO von WerbeWeischer Schweiz, sagt, was dieses Jahr neu ist, wie die Schweiz wieder in die Jury kam – und weshalb Weischer.Media einen eigenen Grill aufstellt.
Cannes Lions 2018: «Worte können mehr bewirken als Boykotte»
«Wir haben begonnen, unsere Repräsentanz dafür zu nutzen, der Branche weitere Mehrwerte zu liefern», sagt Christof Kaufmann, CEO bei WerbeWeischer Schweiz. (Bild: zVg.)
von Christian Beck

­Herr Kaufmann*, letztes Jahr kam in Cannes irgendwie keine Stimmung auf. Wie gelingt «Make Cannes Great Again»?
Cannes hat die Anregungen der Branche aufgenommen und verstanden. Es gab bereits umfangreiche Anpassungen des Award-Systems, aber auch am Festival selbst. So wurde beispielsweise die Länge des Festivals angepasst, es wurden neue Formate geschaffen und generell drehten die Veranstalter an vielen Stellschrauben. All diese Veränderungen sollen dazu beitragen, die Festivaltage erneut zu einem erfolgreichen Event zu machen.

Das Festival dauert nur noch von Montag bis Freitag. Reagiert damit die Festivalleitung auf die Kritik, die Cannes Lions seien in den letzten Jahren überladen gewesen?
Mit der Kürzung der Festivalwoche reagiert die Festivalleitung auf die Wünsche seiner Besucher. Ein kürzeres Festival bietet den Vorteil, dass das Programm von den Besuchern komprimiert aufgenommen werden kann und so jeder die Möglichkeit hat, an allen Programmpunkten teilzunehmen. Zudem sind die Büros der Gäste, statt wie vorher an acht Tagen, nur noch an fünf Tagen nicht besetzt.

Wie sieht es mit der Schweizer Beteiligung aus, wie viele Delegierte sind angemeldet?
Nach derzeitigem Stand haben sich 73 Delegierte angemeldet.

«International ist ein leichter Rückgang der Delegierten zu verzeichnen»

Das ist weniger als im letzten Jahr. Wie erklären Sie sich diese Zurückhaltung?
International ist ein leichter Rückgang der Delegierten zu verzeichnen. Wir stellen aber auch anhand der Historie fest, dass die meisten Delegierten erst kurz vor dem Festival ihre Anmeldungen aussenden. Insofern rechnen wir noch mit einer grösseren Anzahl Delegierter, bevor das Festival startet.

Wie viele Arbeiten wurden aus der Schweiz eingereicht?
Insgesamt erfolgten bis jetzt 344 Einreichungen.

Weischer.Media kocht neu ein eigenes Süppchen – respektive grilliert das eigene Fleisch am Swiss BBQ. Wollen Sie der traditionellen Swiss Party die Show stehlen?
Ganz und gar nicht. Die Swiss Party ist eine etablierte und von uns sehr geschätzte Veranstaltung. Das Swiss BBQ findet zudem nicht zeitgleich statt, sondern am Vortag, am 20. Juni 2018. Als Repräsentantin suchten wir nach einer Möglichkeit, den Austausch mit der Branche zu intensivieren. Jetzt haben wir die Chance bei dem Swiss BBQ als Gastgeber neue Kontakte zu knüpfen, aber auch tiefere Gespräche zu führen und diese bei der Swiss Party fortzuführen.

Letztes Jahr war Weischer.Media zum ersten Mal Repräsentantin der Schweiz. Was ändern Sie sonst noch – ausser dem Swiss BBQ?
Wir haben das letzte Jahr genutzt, um den Markt besser kennenzulernen und zu analysieren. Nun haben wir begonnen, unsere Repräsentanz dafür zu nutzen, der Branche weitere Mehrwerte zu liefern. So haben wir beispielsweise den aus Deutschland bekannten Young Lions Mediawettbewerb auch in die Schweiz gebracht (persoenlich.com berichtete). Darüber hinaus haben wir den ADC Trend Lunch initiiert, die Informationsveranstaltung «How to enter a lion» und Kooperationen mit dem Digital Marketing Event, D:Pulse, umgesetzt.

«Beim aktuellen System haben kleinere Länder einen Nachteil»

2017 gabs Kritik, weil die Schweiz keinen Einsitz in der Jury hatte. Was haben Sie unternommen, um Livio Dainese jetzt reinzubringen?
Die Jurybesetzung der Cannes Lions wird für die einzelnen Länder statistisch geplant. Bei dem aktuellen System haben kleinere Länder und Märkte – so wie die Schweiz – gegenüber grösseren Nationen einen Nachteil. Wir befürworten dieses System nicht und stehen, wie viele andere Länder auch, mit der Festivalleitung im engen Austausch, um diese Benachteiligung zu lösen. Das Cannes Lions Festival steht für weltweite, kreative Vielfalt und nicht nur für die Top-10-Märkte. Wir als Repräsentantin vertreten nicht nur das Festival, sondern vor allem auch die Schweiz.

Und nächstes Jahr geht die Schweiz wieder leer aus?
Die intensiven Gespräche mit der Festivalleitung zeigen, dass Worte mehr bewirken können als Boykotte, so wie sie von einigen angekündigt wurden, und wir werden unsere Bemühungen weiter fortsetzen. Gleichzeitig wollen wir unsere Unterstützung und Beratung für den Markt ausbauen, um die hiesigen Agenturen wieder verstärkt auf die Karte des Kreativglobus zu setzen.


* Christof Kaufmann ist CEO bei WerbeWeischer Schweiz und verantwortet in dieser Position die operativen Aufgaben des Kinowerbevermarkters. WerbeWeischer ist ein Unternehmen von Weischer.Media.

Das Interview wurde schriftlich geführt.



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