15.05.2018

Zürcher Journalistenpreis

Publizist Peter Studer für Gesamtwerk geehrt

Der 83-Jährige hat laut Laudatio «aus tiefster liberaler Überzeugung den Journalismus gegen alle seine Anfeindungen» verteidigt. Weitere Auszeichnungen gingen am Dienstagabend an Journalisten von NZZ, Tamedia, «Basler Zeitung» und «Watson».
Zürcher Journalistenpreis: Publizist Peter Studer für Gesamtwerk geehrt
Der Publizist Peter Studer erhält den Zürcher Journalistenpreis 2018 für das Gesamtwerk. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Die siebenköpfige Jury des Zürcher Journalistenpreises unter der Leitung von Hannes Britschgi hat in diesem Jahr den Preis fürs Gesamtwerk an Peter Studer vergeben. Der 83-jährige Publizist berichtete als USA-Korrespondent über den Watergate-Skandal, er war Bundeshausredaktor, Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» und des Schweizer Fernsehens sowie Präsident des Presserats, wo er eine prägende Rolle spielte. Studer meldete sich regelmässig und engagiert bei medienethischen und medienrechtlichen Fragen zu Wort. Er verteidigte «aus tiefster liberaler Überzeugung den Journalismus gegen alle seine Anfeindungen», so Britschgi in seiner Laudatio, die er am Dienstagabend vortrug.

Barbara Klingbacher («NZZ Folio») bekommt für ihre Reportage über das Schlachten von Tieren eine Auszeichnung. Im Artikel «Der letzte Gang» erzählt Autorin Klingbacher von ihrem Versuch, ein Tier nicht nur zu essen, sondern auch davor zu töten. Ihre Reportage macht den Widerspruch spürbar, den wir an Fleischtheken und in Restaurants ausblenden, wie es in einer Mitteilung heisst.

Ein weiterer Preis geht an Christian Keller («Basler Zeitung») für seinen Rückblick auf die Katastrophe von Schweizerhalle im Jahr 1986. Keller hat für die BaZ nicht nur den über 30 Jahre zurückliegenden Chemieunfall rekonstruiert, sondern auch versucht, die bis heute nicht belegte Brandursache aufzudecken. Minutiös befragte er Zeugen, sammelte Indizien und setzte sie zu einem möglichen Puzzle zusammen, schreibt der Laudator.

Für die umfangreiche Artikelserie über die Paradise Papers sind die acht beteiligten Journalistinnen und Journalisten des Recherche-Desk von Tamedia ausgezeichnet worden: Oliver Zihlmann, Catherine Boss, Christian Brönnimann, Alexandre Haederli, Julie Jeannet, Marie Parvex, Mario Stäuble und Hannes von Wyl. Die Serie «ist nicht nur gut recherchiert, sie ist auch brillant aufgemacht und leichtfüssig erzählt», so die Laudatio.

Erstmals vergab die Jury den Newcomer-Preis. Erhalten hat ihn William Stern für sein bei «Watson» erschienenes Porträt eines 74-jährigen Luzerners, der im Alleingang fast 10’000 Unterschriften für die Initiative für ein Burkaverbot sammelte. Ihm sei ein feines, lebendiges und unterhaltsames Porträt gelungen, wie man es nicht oft zu lesen bekomme, urteilte die Jury.

An der Feier zur Preisverleihung, die am Dienstagabend im Kaufleuten Zürich stattfand, nahmen zahlreiche Prominente aus Wirtschaft, Politik und Medien teil. Die Festansprache hielt Jochen Wegner, Chefredaktor von «Zeit Online», der sich mit dem Journalismus fürs 21. Jahrhundert befasste.

Mehr Einsendungen als im Vorjahr

Der Zürcher Journalistenpreis, eine der renommiertesten Auszeichnungen für Journalismus in der Schweiz, wird seit 1981 verliehen. Jeder der vier Preise ist mit 10’000 Franken dotiert. Ausgezeichnet werden herausragende und wegweisende Arbeiten und Gesamtwerke, unabhängig davon, über welchen Medienkanal sie verbreitet wurden. Die Vergabe des Preises ist dank Beiträgen und Spenden von Unternehmen, Institutionen und Verlagen möglich – unter anderem von JTI, Google, Clinic Utoquai und Ikea.

In diesem Jahr ist der Geltungsbereich des Zürcher Journalistenpreises ausgeweitet worden. Nun können journalistische Arbeiten aus der gesamten Deutschschweiz eingereicht werden. Der Beschluss der Stiftung, die Zentrierung auf Zürich aufzugeben, fand grosse Aufmerksamkeit (persoenlich.com berichtete). Die Einsendungen haben sich verdoppelt. 350 Arbeiten wurden eingereicht, 250 für den Zürcher Journalistenpreis und 100 für den Newcomer-Preis. (pd/cbe)

 



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