18.12.2016

AZ Medien

Die «Schweiz am Sonntag» wird eingestellt

Nun ist es definitiv: Die AZ Medien bringen ab März 2017 am Sonntag keine Printzeitung mehr heraus und bauen dafür die Samstagsausgabe der «Aargauer Zeitung» aus. Die umgebaute Zeitung wird «Schweiz am Wochenende» heissen. Kündigungen sind derzeit keine geplant.
AZ Medien: Die «Schweiz am Sonntag» wird eingestellt
Die «Schweiz am Sonntag» wird zur «Schweiz am Wochenende». (Bild: Keystone)

Jetzt ist es offiziell: Die Tage der Zeitung «Schweiz am Sonntag» sind gezählt. Das Medienunternehmen AZ Medien legt ab dem 4. März seine Sonntagszeitungen mit der Samstagsausgabe der «Aargauer Zeitung» zusammen. Statt zwei Ausgaben kommt am Samstag noch eine «Schweiz am Sonntag» heraus.

Das Unternehmen begründet den Schritt in einem Editorial in der «Nordwestschweiz» vom Samstag mit knapper werdenden Werbeeinnahmen und hohen Kosten bei Druck, Papier und Vertrieb. «Dieser Bereich macht gut die Hälfte der Gesamtkosten aus», schreiben Verleger Peter Wanner und Chefredaktor Patrik Müller. Über die Höhe der Kostenreduktion gibt der Verlag auf Anfragen von persoenlich.com keine Auskunft. Über die Pläne der AZ Medien hatte das Branchenmagazin «Schweizer Journalist» bereits Anfang Dezember berichtet.

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Die Frontseite vom Samstag der «Aargauer Zeitung».

«Indem AZ Medien am Wochenende nur noch einen Druck- und Vertriebsvorgang haben, werden in diesem nicht publizistischen Bereich Mittel frei, die wir in die journalistische Leistung und Qualität investieren können», heisst es weiter. Gleichzeitig sei man mit diesem Schritt «künftig gegenüber herkömmlichen Sonntagszeitungen einen Tag voraus».

Die neue «Schweiz am Wochenende» biete Lesestoff für zwei Tage mit einem ausgebauten Lokalteil. Sie werde umfangreicher sein als die «Schweiz am Sonntag». Für den Leser, der die Zeitung am Sonntag online bezieht, werden die Inhalte aktualisiert.

Welche Folgen die Veränderungen für die Mitarbeiter der «Schweiz am Sonntag» hat, wird sich zeigen. «Derzeit sind keine Kündigungen geplant», sagt Sprecherin Monica Stephani auf Anfrage von persoenlich.com. Der Wochenendmarkt werde sich in diesem Zusammenhang neu organisieren und Dienstleistungsverhältnisse müssten überprüft werden. Wie genau dies passiere, werde sich im Verlauf der nächsten Monate zeigen.

800 Mitarbeiter bei Presto Presse-Vertrieb betroffen

Die Presto Presse-Vertriebs AG, die seit 2009 für den Vertrieb der «Schweiz am Sonntag» verantwortlich ist, bedauert den Entscheid der AZ Medien sehr. Von der Einstellung seien rund 800 Mitarbeitende betroffen, die bisher die Zeitung jeden Sonntag in einem Pensum von 2 bis 2,5 Stunden verteilt hätten. Die Konzerngesellschaft der Schweizerischen Post überprüft nun den Personalbestand. Ob es zu Entlassungen komme, sei noch unklar.

Die erste Ausgabe der AZ-Medien-Sonntagszeitung «Sonntag» war am 16. September 2007 erschienen. Sie ging mit einer Auflage von 240'000 Exemplaren an den Start. Chefredaktor war der damals 32-jährige Patrik Müller. 2011 folgte die erste Überarbeitung des Layouts.

2013 wurde die Sonntagszeitung mit der «Südostschweiz am Sonntag» zusammengelegt und erschien ab März unter dem Titel «Schweiz am Sonntag». Die Auflage betrug damals 203'156 Exemplare, aktuell sind es laut der Webseite der Zeitung noch 190'176. Gemäss den WEMF-Zahlen von letztem April hat die «Schweiz am Sonntag» 345'000 Leser.

Dorer wechselt zu Ringier

Diesen Herbst hatten die AZ Medien bekanntgegeben, aus Kostengründen 26 Stellen abzubauen. Sechs Kündigungen würden ausgesprochen. Zudem wurde angekündigt, dass «Schweiz am Sonntag»-Chefredaktor Müller zusätzlich das Amt des Leiters der «az Nordwestschweiz», Christian Dorer, übernimmt. Dorer wechselt zu Ringier.

Die AZ Medien AG ist an über 13 Standorten vertreten und zählt mehr als 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Medienunternehmen gibt unter anderen die «Aargauer Zeitung», die «Basellandschaftliche Zeitung», die «bz Basel», die «Limmattaler Zeitung», die «Solothurner Zeitung», das «Grenchner Tagblatt» und das «Oltner Tagblatt» heraus. Mit Sendern wie TeleZüri, Tele M1 oder TV24 sind die AZ Medien auch im TV-Markt vertreten.(sda/wid)



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Kommentare

  • glancy mueller, 17.12.2016 08:51 Uhr
    leider kein verlust für die ch-presselandschaft. einzig die redaktoren, die bald gekündigt werden, tun mir leid. typisch wanner: überall will er mitmischen, aber statt, dass er eine sache richtig und mit mut und engagement macht, versucht er auf jeder party rumzutanzen. wahrlich kein vorbild.
  • Andy Lehmann, 17.12.2016 13:51 Uhr
    Es wird gar nichts eingestellt. Die Schweiz am Sonntag wird nicht mehr gedruckt, es gibt sie einfach nur noch digital. Und einige Artikel der digitalen Ausgabe am Sonntag sind bereits in der Schweiz am Wochenende abgedruckt worden. Easy!
  • Robert Weingart, 17.12.2016 16:23 Uhr
    Es dürfte nun interessant sein zusehen, ob Produkte wie "Zentralschweiz am Sonntag" oder "Ostschweiz am Sonntag" auch vom Markt verschwinden und am Schluss nur noch die grossen Drei übrigblieben. Meiner Meinung nach ein durchaus denkbares Szenario. Es wäre vielleicht aber fair von den AZ Medien, den neuen Tiel nicht als grosse Neuheit darzustellen. Denn Wochenendausgaben kennen andere Verlage schon lange - siehe NZZ oder in Deutschland. Es ist nun zu hoffen, dass nicht noch Journalisten durch diesen Schritt ihre Arbeitsstelle verlieren. Man kann nur viel Glück wünschen und hoffen, dass die "Schweiz am Wochenende" eine Bereicherung und erfolgreich wird.
  • glancy mueller, 17.12.2016 20:40 Uhr
    @andy lehmann: würden sie uns noch bitte erklären in welchem verhältnis sie zur az medien stehen? wenn sie nicht verbandelt sind mit ihr, dann lässt ihr kommentar nur einen schluss zu: sie sind völlig ahnungslos, was die zeitungsmacherei angeht. sind sie verbandelt mit ihr und tun das hier nicht kund, sind sie etwa der gleiche amateur wie wanner und seine mannen.
  • Andy Lehmann, 19.12.2016 07:03 Uhr
    @glancy Müller: ob ich ahnungslos bin, überlasse ich gerne Ihrer Beurteilung (www.andylehmann.ch). Verbandelt bin ich mit den az-medien definitiv nicht. Aber erlauben Sie mir eine Frage: Woher kommt denn Ihr grosses Misstrauen gegenüber 'Wanner und seinen Mannen'?

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