10.01.2018

Dreikönigstagung 2018

Furioser Schawinski – verletzter Rutz

An der Dreikönigstagung sind in einem kurzfristig angesetzten Streitgespräch die Klingen pro und kontra No-Billag-Initiative gekreuzt worden. Wie Roger Schawinski und Gregor Rutz argumentiert haben, sehen Sie exklusiv bei persoenlich.com in voller Länge.
Dreikönigstagung 2018: Furioser Schawinski – verletzter Rutz
Diskutierten über die No-Billag-Initiative (v.l.): Radio-1-Chef Roger Schawinski, Moderator Reto Brennwald und SVP-Nationalrat Gregor Rutz. (Bild: Michèle Widmer)
von Christian Beck

Erst am Vorabend der Dreikönigstagung vom Dienstag ist entschieden worden, einen weiteren Programmpunkt aufzunehmen: ein kurzes Streitgespräch zur No-Billag-Initiative. Die Kontrahenten: Medienpionier Roger Schawinski und SVP-Nationalrat Gregor Rutz (im Video unten sehen Sie das ganze ungekürzte Streitgespräch).

Auf die Einstiegsfrage des Moderators Reto Brennwald, was er vom Inhalt des neuen Schawinski-Buches «No Billag?» halte, sagte Rutz: «Es war schwierig zu lesen, weil ich schlecht blättern kann.» Gemeint war damit sein einbandagierter linker Arm – Rutz hatte über die Feiertage einen Unfall auf Glatteis. Dann aber kam Rutz auf den Buchinhalt zu sprechen: «Die zentralen Thesen sind ja alles Sachen, die wir seit Monaten und Jahren im Bundeshaus diskutieren.» Im Parlament sei versucht worden, einen Gegenvorschlag zur No-Billag-Initiative zu lancieren. «Es hatte alles keine Chance. Im Parlament wurde alles abgeblockt.» So würde man nun vor dieser Schwarz-Weiss-Entscheidung stehen, so Rutz.

Als Schawinski zu Wort kam, startete er gleich eine verbale Attacke in Richtung Rutz. Schawinskis Frage, ob er denn überhaupt Medienerfahrung vorweisen könne, beantwortete Rutz zuerst gar nicht. Und dann: «Ich bin mir gar nicht gewöhnt, dass man Antworten geben darf, wenn Sie reden.» Diese Bemerkung sorgte für Lacher unter den über 200 Anwesenden im Saal. Schliesslich setzte Schawinski emotional fort, sagte, dass «absolute Laien» über «No Billag» reden und dabei «einen Unsinn verzapfen» würden. Das Resultat sei, dass man nun vor einer «Russisch-Roulette-Entscheidung» stehen würde.

Ausländische Sender würden profitieren

«Es gibt ein viel zu kleines inländisches Angebot», sagte Schawinski weiter. Die SRG hätte 30 Prozent Marktanteil, die Privaten 7 Prozent – über 60 Prozent des TV-Konsums würden sich ausländische Sender schnappen. «Wir sind völlig überfremdet», so Schawinski. «Und ausgerechnet die Volkspartei will den deutschen Sendern noch mehr Tür und Tor öffnen.»

Rutz fand es «unterhaltsam, dass ein ehemaliger ausländischer Fernsehdirektor die Schweizer Werte verteidigt» – der SVP-Politiker spielte darauf an, dass Schawinski von 2003 bis 2006 Geschäftsführer von Sat.1 war. «Das zeigt aber, dass die Situation etwas kompliziert ist. Und diese Komplexität wurde im Parlament vielleicht etwas unterschätzt», so Rutz. Er werde mit «Ja» stimmen, weil er keine Angst vor dem Markt habe. «Die Solidarität wird auch so spielen.»

Zu sagen, man hätte sich eine andere Ausgangslage gewünscht, nun aber trotzdem der Initiative zuzustimmen, bezeichnete Schawinski als «absolut verantwortungslos». Er könne nun nur noch hoffen, dass alles gut ausgehe.



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Kommentare

  • Oscar Neira, 10.01.2018 03:09 Uhr
    Sorry ich kann Roger einfach keine 3 Minuten zuhören. Zuallererst Vorstellung des Buches, danach bashing über alle anderen die dumm sind und danach sogar eine Vorlesung aus dem Buch. So ein Mitnahmeeffekt mit Buch zeigen und erwähnen ist ja ok, aber danach noch Vorlesungen halten als ob es die Bibel der Wahrhaftigkeit sei, geht gar nicht. Ich hoffe SRG hat ihm eine Rechnung für diese Werbeplattform gesandt. Sonst will ich auch meinen Blog gratis in TV bewerbern und promoten. Aber vielleicht bin ich einfach zu dumm und verstehe von nix.
  • Daniel Schifferle, 10.01.2018 03:26 Uhr
    Die SRG würde den Privaten und den Printmedien etwas wegnehmen und den freien Medienmarkt verhindern, zeugt von Unkenntnis des Medienmarktes. Der Medienmarkt ist wie eine grosse Chilbi: Nimmt man die grossen Attraktionen raus, profitieren nicht etwa die verbleibenden Kleinen. Nein, die Leute gehen ganz einfach nicht mehr an die Chilbi. Alle verlieren. No Billag zerstört das Interesse an Schweizer Medien und beschleunigt deren Abstieg in die Bedeutungslosigkeit.
  • kurt rudolf, 10.01.2018 07:25 Uhr
    Da sieht man ja wieder, wie die SVP die schwez. Errungenschaften zerstört, dabei sagen Sie immer, sie schützen die Schweiz..... - mehrere 1‘000 Arbeitsplätze werden zerstört - Die ganze Wertschöpfung wird in ausländische Hände verschenkt (RTL, SAT1, etc. - regionale Informationen verschwinden -Sprachminderheiten werden ausgegrenzt Ja SPV zerstörtdie Schweiz.... :-((((( das ist Fakt!
  • Eva Amgwerd, 10.01.2018 14:38 Uhr
    Ich denke, wenn sich Roger Schawinski nun so laut in die No-Billag-Initiative einschaltet, schadet das den Gegnern von No-Billag und der SRG. Schawinski ist einfach kein Sympathieträger und kommt bei vielen Leuten nicht gut an. Ihm haftet der Geruch an, dass es immer um seine Person geht und er auch immer noch ein Geschäftchen wittert. Selten lässt der die Leute wirklich ausreden. Natürlich würde es das sofort dementieren. Bin echt der Meinung, dass Schawinski der SRG einen schlechten Dienst erweist. Ich mag einige Moderatorinnen und Moderatoren von SRF, zum Beispiel die ganze 10vor10-Crew (noch nie war sie so gut wie aktuell, finde ich). In dem diese ihre Arbeit weiterhin professionell ausführen - souverän, gelassen, und nicht von dieser Initiative getrieben, erweisen sie der SRG wahrscheinlich den grösseren Dienst. Für solche Leute werde ich ein Nein in die Urne werfen. Aber nicht für Herr Schawinski.

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