12.03.2018

Schilling-Report

«Frauen können sich oft effizienter organisieren»

Bei Serviceplan, mit über 120 Mitarbeitenden eine der grössten Kommunikationsagenturen der Schweiz, ist die Mehrheit der Geschäftsleitungsmitglieder weiblich. Das sei nicht nur Zufall, sagt CEO Christian Baertschi.
Schilling-Report: «Frauen können sich oft effizienter organisieren»
Christian Baertschi ist CEO von Serviceplan Schweiz. Aktuell beschäftigt dieses Unternehmen 126 Mitarbeitende. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Herr Baertschi, letzte Woche wurde pünktlich zum Weltfrauen-Tag der Schilling-Report veröffentlicht. Dieser zeigt, dass in den Führungsetagen im Vergleich zum Vorjahr wieder weniger Frauen vertreten sind (persoenlich.com berichtete). Wie ist das bei Serviceplan?
Bei uns war der Anteil an Frauen in der Führungsetage schon 2016 auf hohem Niveau und ist 2017 weiter gestiegen.

Wie viele Frauen sind in der Geschäftsleitung?
Von den fünf Agenturen der Serviceplan Gruppe wird die Mehrheit – konkret drei Agenturen – von Frauen geführt.

Wie viele sitzen im Topmanagement und rapportieren damit direkt an die Geschäftsleitung?
Das ist je nach Agentur unterschiedlich – abhängig von der jeweiligen Spezialisierung. Im Digitalgeschäft ist der Frauenanteil deutlich kleiner als im Bereich Markenführung und Werbung respektive Public Relations und Content. Im Durchschnitt liegt er bei rund 30 Prozent.

Wie hoch ist der Anteil im mittleren Kader, also bei den Abteilungsleitungen, die noch Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter unter sich haben?
Hier ist der Anteil Frauen noch etwas höher und liegt bei rund 40 Prozent.

Und wie viele Frauen hat Serviceplan im Verwaltungsrat?
Abhängig vom Geschäftsfeld ist die Zusammensetzung unterschiedlich. Grundsätzlich sehen wir in diesem Bereich Verbesserungspotential – auch wenn wir wohl fortschrittlicher sind als viele Mitbewerber.

Suchen Sie ausdrücklich Frauen oder ist das Zufall?
Es ist eine Mischung von Absicht und Zufall. Wir würden niemals eine Stelle besetzen nur aufgrund des Geschlechts. Aufgrund unseres grossen Netzwerkes haben wir zahlreiche Kontakte zu gleichermassen engagierten wie kompetenten Frauen und wir freuen uns, dass sich schon einige dieser hochkarätigen Profis für eine Position in der Serviceplan Gruppe entschieden haben.

Steigen diese Frauen intern auf oder holen Sie sie von extern?
Sowohl als auch. Da wir immer noch ein junges Unternehmen sind, können wir auch hier von einer guten Mischung sprechen. Bedingt durch unser kontinuierliches Wachstum – beim Start im Jahr 2013 zählten wir 10 Personen – bieten wir unseren Mitarbeitenden sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig benötigen wir natürlich zusätzlich externe Verstärkung, auch auf der Führungsebene.

Viele dieser Frauen arbeiten nicht Vollzeit. Sie gehen spätestens um 17.30 Uhr nachhause und fehlen mehr, weil ab und zu ihre Kinder krank sind. Das kann doch nicht im Interesse des Arbeitgebers sein.
Das sehe ich überhaupt nicht so. Gerade weil viele Frauen häufiger mit Familienthemen konfrontiert sind, sind sie in der Lage, verschiedene Anspruchsgruppen zu managen und zu koordinieren. Zudem wage ich hier die These, dass sie sich oft effizienter zu organisieren wissen.

Warum?
Ich bin überzeugt, dass sie sich gerade wegen dieser hohen Ansprüche verschiedener Parteien und der Mehrfachbelastung besonders gut organisieren müssen und vor allem auch können.


Verdienen Frauen und Männer gleich viel bei Ihnen?
Ja, definitiv.

Wie überprüfen Sie das?
Wir führen die «Analyse der Lohngleichheit» mit der Logib Software des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann durch.

Warum glauben Sie, haben andere (Kommunikations-)Unternehmen Schwierigkeiten, Frauen zu finden, wie man es immer wieder hört?
Es gibt tatsächlich noch nicht so viele Frauen, wie wir es uns wünschen würden. Sicher wäre es ein guter Ansatz, wenn sich die Branche Gedanken machen würde, wie sie einen aktiven Beitrag leisten kann, dass sich diese Situation verbessert.

Was müssten diese Unternehmen ändern?
Ich glaube, dass eine gewisse Flexibilität im Denken über die verschiedenen Lebensphasen hilfreich wäre. Es kann durchaus im Interesse eines langfristig denkenden Unternehmens sein, Frauen die Möglichkeit zu bieten, flexibel zu arbeiten – abhängig von der jeweiligen Lebenssituation und den Bedürfnissen der Familie.

Für alle, die nun diesbezüglich zukunftsträchtige Programme entwickeln: Welchen Tipp geben Sie?
Es lebt wohl weniger von den einzelnen Programmen, sondern eher vom allgemeinen Verständnis, dass eine Frau in unserer Gesellschaft häufig verschiedene Rollen vereinbaren muss. Und dass diese eben auch nach Lebensumständen im Zeitverlauf variieren können. Frauen sind sehr gut in der Lage, mehrere Rollen parallel zu managen – sofern man ihnen die Möglichkeit dazu gibt. An dieser Stelle erwähne ich gerne, dass wir auch zunehmend Männer in den Agenturen haben, die Aufgaben innerhalb der Familie übernehmen und gleichzeitig einen Top-Job machen, selbstverständlich räumen wir auch ihnen die dafür nötige Flexibilität ein.

*Christian Baertschi hat die Fragen schriftlich beantwortet.

 

 



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Kommentare

  • Katharina E. Kälin, 13.03.2018 08:25 Uhr
    Und solange Medien solche Fragen stellen wie "Viele dieser Frauen arbeiten nicht Vollzeit. Sie gehen spätestens um 17.30 Uhr nachhause und fehlen mehr, weil ab und zu ihre Kinder krank sind." wird auch keine Änderung sprich Gleichberechtigung in den Familien stattfinden. Dieses Umdenken muss schon auch sein, damit Unternehmen entsprechend Frauen in Führungspositionen besetzen können.
  • Anne Boxleitner, 13.03.2018 09:53 Uhr
    Serviceplan ist sicher auf gutem Weg. Aber Frau Kälin hat Recht. Solange nicht die Männer genauso in die Pflicht genommen werden im Haushalt und bei der Kinderbetreuung, wird sich wenig ändern. Und wie im zitierten Beispiel werden das Rollenbild und die "Nachteile", eine Frau zu befördern, für den Arbeitgeber noch zementiert.
  • Eva Herzog, 13.03.2018 11:25 Uhr
    Wieso ein Interview zum Frauenthema mit einem Mann machen? Und dann die schöne Galerie zeigen, wo die Frauen tanzen. Mehr von Frauen und ihren Arbeiten zu lesen würde einiges mehr bewirken als immer die gleiche Qoten-Fragen.

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