TV-Kritik

Jasser applaudieren Schneider-Ammann

Schon einen Tag vor der gestrigen Darbietung im «Donnschtig-Jass» schrieb der «Tages Anzeiger», Bundesrat Johann Schneider-Ammann stürme damit «weit nach oben in die Rangliste der peinlichsten Bundesratsauftritte». Zu früh schadengefreut. Wer im Trockenen sitzt, lacht halt über den Regen. Es war ein sympathischer Auftritt des Wirtschafts- und Bildungsministers. Doch der Reihe nach. 

Roman Kilchsperger, der bodenständigste SRF-Moderator und beste Mann der hiesigen TV-Unterhaltung, trat in seiner zweitletzten Jass-Sendung dieses Jahres im Chüeh Chuz auf, von Städtern oft auch als Jodler- oder Sennenchutteli bezeichnet. Der Bundesrat kam im Anzug, wechselte aber rasch und offensichtlich gerne ebenfalls ins volkstümliche Oberteil.

Schneider-Ammann kann locker sein, wenn er keine Ansprache halten muss. Mit seinem Speech zum «Tag der Kranken» («Rire, c’est bon pour la santé») hatte der Magistrat 2016 die Welt belustigt. Für die «Donnschtig-Jass-Challenge» setzte sich der Bundesrat und frühere Baumaschinen-Unternehmer mit verspiegeltem Visier auf ein kleines Elektro-Raupengefährt und absolvierte damit auf dem Bundesplatz erfolgreich einen Parcours.

«Wenn ein Bild ein aus seiner Amtszeit bleiben wird, es ist dieses», schrieb der Tagi. Jä nu. Geschehe in unserem glücklichen Land nie etwas Schlimmeres.

Blamiert hat sich Johann Schneider-Ammann keineswegs. Das Publikum mag Bundesräte, die sich nicht zu schade sind, in Unterhaltungssendungen aufzutreten. Vor dem Berner waren schon Doris Leuthard und Alain Berset zum Jass bei Kilchsperger.

Genierlich war in der ansonsten gelungenen Sendung auch diesmal nur einer. Es ist immer derselbe: Der schlecht beratene Möchtegern-Komiker Reto Scherrer, dessen Grimassen weitherum die Milch sauer werden lassen. 


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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