19.03.2017

Impressum

Steuerabzug für Zeitungsabos gefordert

Bund, Kantone und Städte sollen redaktionelle Projekte von Medienhäusern laut der Berufsorganisation direkt unterstützen. Zudem sollen Private die Kosten für ihre Zeitungsabonnements von den Steuern abziehen können.
Impressum: Steuerabzug für Zeitungsabos gefordert
Impressum-Geschäftsführer Urs Thalmann. (Bild: Keystone)

Die Berufsorganisation Impressum für Journalisten und Journalistinnen fordert Bund, Kantone und Städte dazu auf, redaktionelle Projekte von Medien direkt zu unterstützen. Um das Zeitungslesen zu fördern, sollen Private zudem die Kosten für Zeitungsabonnements von den Steuern abziehen können. «Dies würde einen zusätzlichen Anreiz schaffen, sich zu informieren und dabei gleichzeitig qualitativ hochstehende Redaktionen zu unterstützen», heisst es in einer am Samstag von den Impressum-Delegierten verabschiedeten Resolution.

Die Berufsorganisationen verlangt von der Politik, dass sie angesichts der schweren finanziellen Lage der Medien ihre Verantwortung wahrnimmt, wie Impressum nach der Delegiertenversammlung mitteilte. So fordert Impressum neben der indirekten Medienförderungen auch eine direkte Förderung für redaktionelle Projekte, um den «unabhängigen und berufsethisch einwandfreien Journalismus» zu unterstützen. Die Medienförderung solle der Medienfreiheit dienen. Und damit auch «dem Grundrecht der Öffentlichkeit auf Informationsfreiheit».

Austritt aus dem Verband Schweizer Medien

Nicht einfach war gemäss Mitteilung der Entscheid, aus dem Verband Schweizer Medien (VSM) auszutreten, wo Impressum derzeit assoziiertes Mitglied mit Antrags- aber ohne Stimmrecht ist. Die Debatte sei hitzig verlaufen, der Entscheid sei mit einer knappen Mehrheit gefallen, teilte Impressum mit.

Der Austritt war im vergangenen Jahr vom VSM gefordert worden, um Verhandlungen über einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) aufzunehmen. Als Grund wurde genannt, dass die Berufsorganisation nicht gleichzeitig die Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern vertreten könne.

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Laut Impressum-Geschäftsführer Urs Thalmann ist die assoziierte Mitgliedschaft ohne Stimmrecht jedoch weder faktisch noch rechtlich ein Hindernis für GAV-Verhandlungen. Für viele der Impressum-Delegierten sei die Austrittsforderung daher ein Vorwand des VSM, um die Berufsorganisation «los zu werden», sagte Thalmann auf Anfrage nach der Delegiertenversammlung. Denn Impressum habe die assoziierte VSM-Mitgliedschaft genutzt und dank ihr die GAV-Verhandlung beantragt, da in der Deutschschweiz seit 2004 für Journalistinnen und Journalisten ein vertragsloser Zustand herrscht.

Viele Delegierten fürchten laut Thalmann, dass GAV-Verhandlungen wegen der fehlenden Bereitschaft der Arbeitgeber, auf «elementare Forderungen» der Journalistinnen und Journalisten einzugehen, scheitern könnten. Und ohne Mitgliedschaft könne Impressum dann keinen Einfluss mehr nehmen.

Dennoch gaben die Delegierten dem Vorstand grünes Licht für die Austrittsvorbereitungen. Der Vorstand kann nun die Voraussetzungen für den Austritt festlegen und ihn selbst beschliessen.

Türkei-Resolution

In einer zweiten Resolution fordern die Impressum-Delegierten von der türkischen Regierung «den Respekt der Pressefreiheit». Sie äussern sich «entsetzt über die Gefangenschaft von aktuell 142 Journalistinnen und Journalisten in der Türkei». Die Delegierten rügen darin die Verurteilung des «Blick» durch die Türkei. Der «Blick» hatte Anfang Woche auf deutsch und türkisch die türkischen Staatsangehörigen in der Schweiz dazu aufgefordert, die Verfassungreform in der Türkei abzulehnen.

An der Delegiertenversammlung in Brunnen SZ wurden auch drei neue Mitglieder in den Zentralvorstand der Organisation gewählt: Lukas Bertschmann der Basler Sektion, Ruben Rossello der Tessiner Sektion und Franca Siegfried der Zürcher Sektion. Christian Campiche wurde einstimmig zum Präsidenten wiedergewählt. (sda/wid)



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Kommentare

  • Armin Keusch-Walter, 18.03.2017 14:47 Uhr
    Zeitungsabos von den Steuern abziehen - einen solchen Mumpitz fordern nicht einmal die ums Jammern nie verlegenen Verleger! Heute die Zeitung, morgen das Klopapier...
  • Nico Herger, 19.03.2017 10:23 Uhr
    Warum nicht auch die SRG-Zwangsgebühr?
  • Raphael Weber, 20.03.2017 21:55 Uhr
    Ja genau! Und wo soll man das Abo der NZZ oder AZ eintragen? Freiwillige Zuwendung? Oder gibt’s grad einen Menüpunkt im Easytax? Kann ich die Billag auch mit abziehen? Die Verleger sollen mal aufhören zu jammern. 10Jahre bekamen Sie für die Regional TV Sender keinen Rappen. Man müsse Sender schliessen, wenn man keine Konzessionsgelder erhalte, dafür wolle man in Technik Ausbildung und in Programmausbau- und Qualität investieren. 54Mio für 13 TV Sender und 21 Radio Sender. Investiert wurde, aber nicht in Ausbildung, sondern in HD Technologie. Klammheimlich hat man mit diesem Schritt die in der Konzession vorgegebenen Regionalversionen z.B. von TeleTop TG, SH und ZH in eine zusammengestrichen, aus Tele M1 AG und SO wurde wieder ein Programm da es nicht wirtschaftlich sei. Wie war das noch mit dem Ausbau des Programms und der Regionalen Vielfalt? 5h Dauerwerbesendung täglich! Dann hat man wieder gejammert. 15. Juni 2015 anstelle von 54mio gibt es neu 81 Mio. für 13 TV Sender und 21 Radiosender mit der Auflage Sendungen ab 1. April untertiteln zu müssen. http://www.persoenlich.com/medien/privat-tv-stationen-mussen-news-untertiteln Massiver Mehraufwand, dabei wird Equipment vom Bakom separat gesponsert. Kommt hinzu, nur wer Verlust ausweisen kann, erhält überhaupt den Vollen Gebührenanteil. Wer wirtschaftlich arbeitet, muss gemäss Art. 109 auf Anteile verzichten https://www.admin.ch/dam/gov/de/Dokumentation/Abstimmungen/Erl%C3%A4uterung%20des%20Bundesrats/Erlaeuterungen_14juni2015_DE_low.pdf.download.pdf/Erl%C3%A4uterungen%20des%20Bundesrates%20vom%2014.%20Juni%202015.pdf Logisch das es nicht Wirtschaftlich sein darf… Jetzt sind dieselben Verleger wieder am Jammern, die Zeitung rentiert auch nicht mehr, da wäre es doch super wenn sich die Mär unrentablen Verleger Produkten und der staatlichen Subvention so einfach wiederholen liesse. Vielleicht sollte aber auch mal eine Zeitung schliessen, es schreiben ja eh alle dieselben Meldungen einander ab.
  • Carlo Rüttimann, 21.03.2017 07:16 Uhr
    Die Verbandsapparatschiks von Impressum haben gelernt, was andere Verbände längst praktizieren: Vom Staat zu fordern, ist bequemer, als sich gegenüber den Arbeitgebern durchzusetzen. Nicht wahr, Herr Thalmann?
  • Thomas Gass, 21.03.2017 18:34 Uhr
    Eigentlich hätte ich diese Meldung erst zum 1. April erwartet...! Doch laut Bericht soll es Urs Thalmann mit seiner abstrusen Idee tatsächlich ernst sein! Dies ist doch ziemlich anmassend und zeigt, dass die Zeitungsmacher nirgendwo so kreativ sind, wie beim beschaffen neuer Finanzmittel aus der öffentlichen Hand! Die Zeitungsverleger sollten sich doch mal eine einfache Rechnung vor Augen halten: Ob sie ihre Abos verkaufen oder nicht hängt schlussendlich von Angebot, Nachfrage und Qualität ihrer Zeitung ab! Ich habe mein Zeitungsabo vor einiger Zeit gekündigt, weil für mich weder die Qualität der Zeitung, noch das Preis-, Leistungsverhältnis stimmte! Die Verleger sprechen in diesem Zusammenhang gerne von Qualitäts-Journalismus und wie wichtig er für eine eigene Meinungsbildung sei...! Nur: Wenn bald neben jedem Artikel noch ein persönlicher Kommentar des Redaktors platziert wird, so ist dies für mich mehr Ärgernis als Hilfeleistung ein Thema richtig einzuordnen. Eine neutrale Berichterstattung wäre mir da weitaus lieber! Zudem habe ich Mühe damit, wenn sich Journalisten so immer wieder mit ihrer 'privaten' Meinung in den Vordergrund rücken und sich ihre Äusserungen so lesen als wären sie des "des Weisheit letzter Schluss...!" Im Weiteren konkurrenzieren sich ja die Zeitungsverleger teilweise selber mit ihren Online-Gratis-Zeitungen . (AZ-Medien mit watson, Tamedia mit 20-Minuten, etc.) Warum also soll nun ein Zeitungsabonnement von den Steuern abgesetzt werden können? Es kann doch nicht der Auftrag der öffentlichen Hand sein, private Verleger, welche auf Rendite arbeiten (was ja völlig legitim ist!) mit Steuerabzügen quer zu subventionieren! Kann es sein, dass diese Verleger, bzw. Journalisten, welche diese Forderung in den Raum stellen, die Wirkung ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit völlig überschätzen...? Wie heisst es doch: "Es ist nichts so alt wie die Zeitung von gestern." Eben!

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