12.02.2018

Chefs auf Social Media

Sergio Ermotti ist LinkedIn-König

Immer mehr CEOs und Geschäftsleitungsmitglieder nutzen Social Media. Besonders umtriebig ist UBS-CEO Sergio Ermotti, wie eine Analyse der SMI-Firmen zeigt. Solche Aktivitäten führten zu einem stärkeren Employer Brand, sagt Studienautor Joris D’Incà.
Chefs auf Social Media: Sergio Ermotti ist LinkedIn-König
Social Media sind ihm wichtig, vor allem LinkedIn: UBS-Chef Sergio Ermotti. (Bild: persoenlich.com)

Sie alle wollen die digitale Transformation vorantreiben, also «digital Pioneers» werden. Dazu, und um sich selber in diesem Zusammenhang zu positionieren, nutzen immer mehr Schweizer Chefinnen und Chefs Social Media. 53 Prozent oder 10 der 19 SMI-CEOs seien in sozialen Netzwerken aktiv, bei ihren Geschäftsleitungskollegen liege der Anteil sogar bei rund 64 Prozent, heisst es in einer Analyse der internationalen Strategieberatung Oliver Wyman. Damit liege die Schweiz vor Deutschland und Österreich (je 52 Prozent).

Sergio Ermotti hat 149’00 Follower

Wer glaube, dass diese Top-Kader eigentlich gar keine Zeit hätten für Social Media, täusche sich: UBS-CEO Sergio Ermotti und Alain Dehaze von Adecco bewiesen, «dass sich Entscheidungsgewalt und Social-Media-Aktivität nicht ausschliessen», heisst es in einer Mitteilung zur Analyse. Zudem zeige das, welche Anziehungskraft Führungspersönlichkeiten entfalten können, wenn sie sich der Kommunikation in den digitalen Netzwerken öffnen.

Mit mehr als 149’000 und über 31’000 LinkedIn-Followern führen Ermotti und Dehaze die Liste an. Gegensatz zu LinkedIn ist Twitter jedoch noch Neuland für die SMI-Geschäftsleitungsmitglieder: Hier haben nur 8 Prozent einen Account, in Deutschland sind es 12 Prozent.



Frauen sind aktiver

Bis auf Pharmazieunternehmen und Uhrenhersteller seien in allen Branchen über 50 Prozent der Chefs in mindestens einem sozialen Netzwerk vertreten. Die Telekommunikationsbranche weise mit 86 Prozent die meisten digitalen Vorreiter auf.

Die Analyse kommt zum Schluss, dass die Frauen, auch wenn sie im Top-Kader der SMI-Firmen in klarer Minderheit sind, in den sozialen Medien den Ton angeben. «Frauen in den Führungspositionen sind den Männern was Social Media betrifft einen Schritt voraus. Die Mehrzahl nutzt die digitalen Netzwerke klug für Employer Branding und die eigene Positionierung sowie als Plattform zur Information und Inspiration», sagt Studienautor Joris D’Incà.

 

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Herr D’Incà, laut Ihrer oben beschriebenen Analyse sind 53 Prozent der SMI-CEOs sind in sozialen Netzwerken aktiv. Was heisst «aktiv sein»?
«
Aktiv sein» heisst für uns, ein Profil mit mindestens 50 Followern/Verknüpfungen zu betreiben.

Ermotti gilt laut Ihrer Untersuchung als Vorzeige-Beispiel. Warum?
Wir haben uns angeschaut, welche SMI-CEOs die meisten Follower haben. Seit dem Ausscheiden von Joe Jimenez als CEO von Novartis (206'000 LinkedIn Follower) führt Sergio Ermotti mit über 149'000 LinkedIn Followern die Liste der auf Social Media aktiven SMI-Geschäftsleitungsmitglieder an. Aus meiner Sicht zählen besonders Authentizität und Meinung.

Wissen Sie, ob er seine Profile selber bewirtschaftet?
Beim operativen Posten unterstützt bei einigen CEOs sicher die Kommunikationsabteilung. Das halte ich aber nicht für ausschlaggebend für den Erfolg. Zentral ist, dass die Beiträge persönlich sind und keine klassische Corporate PR.

Lässt sich Social-Media-Aktivität in Geschäftszahlen messen?
Der Mehrwert liegt sicher in einer stärkeren Employer- und Mitarbeiterbindung. Das schlägt sich unter anderem in gestiegenem Engagement auf den sozialen Kanälen nieder, das wiederum zu mehr Bewerbern führt. Man könnte etwa nachvollziehen, wie viele der Bewerber über die Karriereplattform LinkedIn zuerst über das LinkedIn-Profil des CEOs auf das Unternehmen als Arbeitgeber aufmerksam geworden sind.

Welche Social Media eignen sich für Geschäftsleitungsmitglieder besonders?
Aus meiner Sicht haben alle ihre Berechtigung. Ich selbst nutze besonders LinkedIn, aber auch Twitter.

Welchen Stellenwert haben Twitter und Facebook?
Twitter ist für mich ein Nachrichtenmedium, das ich gerne zur Informationsbeschaffung nutze. Facebook eher ein persönliches Netzwerk, etwa um mit Freunden im Kontakt zu bleiben, die man nicht so oft sieht weil sie in anderen Ländern wohnen.

Und Xing?
Xing ist wie LinkedIn ein Karrierenetzwerk und wird im deutschsprachigen Raum viel genutzt.

Ermotti mit 149'000 und Dehaze mit 31'000: Kann man so viele Follower organisch gewinnen oder braucht es dazu ein Budget?
Aus meiner Sicht kann man sie durchaus organisch gewinnen – mit guten, lesenswerten Inhalten.

 


Für die Analyse «Digital SMI» untersuchte Oliver Wyman alle SMI-Verwaltungsräte hinsichtlich Präsenz und Aktivitätslevel in den sozialen Netzwerken LinkedIn, Twitter und Xing. Die Analyse wurde im Dezember 2017 durchgeführt. Zudem wurden im Mai 2017 die ATX-Vorstände und im Dezember 2017 die DAX-Vorstände untersucht. (eh) 



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