18.06.2017

Ringer Axel Springer Media

Marc Walder dementiert Verkaufsgerüchte

Trotz Inserateboykott staatsnaher Unternehmen: Das Joint Venture von Ringier und Axel Springer will in Polen weiter wachsen. Regierungsnahe Medien werfen dem Gemeinschaftsunternehmen vor, eine Kampagne gegen die Regierungspartei zu führen. Dafür zeigt dessen Verwaltungsrat Marc Walder kein Verständnis.
Ringer Axel Springer Media: Marc Walder dementiert Verkaufsgerüchte
Schliesst den Verkauf polnischer Medien aus: Marc Walder, Ringier-CEO und Verwaltungsrat des Joint Ventures Ringier Axel Springer Media. (Bild: Ringier)

Die Beteiligungen des Joint Ventures Ringier Axel Springer Media in Polen sind offenbar gefährdet: Gemäss einem Interview von Rainer Stadler mit Marc Walder in der «Neuen Zürcher Zeitung» fordert die dortige Regierungspartei, dass ausländische Firmen nur noch 30 Prozent an polnischen Medien halten dürfen. «Seit Monaten läuft eine Diskussion über die Änderung des Mediengesetzes. Konkret geschehen ist bisher nichts, aber wir nehmen das äusserst ernst», lässt sich Marc Walder, Ringier-CEO und Verwaltungsrat von Ringier Axel Springer Media, in der NZZ zitieren.

Der Ton regierungsnaher Medien, aber auch der Regierung selbst, habe sich massiv verschärft, so Walder weiter. Das soll sich darin manifestieren, dass staatsnahe Unternehmen nicht mehr in den Medien des Joint Ventures inserieren. «Das kostet uns schnell Millionen Euro», erklärt Walder der Zeitung. Dieser Inseratestopp habe schleichend begonnen und sich akzentuiert, als Kaczynskis Partei PiS an die Macht gekommen sei.

«Frei erfundene Geschichten»

Ausserdem sollen regierungsnahe Medien «frei erfundene Geschichten» über das Joint Venture verbreiten. «Man wirft Mitgliedern unseres Managements in Polen vor, sie würden eine Kampagne gegen die PiS-Partei und deren Mitglieder führen», so Walder in der NZZ. Das stimme jedoch nicht. Vielmehr würden sie sich an den Grundsatz halten, unabhängigen Journalismus zu machen.

Gemäss Walder hat das Joint Venture in den letzten 20 Jahren stark zu einer unabhängigen Medienlandschaft in Polen und anderen osteuropäischen Ländern beigetragen. Die Regierungen in Serbien, Polen, Ungarn und zum Teil auch in der Slowakei würden jedoch versuchen, die Medien für sich zu vereinnahmen. Bei Ringier Axel Springer Media seien sie jedoch überzeugt, dass unabhängige Unternehmen für diese Gesellschaften förderlich und wünschenswert seien. «Darum haben wir kein Verständnis dafür, dass unsere Unabhängigkeit bekämpft wird», erläutert Walder.

Verkauf polnischer Medien kein Thema

Die Gerüchte, dass das Joint Venture seine Medien in Polen verkaufen will, dementiert Walder gegenüber der Zeitung. «Ich schliesse kategorisch aus – und dies gilt auch für Axel Springer –, dass wir uns in Polen von unseren Zeitungen, Zeitschriften oder Internetportalen trennen wollen, weder von einzelnen noch von allen». Sie möchten auch in Polen wachsen, ergänzt er. Ebenfalls kein Thema soll ein weiterer Partner für das Joint Venture sein.

Ringier Axel Springer Media ist ein Joint Venture zwischen Ringier und Axel Springer in Mittel- und Osteuropa. Ende April wurde dieses Alleineigentümerin der polnischen Onet Holding, die unter anderem das Onlineportal Onet.pl herausgibt (persoenlich.com berichtete). (pd/tim)

 

 



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Kommentare

  • Nico Herger, 17.06.2017 14:27 Uhr
    Ringier und unabhängig, das lachen ja die Hühner bzw. die Gänse in Polen. Natürlich haben sie eine politische Agenda, genauso wie hier in der Schweiz.

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