10.04.2018

Wemf Mach Basic

Welche Blätter Leser einbüssen, welche zulegen

Der Tagi verliert jeden sechsten Leser und auch NZZ und «Blick» müssen Einbussen hinnehmen. Bei der Sonntagspresse trifft der Leserschwund die SoZ am härtesten, bei den Magazinen das «NZZ Folio». Freuen können sich Regionaltitel. Die Wemf-Zahlen in interaktiven Charts.
von Michèle Widmer

Die Schweizer Verlage erreichen mit ihren Printausgaben immer weniger Leserinnen und Leser. Die Mehrzahl der Titel in der Deutschschweiz verzeichnet eine rückläufige Reichweite. Dies zeigt die aktuelle Leserschaftsstudie Mach Basic der Wemf AG Werbemarktforschung, die von September 2016 bis September 2017 durchgeführt wurde. Befragt wurden 19’447 Personen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein.

Mit Abstand die meistgelesene Zeitung ist «20 Minuten». Das Pendlerblatt erreichte in der Befragungsperiode über 1,3 Millionen Leserinnen und Leser – rund 3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auf Platz zwei liegt der «Blick am Abend» mit einer Reichweite von 534’000. Die Gratiszeitung von Ringier verliert mit knapp 10 Prozent weitaus stärker als das Konkurrenzprodukt von Tamedia.

Das sinkende Interesse macht auch den Tageszeitungen mit nationaler Ausstrahlung zu schaffen. Der «Blick» bleibt mit 456’000 Leserinnen und Lesern zwar die reichweitenstärkste Bezahlzeitung, verliert im Vorjahresvergleich jedoch 10 Prozent der Reichweite. Gleichviel verliert die «Neue Zürcher Zeitung» mit neu 233’000 Leserinnen und Lesern. Am stärksten vom Leserschwund betroffen ist der «Tages-Anzeiger»: 380’000 Personen erreichte der Printtitel – das sind minus 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.





Die grösseren Regionalzeitungen konnten das Vorjahresniveau knapp halten. Die «Luzerner Zeitung» erreichte 292’000 Leserinnen und Leser, beim «St. Galler Tagblatt» waren es 278’000 und bei der «Basler Zeitung» 99’000. Bei der «Südostschweiz» und der «Aargauer Zeitung» sind die Zahlen aus methodischen Gründen nicht mit dem Vorjahr vergleichbar. Dies weil die Titel aufgrund der Einstellung der Samstagsausgabe, welche neu als «Schweiz am Wochenende» gedruckt wird, nur noch fünfmal wöchentlich erscheinen.

Die Gewinner bleiben weiterhin die regionalen Zeitungen. Allen voran aktuell der «Anzeiger Region Bern». Das amtliche Publikationsorgan der Stadt und Region Bern erreichte innert Jahresfrist ein Leserplus von 18 Prozent (124’000). Auch die Zürcher Regionalzeitungen (ZRZ) hatten rund 13 Prozent mehr Leserinnen und Leser als vor einem Jahr. Zum ZRZ-Verbund von Tamedia zählen «Landbote», «Zürcher Oberländer», «Zürcher Unterländer» sowie «Zürichsee-Zeitung».

 



Bei der Deutschschweizer Sonntagspresse gibt es immer weniger Konkurrenz. Nachdem die Papierversion der «Ostschweiz am Sonntag» sowie die «Schweiz am Sonntag» im vergangenen Jahr eingestellt worden sind, verbleiben noch vier Publikationen in diesem Markt. Alle vier tun sich schwer und verlieren an Reichweite. Allen voran die «SonntagsZeitung», welche bei neu 558’000 Leserinnen und Lesern innert Jahresfrist 11 Prozent eingebüsst hat. Noch ist die SoZ damit der reichweitenstärkste Sonntagstitel – allerdings nur knapp vor dem «SonntagsBlick». Dieser erreicht 547’000 Leserinnen und Leser (-7 Prozent).

Auch die Magazine und Wochenpublikationen tun sich schwer damit, Leserinnen und Leser zu behalten. Das «NZZ Folio» hat innert einem Jahr einen Fünftel der Reichweite eingebüsst und weist neu 344’000 Leserinnen und Leser auf. Nicht ganz so drastisch, aber dennoch einschneidend, ist der Verlust beim «Magazin»: Das Tamedia-Produkt erreichte 530’000 Leserinnen und Leser – 11 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch die Hefte «Schweizer Illustrierte» (592’000/-7 Prozent), «Schweizer Familie» (578’000/-7 Prozent) oder «Geo» (553’000/-10 Prozent) haben Terrain eingebüsst.




Die reichweitenstärksten Magazine bleiben «Coopzeitung» und «Migros-Magazin» mit 2,6 Millionen beziehungsweise 2,4 Millionen Leserinnen und Lesern. Auch bei den Zeitschriften gibt es Titel, die aus methodischen Gründen nicht mit den Vorjahreszahlen vergleichbar sind. Dazu zählen unter anderem die «Annabelle» (232'000) sowie die «Bilanz» (172'000).

Die Wemf liefert mit der Mach Basic zweimal im Jahr Daten über die Leserschaft von Zeitungen und Zeitschriften. Bei dem Jahresvergleich der Reichweiten ist anzumerken: Die Wemf kann nur bei einigen Titeln Veränderungen über den statistischen Fehlerbereich hinaus festhalten. In diesem Artikel beschränkt sich persoenlich.com aus diesem Grund auf den Vergleich der Titel mit signifikanter Reichweitenveränderung. Diese sind in den Grafiken fett sowie mit ** markiert.

Um der digitalen Transformation in der Branche Rechnung zu tragen, publiziert die Wemf seit Herbst 2015 nebst der Reichweitenstudie Mach Basic zusätzlich die Studie Total Audience. Sie ermöglicht die Gesamtbetrachtung von Medienmarken, in dem sie Auskunft über die Reichweiten von Pressetiteln, Webangebot und Doppelnutzern gibt.



Lesen Sie zu diesem Thema auch die Artikel «NZZ steigert sich im Web – Tagi online verliert» und «Wie viele Doppelleser die Medienmarken haben».



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