13.07.2017

ITV Studios Germany, Zürich

TV-Produktionsfirma feuert Mitarbeiter

Es brodelt in der Fernsehküche: Das Unternehmen, welches die SRF-Dokusoap «Mini Beiz, dini Beiz» realisiert, hat in Zürich mehreren Angestellten gekündigt. Vier wurden per sofort freigestellt, zwei weitere gingen freiwillig.
ITV Studios Germany, Zürich: TV-Produktionsfirma feuert Mitarbeiter
«Mini Beiz, dini Beiz» wird von ITV Studios Germany produziert. (Bild: SRF)
von Christian Beck

Vom innovativen Sternerestaurant bis zur traditionellen Dorfpinte: «Mini Beiz, dini Beiz» wirft seit September 2014 einen Blick in die Küchen von Schweizer Restaurants – immer montags bis freitags um 18.15 Uhr. Als «Gipfel der Dekadenz» betitelte persoenlich.com-Kritiker René Hildbrand kürzlich eine der ausgestrahlten Sendungen. Die SRF-Vorabendsendung laufe immer häufiger aus dem Ruder.

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Irgendetwas aus dem Ruder gelaufen ist offenbar auch bei der deutschen Produktionsfirma ITV Studios Germany aus Köln. ITV betreibt an der Schärenmoosstrasse in Zürich, gleich neben dem SRF-Studio Leutschenbach, eine Zweigniederlassung. persoenlich.com weiss: Ende Juni wurden vier Mitarbeiter per sofort freigestellt, zwei weitere haben selber gekündigt. «Die Trennung von den von Ihnen genannten Mitarbeitern ist unabhängig vom Produktionsauftrag erfolgt», sagt ITV-Sprecherin Rebecca Herrmann auf Anfrage von persoenlich.com – und bestätigt damit die Kündigungen.

Was aber war der Grund für die Trennung? Werden die Stellen wieder besetzt? Und: Welche Funktionen hatten die Mitarbeitenden? Auf diese und weitere Fragen kam trotz mehrmaligem Nachhaken nur eine Antwort: «Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir hierzu grundsätzlich keine Auskunft geben», so Herrmann. Dies seien «vertrauliche Details». persoenlich.com konnte daraufhin mit einer entlassenen Person Kontakt aufnehmen, diese will sich in den Medien jedoch nicht äussern.

«Mini Beiz, dini Beiz» läuft weiterhin

Die Entlassungen haben auf jeden Fall nichts damit zu tun, dass die Dokusoap «Mini Beiz, dini Beiz» eingestellt werden könnte. «Eine aktuelle Staffel ist bestätigt und bereits in Arbeit», sagt SRF-Sprecherin Eva Wismer auf Anfrage. «Es wird jeweils von Jahr zu Jahr über die Produktionen entschieden und die Verträge entsprechend erneuert.»

Auch die ITV Studios Germany bestätigen aus dem Kölner Hauptsitz: «Die neue Staffel ‹Mini Beiz, dini Beiz› wird von uns bis ins 2018 hinein produziert. Ob es auch danach noch weitergeht, entscheidet zur gegebenen Zeit der Sender», so Herrmann. Die Zürcher Niederlassung sei ebenfalls nicht gefährdet: «Ein Team aus Schweizer Kollegen wird sich in unserem Büro in Zürich weiterhin um die Sendung kümmern.» Ob diese «Schweizer Kollegen» neu eingestellt wurden, bleibt indes unter dem Deckel.

«Keine Überlebenshilfe für Schweizer Produzenten»

Die Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» macht nicht zum ersten Mal Schlagzeilen. Die Vergabe des Produktionsauftrags an die deutsche ITV sorgte schon vor dem Sendestart im Jahr 2014 für Kritik (persoenlich.com berichtete). SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel wehrte sich damals: «Wir bieten keine Subventions- und Überlebenshilfe für Schweizer TV-Produzenten.» Der Auftrag sei ausgeschrieben worden, doch die eingereichten Konzepte aus der Schweiz hätten zu wenig Qualität gehabt (persoenlich.com berichtete).

ITV Studios Germany ist eine senderunabhängige TV-Produktionsfirma und gehört zu 100 Prozent dem britischen Medienkonzern ITV plc. Die Firma produziert Formate wie «Das perfekte Dinner», die deutsche Ausgabe von «Der Bachelor» oder auch «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus», besser bekannt als das Dschungelcamp.



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Kommentare

  • Urs-Werner Merkli, 13.07.2017 08:48 Uhr
    Die Sendung ist an Biederkeit nicht zu unterbieten. Die Off-Texte sind einfach nur schlecht. Das macht Tele Züri besser
  • Gérard Brunner, 13.07.2017 11:41 Uhr
    "Hire and Fire", kann man dazu nur sagen. Was ich mich aber frage: Weshalb vergibt SRF solch Produktionsaufträge ins Ausland? An deutsche, resp. britische Firmen? Ich bin zwar nicht unbedingt für Protektionismus, aber ich finde, alle staatlich finanzierten Organisationen (und das ist SRF), sollten - wenn schon extern - den hiesigen TV-Produktionsmarkt berücksichtigen. Oder noch besser: Selber produzieren. Als öffentlich-rechtliche, mit Steuern finanzierte Organisation (die SRG-Gebühren sind nichts anderes als eine Steuer), sollte die SRG die Schweizer Wirtschaft, den Schweizer Produktions-TV-Markt berücksichtigen. Es geht schliesslich um Stellen, Steuern, Gebühren, die im inländischen Markt generiert werden. Schliesslich ist es u.a. auch die Schweizer Wirtschaft, die die SRG mitfinanziert. Wäre die SRG ein rein privates Unternehmen, könnte sie von mir aus auch in Indien oder in China produzieren lassen. Aber als staatlich finanziertes TV geht da m.E. gar nicht!
  • Patrick Schilter, 13.07.2017 12:25 Uhr
    Herr Gebel sagt: «Wir bieten keine Subventions- und Überlebenshilfe». Autsch! Finde ich ziemlich arrogant, denn die vielen Programme der SRG könne nur überleben, weil sie dank Hilfe der Gebührenzahler subventioniert werden (schliesslich ist es eine Frage des gesellschaftlichen Zusammenhaltes, nicht wahr, Herr Gebel?) Wieso schreibt SRF einen solchen Auftrag überhaupt aus? Ist SRF nicht fähig, selber die gewünschte Qualität herzustellen, wenn es anscheinend zuwenig Qualität in der Schweiz gibt? Soviel mir bekannt ist, ist es für inländische TV-Produktionsfirmen ziemlich schwierig, wirtschaftlich zu überleben. Ist nachvollziehbar, denn der Schweizer Markt ist klein, resp. kaum vorhanden. Kein Wunder bei einer SRF, die monopolistisch über diesen Markt gebietet und ins Ausland auslagert.

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