13.03.2017

Medien- und Rhetoriktrainings

«Journalisten als Feinde oder nützliche Tubeli»

Der frühere Journalist und heutige Kommunikationsberater Patrick Rohr äussert sich über Trends und Entwicklungen in seiner Domäne «Medientrainings» und die Frage, wie wichtig «Arenatauglichkeit» heute noch ist.
Medien- und Rhetoriktrainings: «Journalisten als Feinde oder nützliche Tubeli»
Früher Moderator beim Schweizer Fernsehen, heute Unternehmer: Patrick Rohr. (Bild: Claudia Link).
von Edith Hollenstein

Die Zürcher PR- und Kommunikationsagentur open up AG und die Patrick Rohr Kommunikation GmbH, Anbieterin von Kommunikationstrainings und Medienproduktionen, bauen die bisher lose Zusammenarbeit aus und gehen eine strategische Partnerschaft ein. Diese fokussiert laut einer Mitteilung insbesondere auf die gemeinsame Durchführung von Medien- und Rhetoriktrainings. Beide Firmen bleiben unabhängig und führen ihre übrigen Angebote eigenständig weiter.

Patrick Rohr arbeitet seit zwei Jahren auch als Fotograf. Er ist vor allem für NGO und NPO im Einsatz, wodurch er oft mehrere Wochen landesabwesend ist. Warum macht er diesen Schritt und wie gut läuft generell seine Domäne, die Medientrainings? persoenlich.com hat nachgefragt:

Herr Rohr, es geht um eine neue «strategische Partnerschaft». Wie arbeiten Sie nun mit open up zusammen?
Meine Firma hat in den letzten zehn Jahren das Produkt «Medientraining» sorgfältig aufgebaut und entwickelt. Wir beschäftigen für unsere Medientrainings – inklusive mir – vier Trainer und ein Team von Journalisten und Kameraleuten, die unsere Trainings durchführen. Open up ist nun für die inhaltliche Vorbereitung und Koordination der Trainings zuständig, die Agentur kann die Trainings aber auch selber anbieten, mit mir oder mit einem meiner Kollegen als Trainer. Gemeinsam wollen wir das Angebot zudem kontinuierlich ausbauen.

Wieso gerade dieser Partner?
Ich kenne Kilian Borter, einer der Partner von open up, schon sehr lange. Wir arbeiten seit dem Bestehen meiner Firma, also bereits seit zehn Jahren, lose zusammen. Einerseits ergänzen sich unsere Angebote, andererseits haben wir das gleiche professionelle Verständnis und die gleichen hohen Qualitätsansprüche. Schliesslich war es für mich wichtig, einen Partner zu haben, der dank seiner Grösse und breiten Erfahrung meinen und den Bedürfnissen unserer Kunden vollauf gerecht wird.

In einer Mitteilung nennen den zeitlichen Aufwand bei der Koordination als Grund. Was genau hat denn so viel Zeit gekostet?
Vom Moment der Anfrage bis zur Durchführung eines Trainings sind viele Prozessschritte nötig: Zuerst mal möchten wir jeweils den Kunden in einem persönlichen Gespräch kennenlernen und seine Bedürfnisse, seine Erwartungen und sein Medienverständnis abklären. Dann machen wir umfangreiche Recherchen, damit sich der Journalist – genau wie in der Realität – sorgfältig auf die Interviews vorbereiten kann. Dann müssen die Verfügbarkeiten des Kunden – oft sind das ganze Geschäftsleitungen –, des Trainers, des Journalisten und der Videopartner koordiniert werden.

Und sonst?
Schliesslich halten wir ausführliche Briefings ab, damit alle Beteiligten gut vorbereitet sind. Wenn ich wochenweise als Fotojournalist im Ausland unterwegs bin, kann ich diese Arbeiten nicht mehr alle selber übernehmen. Da wird es nur schon schwierig, auf eine Anfrage zeitgerecht zu antworten. Deshalb bin ich froh, konnte ich diese Aufgaben nun gewissermassen «outsourcen» und habe ich mit open up einen kompetenten Partner, der flexibel und inhaltlich nah an den relevanten Themen ist.

Wie schätzen Sie generell das Interesse unter Politikern und Unternehmenschefs ein an Kommunikationstrainings? 
In meiner Wahrnehmung nimmt es stetig zu. Das hat sicher mit der noch einmal verstärkten Medialisierung unserer Gesellschaft durch die digitalen Medien zu tun. Wirtschaftsführer, Verbandsvertreterinnen, Politiker und Verwaltungsangestellte haben ein enormes Bedürfnis zu verstehen, wie die Medien funktionieren und wie sie richtig mit ihnen umgehen.

Wo bezüglich stellen Sie bei Politikern und Unternehmenschefs aktuell besonders grosse Defizite fest?
In meinen Trainings stelle ich fest, dass viele Unternehmenschefs und Politiker Journalisten entweder als Feinde oder dann als «nützliche Tubeli» sehen. Ich finde beides falsch.

Sondern?
Wir versuchen zu vermitteln, dass Journalisten in einer Demokratie eine wichtige Funktion haben als kritische Mittler zwischen Publikum auf der einen und Firma, Verwaltung, Behörde etc. auf der anderen Seite. Natürlich hat niemand gerne, wenn einem jemand kritisch auf die Finger schaut, aber auf lange Sicht – das ist meine, aber auch die Überzeugung von open up – zahlt es sich aus. Deshalb arbeiten wir in unseren Trainings ganz stark am Rollenbild, was wiederum einen grossen Einfluss auf die Haltung und damit die vermittelten Inhalte hat.

Sind bezüglich Medientrainings durch die Veränderungen im Journalismus heute andere Fähigkeiten gefragt als noch 2007?
Durch die Digitalisierung sind ganz neue Kompetenzen gefragt: Ein Tagesschau-Journalist muss heute nicht mehr zwingend mit Kameramann mit grosser Kamera und Licht und einem Tontechniker mit Mikrofon aufkreuzen. Es kann sein, dass er sein iPhone zückt und damit ein Interview macht oder, wie beim 2015 frisch abgewählten Regierungsrat Martin Graf, eine Wutrede auf einem Trottoir filmt. Mit diesem Phänomen muss man umzugehen wissen.

Und in der Rhetorik?
Dort kämpfe ich stark gegen die Abhängigkeit von PowerPoint, auch ein Phänomen der digitalen Neuzeit: Referenten gestalten ihre Reden nicht mehr, sie lesen ihre Bullet Points vor – eine Zumutung für das Publikum!

Früher ging es ja um die «Arenatauglichkeit». Was ist das heute oder ist das gar nicht mehr so wichtig?
Wenn «Arenatauglichkeit» bedeutet, einer längeren kontroversen Debatte standhalten und sich in dieser Debatte inhaltlichn und verbal behaupten zu können, dann ist «arenatauglich» zu sein für Politiker und Wirtschaftsleute heute genauso wichtig wie vor zwanzig Jahren. Aber in Zeiten von fünf- bis fünfzehnsekündigen Soundbites in Radio- und TV-Beiträgen muss man auch in sehr kurzer Zeit seine Botschaft auf den Punkt bringen können.

*die Fragen wurden schriftlich beantwortet

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Kilian Borter (Partner open up), Melanie Schneider (Partnerin open up), Patrick Rohr (Inhaber Patrick Rohr Kommunikation und Fotograf). (Bild: Olivier Levis)

Die Kommunikations- und PR-Agentur open up wurde 2001 in gegründet und zählt vierzehn Mitarbeitende. Schwerpunkte sind laut eigenen Angaben strategische Kommunikationsberatung, Markenpositionierung, Entwicklung von Content-Strategien, Content-Kreation, Corporate & Social Media, Media Relations und Interne sowie Krisen-Kommunikation. 



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