07.06.2017

NZZ-Gruppe

«Die Menschen werde ich vermissen»

Abrupt und überraschend: Der 48-jährige Veit Dengler ist am Mittwoch als CEO der NZZ-Gruppe abgetreten. Gegenüber persoenlich.com nimmt er Stellung.
NZZ-Gruppe: «Die Menschen werde ich vermissen»
Fast vier Jahre lang an der Falkenstrasse: «Ich gehe jetzt – und Servus», sagte Veit Dengler am Mittwoch bei seiner Verabschiedungsrede. (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Dengler, Sie verlassen die NZZ per sofort. Warum so schnell?
Wenn ein solcher Entschluss einmal gefasst ist, gibt es keinen Grund zuzuwarten. Wir haben an allen Schlüsselpositionen Toppleute; die Ziele für 2017 sind gesetzt. Ich bin sehr zuversichtlich für die Übergangsphase.

Sie haben also Ihr Büro am Mittwoch geräumt?
Nein, das werde ich in den nächsten Wochen in aller Ruhe machen. Es wird eine geordnete Übergabe von mir zu Jörg Schnyder geben. Das ist alles geplant und auf den Weg gebracht.

Was war rückblickend gesehen Ihr persönliches Highlight bei der NZZ?
Die Menschen. Für die NZZ-Mediengruppe arbeiten unglaublich viele talentierte und spannende Persönlichkeiten. Den Austausch mit ihnen werde ich vermissen.

Was Ihr grösster geschäftlicher Erfolg?
Dass wir das Ergebnis in den letzten beiden Jahren in einem sehr anspruchsvollen Umfeld steigern konnten und die Kapitalrendite wieder auf dem Niveau von 2012 ist. Und dass wir die Erosion bei den zahlenden Kunden der NZZ stoppen konnten.

Ihre Strategie war es, jeden Monat ein neues Produkt zu lancieren. Das war wohl zu ambitioniert, respektive zu unkoordiniert?
Das war nie die Absicht. Ich habe von einem Produkt pro Quartal gesprochen. Das haben wir in der ersten Phase unserer Produktinnovationsstrategie auch gemacht. Diese Taktung war richtig für die Anfangsphase. 

Laut NZZ heisst es, der Verwaltungsrat und Sie seien unterschiedlicher Auffassung darüber, wie die neue Strategie in der nächsten Phase umzusetzen ist (persoenlich.com berichtete). Wo genau liegen die Differenzen? 
Es geht um Fragen der Umsetzung und der Priorisierung.

Welche Rolle spielt das Projekt NZZ.at im Zusammenhang mit Ihrem Abgang?
Gar keine.

Hier soll die NZZ-Gruppe einen mehrstelligen Millionenbetrag investiert und verloren haben. Stimmt das?
Wir weisen im Geschäftsbericht keine Finanzzahlen einzelner Produkte aus. Ich kann hier also keine detaillierten Angaben machen. 

Bleiben Sie in der Schweiz oder ziehen Sie zurück nach Österreich und inwiefern haben Sie weiterhin politische Ambitionen?
Meine Kinder fühlen sich in der Schweiz sehr wohl. Wir werden sehen. Jetzt mache ich erst Mal Pause.

Was haben Sie in diesen Jahren Entscheidendes gelernt?
Sehr viel über Innovation – und die Bedeutung der Unternehmenskultur in diesem Zusammenhang. Ich denke, dass die NZZ-Mediengruppe kulturell an einem ganz anderen Punkt steht als vor vier Jahren.

Wie verabschieden Sie sich von den Mitarbeitenden?
Ich hatte am Mittwoch kurz die Gelegenheit dazu. Im Juli machen wir einen Apéro.



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