15.04.2018

Wemf-Studien

«Schweiz am Wochenende» zählt nicht zur Sonntagspresse

Die Samstagszeitung der AZ Medien wird bei den Leserschaftszahlen der Wemf künftig als «Tages- und Wochenpresse» eingestuft und dort mit Gratisanzeigern verglichen. Peter Wanners Versuch, dies zu verhindern, scheiterte. Ein Politikum und ein «Affront» für den Verleger.
Wemf-Studien: «Schweiz am Wochenende» zählt nicht zur Sonntagspresse
AZ-Verleger und VSM-Präsidiumsmitglied Peter Wanner bei einer Konferenz in Bern. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)
von Michèle Widmer

Im März 2017 liessen die AZ Medien die Marke «Schweiz am Sonntag» sterben und bringen seither die «Schweiz am Wochenende» heraus – dies am Samstag anstatt am Sonntag (persoenlich.com berichtete). Damit spart sich AZ-Verleger Peter Wanner seither die teure Auslieferung am Sonntag sowie Personalkosten.

Wie die neue Samstagsausgabe bei der Leserschaft ankommt, lässt sich in Zahlen bisher noch nicht beziffern. In der aktuellen Wemf-Studie Mach Basic ist der Titel nicht ausgewiesen. «Die Mediendaten der aktuellen Studie basieren auf zwölf Monaten Feldarbeit mit Interviews von Oktober 2016 bis September 2017», erklärt Roland Gauglhofer von der Wemf. Mit der Erhebung des neuen Titels «Schweiz am Wochenende» ab März 2017 würden somit nicht genügend Daten für eine Publikation vorliegen.

Lukrativere Inserate für Sonntagspresse

Aktuell läuft bereits die Befragung für die nächste Wemf-Studie, in welcher laut Gauglhofer auch die «Schweiz am Wochenende» erhoben wird. Bestehen die Mediadaten des neuen Titels den Validierungsprozess, werden sie im Herbst dort publiziert. Dies, wie Recherchen von persoenlich.com zeigen, in der Kategorie «Tages- und Wochenpresse» und nicht wie die «Schweiz am Sonntag» bei der «Sonntagspresse».

Bereits vor der Lancierung der «Schweiz am Wochenende» hatte Wanner beim dafür zuständigen Verband Schweizerischer Werbegesellschaften (VSW) interveniert und einen schriftlichen Antrag eingereicht. Sein Ziel: Dass die Samstagszeitung bei den Leserschaftszahlen weiterhin mit den Sonntagszeitungen ausgewiesen wird. «Wir sind der Meinung, dass eine Wochenendausgabe die samstags und sonntags zum Verkauf liegt, am ehesten zur Kategorie Sonntagspresse gehört», hiess es im Februar 2017 auf Anfrage von persoenlich.com. Wanners Effort erklärt sich damit, dass er damit weiterhin an im Vergleich zur Tagespresse lukrative Inserate herankommen kann.

Doch dieser Plan ging nicht auf. Bereits im März 2017 hat Wanner eine Absage erhalten. Den definitiven Entscheid dagegen gefällt hat der Verband Schweizer Medien (VSM). Der Verband Schweizerischer Werbegesellschaften macht in solchen Fällen als erste Anlaufstelle eine Situationsanalyse und unterbreitet der Arbeitsgruppe Pressetypologie des Verlegerverbands einen Vorschlag.

«Aufgrund der heutigen Typologieregelung sowie diverser Parameter, hat sowohl der Leitungsauschuss Departement Märkte wie auch das Präsidium den Antrag abgelehnt und entschieden, die ‹Schweiz am Wochenende› nicht in die Sonntagspresse einzuteilen», sagt Cesare Patella von der Arbeitsgruppe Pressetypologie des VSM auf Anfrage. Für die «Sonntagspresse» sei zum Beispiel klar die Ersterscheinung am Sonntag definiert.

Dass Peter Wanner mit seinem Anliegen beim VSM auf viel Gegenwind stossen würde, war vorprogrammiert und ist wohl auch mit politischem Kalkül zu erklären. Das Präsidium um Tamedia-Verleger Pietro Supino hat wenig Interesse daran, einem Konkurrenten im umkämpften Sonntagsmarkt eine Sondergenehmigung zu erteilen. Die AZ Medien haben diesen Entscheid zur Kenntnis genommen, wie es auf Anfrage heisst. Weiter will man sich nicht dazu äussern.

Vergleich mit wöchentlichen Gratisanzeigern

Welche Auswirkungen das Ganze für die AZ Medien und die «Schweiz am Wochenende» hat, wird sich zeigen. Abhängig ist dies davon, wie die Mediaverantwortlichen mit der Neukategorisierung der Zeitung umgehen. Will ein Werbekunde in der Sonntagspresse ein Inserat schalten, muss der Mediaplaner die «Schweiz am Wochenende» aktiv dazuwählen. Patella ist diesbezüglich optimistisch: «Mediaplaner als Branchenkenner nehmen die «Schweiz am Wochenende» als Wochenendpresse wahr und werden wohl auch in diesem Sinn Inserate buchen», sagt er. Ob sich diese Zuteilung als Nachteil für die «Schweiz am Wochenende» herausstellt, werde sich zeigen.

Allerdings, so Patella, sei der Entscheid für Peter Wanner wohl ein «Affront». Aufgrund der wöchentlichen Erscheinungsweise wird die «Schweiz am Wochenende» nicht als Tageszeitung eingeordnet, sondern im Sektor «Regionale Wochenpresse» ausgewiesen – dort wo vor allem Gratisanzeiger vorkommen.

Und: Eine Änderung der Kategorie «Sonntagspresse» in Richtung «Wochenendpresse» – wie sie im Frühjahr 2017 diskutiert wurde – ist laut Patella vom Tisch. Zumindest solange, bis Tamedia, die NZZ oder ein anderes Medienhaus seine Sonntagszeitung aus Spargründen einen Tag früher herausbringt und sich damit das Stimmverhältnis im VSM-Präsidium verändert.



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Kommentare

  • Robert Weingart, 15.04.2018 17:58 Uhr
    Wanner soll das akzeptieren. Samstag ist nicht Sonntag, daran ändert auch nichts, wenn man mit dem Titel "....am Wochenende" operiert.
  • Ueli Custer, 16.04.2018 09:22 Uhr
    Wenn die Zuteilung eines Titels in Zukunft vom Stimmenverhältnis im VSM-Präsidium abhängt, kann man die Definitionen gleich ganz vergessen. Entweder hält man sich an Definitionen oder man ändert sie. Aber einfach die Definitionen missachten ist wohl kaum zielführend und wäre Ausdruck eines Unvermögens des Verbandes, seine eigenen Belange so zu regeln, dass sie für alle gelten.
  • Victor Brunner, 16.04.2018 10:15 Uhr
    Wird Freitagnacht gedruckt und Samstagmorgen ausgeliefert und sollte nach Wanner Terminologie eine Sonntagszeitung sein, sind dann NZZ, TA, BLICK die am Samstag erscheinen auch Sonntagszeitungen? NZZ am Sonntag, Blick am Sonntag, Sonntags-Zeitung sind dann "Montags"-Zeitungen?". Quere Ansichten das Herrn wanner!

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