10.09.2017

Weltwoche

Knatsch um übersetzte Imam-Zitate

Der Hassprediger aus Biel habe nie von «Vernichtung» und «Zerstörung» Andersdenkender gesprochen, schreibt das Köppelblatt.
Weltwoche: Knatsch um übersetzte Imam-Zitate
Der Eingang zur Ar’Rahman-Moschee in Biel, wo der Imam Abu Ramadan predigte. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Hartes Geschütz der «Weltwoche» gegen den «Tages-Anzeiger» und die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens. In ihrer aktuellen Ausgabe wirft das Köppel-Blatt den beiden Medien vor, sie hätten dem Bieler Islamisten Abu Ramadan die Worte, wonach er zur «Vernichtung» und «Zerstörung» Andersgläubiger aufrufe, in den Mund gelegt (Artikel kostenpflichtig). Schützenhilfe erhält die «Weltwoche» dabei vom Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZSR) und Abu Ramadan selber, der behauptet, der Übersetzer sei ein «Lügner». Diese Aussagen sind nicht zuletzt brisant, weil die explosiven Aussagen des Bieler Hasspredigers für landesweite Schlagzeilen sorgten. Dass er zudem staatliche Sozialhilfe bekam, machte den ganzen Fall zu einem Politikum.

Die «Weltwoche» schreibt, der Imam hätte die beiden Worte «vernichten» und «zerstören» gar nie gebraucht. Gegenüber der Weltwoche hätten die «Tagesanzeiger»- und «Rundschau»-Journalisten auch offen zugegeben, dass sie dem Bieler Islamisten Abu Ramadan «interpretierend» Worte in den Mund gelegt zu haben, von denen sie annahmen, sie würden «aus dem Kontext» hervorgehen.

Gemäss Kurt Pelda, der sich als Kriegsreporter und Islamexperte über die Landesgrenzen hinaus einen Namen geschaffen hat und während Wochen an der Story arbeitete, habe der Imam das Wort «sich annehmen» verwendet. Für die «Weltwoche» ist die Ableitung auf «vernichten» nicht zulässig. Mehr noch, es sei «ein Kapitaldelikt, Leuten Worte in den Mund zu legen, die sie so gar nie gesagt haben. Stellen wir uns nur vor, ein Schweizer Politiker sagt, man wolle eine andere Partei ‹bekämpfen›, und die Journalisten würden das dann frei mit ‹erschiessen› übersetzen. Es wäre ein Skandal», folgert die «Weltwoche».

Gutachten von SRF

Dass den Vorwürfen sowohl beim «Tages-Anzeiger» wie auch beim Schweizer Fernsehen grosse Bedeutung zugemessen wird, beweist schon die Tatsache, dass SRF ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, um die ganze Angelegenheit zu untersuchen. Der Befund ergab, dass bei der Produktion des TV-Beitrages zwei Wörter des arabischen Originaltons weggefallen seien –«Allah» und das umstrittene Verb. Der arabische Experte, der das Gutachten erstellt hat, hält gegenüber Tagesanzeiger.ch fest: «Die fehlenden zwei Wörter sind insofern wichtig, weil in der IZRS-Übersetzung den Juden und Christen nicht explizit der Tod gewünscht wird.» Trotzdem geht er davon aus, dass Abu Ramadan für alle genannten Religionsgemeinschaften und Völker den Tod wünsche. Dies sei aus dem Kontext anders nicht zu verstehen.

Übersetzung «massiv falsch»

Ganz anders sieht es der Ordinarius für Arabistik- und Islamwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Andreas ­Kaplony. In einer von ihm als «Kurzgutachten» bezeichneten Einschätzung, die er aus eigenem Antrieb erstellt habe, habe der Professor laut tagesanzeiger.ch die Übersetzung als «massiv falsch» und somit als unzulässig bezeichnet. Anderer Meinung ist Reinhard Schulze, ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie an der Universität Bern. Für ihn ist die Auslegung, wonach andere Religionen vernichtet werden sollen, zulässig.

Der Autor der ganzen Story, Kurt Pelda, arbeitete bis vor wenigen Monaten noch bei der «Weltwoche», bevor er zum «Tages-Anzeiger» welchselte. 2014 wurde er vom Branchenblatt «Schweizer Journalist» zum «Journalist des Jahres» gewählt. Die Laudatio hielt «Weltwoche»-Chef Roger Köppel. (ma)



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