05.02.2017

Sonntagszeitungen

Peter Wanner will neue Wemf-Kategorien

Die neue «Schweiz am Wochenende» soll trotz Erscheinungstag am Samstag mit den Sonntagszeitungen verglichen werden. So könnten die AZ Medien weiterhin an gewisse im Vergleich zur Tagespresse lukrativere Inserate herankommen. Ein Konflikt bahnt sich an.
Sonntagszeitungen: Peter Wanner will neue Wemf-Kategorien
Sein Anliegen sorgt für heftige Diskussionen im Verband Schweizer Medien: Peter Wanner (Bild: Marc Wetli)
von Edith Hollenstein

Bald schon könnte die Kategorie «Sonntagszeitungen» bei den Auflage- und Leserzahlen der Wemf verschwinden. Grund dafür ist die neue «Schweiz am Wochenende». Noch bevor das Blatt im März erstmals in den Briefkästen liegen wird, sorgt es für heftige Diskussionen und Ärger. Wie die AZ Medien auf Anfrage von persoenlich.com bestätigen, hat das Unternehmen beim Verband Schweizerischer Werbegesellschaften (VSW) interveniert und einen schriftlichen Antrag eingereicht.

Neue Zeitung passe nirgends rein

Peter Wanner will erreichen, dass seine Zeitung trotz Erscheinungstag am Samstag bei den Wemf-Zahlen weiterhin mit den Sonntagszeitungen ausgewiesen wird. «Wir sind der Meinung, dass eine Wochenendausgabe die samstags und sonntags zum Verkauf liegt, am ehesten zur Kategorie Sonntagspresse gehört», heisst es von Seiten AZ. Wanners Effort lässt sich zudem damit erklären, dass er weiterhin an gewisse im Vergleich zur Tagespresse lukrativere Inserate herankommen kann.

Die von der Wemf verwendeten Kriterien definiert der Verband Schweizer Medien gestützt auf die Typologien vom VSW. Dort sucht man derzeit nach Lösungen für das Anliegen des AZ-Verlegers. «Die ‹Schweiz am Wochenende› zwingt uns, unsere Typologisierungen zu überdenken, denn sie passt in keines unserer Segmente», sagt Cesare Patella von der Projektgruppe Pressetypologie vom Verband Schweizer Medien.

Umbenennung in «Wochenendpresse»

«Müssten wir die ‹Schweiz am Wochenende› im Sektor Regionale Wochenpresse ausweisen, wäre das wie die Faust aufs Auge, weil hier vor allem Gratisanzeiger vorkommen», so Patella. Und aufgrund der wöchentlichen Erscheinungsweise könne sie auch nicht bei den Tageszeitungen eingeordnet werden. Daher überlege sich die Projektgruppe, ob eine Änderung Richtung «Wochenendpresse oder -zeitungen» Sinn machen würde. Dazu müsste das Kriterium «Erscheinungstag Sonntag» gestrichen werden. «Entschieden ist jedoch noch nichts», hält Patella fest.

Sollte die Umbenennung in «Wochenend-Zeitungen» Tatsache werden, dürfte das neue Fragen aufwerfen: Gelten die «Blick»-Samstagsausgabe und die NZZ-Wochenend-Ausgabe auch als «Wochenend-Zeitungen»? Und inwiefern unterscheidet sich die «Tages-Anzeiger»-Samstagsausgabe von der «Schweiz am Wochenende»? Keine einfachen Themen – zu denen Tamedia, Ringier und die NZZ unterschiedliche Standpunkte vertreten dürften.

Konflikt im Verband

Brisant ist zudem, dass die «Schweiz am Wochenende», welche zusätzlich sowohl den Abonnenten der «Aargauer Zeitung» als auch denjenigen der «Südostschweiz» zugestellt wird, eine Gesamtauflage von rund 200'000 Exemplaren haben wird. So wird der Abstand zu den anderen Sonntagszeitungen noch grösser. Der zweitplatzierte «Sonntagsblick» hat aktuell eine Auflage von 175'648 Exemplaren (vgl. Grafik). Wanners neue Zeitung würde so ganz klar zur auflagenstärksten Wochenend-Zeitung des Landes.




Ein verbandsinterner Konflikt ist vorprogrammiert. Dem ist sich Patella bewusst: «Klar, die AZ Medien gingen hier als Siegerin hervor, während hingegen der ‹Sonntagsblick›, die ‹Sonntagszeitung› und die ‹NZZ am Sonntag› nicht besonders grosse Freude hätten an diesem Entscheid».

 



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Kommentare

  • Ueli Custer, 06.02.2017 08:03 Uhr
    Diese Diskussion führt nirgends hin. Die neue Samstagsausgabe erscheint am Samstag und ist deshalb die 6. Ausgabe der Nordwestschweiz. Auch andere Samstags, teilweise aber auch Freitagsausgaben haben zusätzliche Inhalte im Vergleich zu den übrigen Wochentagen. Wenn man vom Erst-Erscheinungstag abweicht, weicht man die Definition unzulässig auf. Ausserdem: Die Grafik im Artikel hat mit der MACH nicht das geringste zu tun. Es handelt sich um die Auflagenstatistik. Das müsste ein Fachpublikation eigentlich wissen.
  • Edith Hollenstein, 06.02.2017 10:58 Uhr
    @Ueil Custer. Danke für den Hinweis. Tatsächlich war die Information in der Klammer falsch. Wir haben das nachträglich korrigiert.
  • Kurt Mühlemann, 06.02.2017 17:49 Uhr
    Man kann halt nicht immer das Weggli und den Batzen haben wollen - auch ein Peter Wanner nicht.
  • glancy mueller, 06.02.2017 23:16 Uhr
    wanner scheint unter dem trump-syndrom zu leiden. er hält sich und seine zusammengestutzten blätter für das nonplusultra. und will nicht merken, dass er gegen die grossen zeitungen nzz und tagi kein brot hat. ich finde, er ist ganz einfach ein arg schlichter verleger und schlechter verlierer. nun versucht er mit fadenscheinigen argumenten bei der wemf seinem sparblatt einen auflagenturbo zu verpassen. soooo durchsichtig!

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