14.08.2017

Tamedia

Abgangswelle bei «20 Minuten»

Acht Journalisten gehen, fünf stossen neu zur Redaktion: Beim Gratisblatt von Tamedia kommt es gleich zu mehreren Personalwechseln – besonders betroffen sind die Ressorts People, Wirtschaft und Ausland. Gaudenz Looser, stv. Chefredaktor von «20 Minuten», nimmt Stellung.
Tamedia: Abgangswelle bei «20 Minuten»
Der Newsroom von «20 Minuten». (Bild: 20 Minuten)
von Tim Frei

Bei «20 Minuten» kommt es zurzeit zu einem regelrechten Exodus: Nicht weniger als acht Journalisten haben die Gratiszeitung verlassen oder werden dies in den nächsten Monaten noch tun – darunter die Leiterin des People-Ressorts sowie der Auslandchef. Diesen Abgängen stehen fünf Zuzüge gegenüber, wie persoenlich.com weiter weiss. Der stellvertretende Chefredaktor Gaudenz Looser bestätigt alle Informationen auf Anfrage.

Aderlass bei der People-Redaktion am grössten

Am stärksten von der Abgangswelle betroffen ist das People-Ressort mit insgesamt drei Journalisten. Namentlich handelt es sich dabei um Ressortleiterin Bettina Bendiner sowie die Redaktoren Yves Schott und Lorena Sauter. Bendiner verlässt «20 Minuten» nach sieben Jahren per Ende November. «Diese Zeit fühlt sich wie eine goldene Hochzeit an», erklärt sie gegenüber persoenlich.com. Obwohl sie mit diesem Team fast wie verheiratet sei, sei das jetzt ein guter Moment für einen neuen Abschnitt.

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Yves Schott geht nach vier Jahren per Ende Oktober und wird neu Chefredaktor beim «Bärner Bär». «Die Arbeit bei ‹20 Minuten› hat mir sehr viel Spass gemacht und das tut sie auch nach wie vor», sagt Schott. Nun sei es aber Zeit für eine neue Herausforderung und da sei die Stelle beim «Bärner Bär» genau zur richtigen Zeit gekommen. Die Möglichkeit, bei der Berner Wochenzeitung wirken zu können, sei für ihn persönlich die richtige berufliche Weiterentwicklung.

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Lorena Sauter hat «20 Minuten» per Ende Juni in Richtung SRF verlassen, wo sie seit Anfang Juli als Mediensprecherin für den Bereich Unterhaltung tätig ist. Sauter arbeitete fast sechs Jahre für das People-Ressort des Gratismediums von Tamedia (persoenlich.com berichtete). Zu den Gründen ihres Abgangs wollte sie sich auf Anfrage nicht äussern.

Zwei Abgänge, ein Neuzugang im Wirtschaftsteam

Im Wirtschaftsressort kommt es mit den Redaktoren Kaspar Wolfensberger und Fabian Lindegger zu zwei Abgängen. Wolfensberger geht per Ende August und wechselt zur Finanznachrichtenagentur AWP. «Nach drei Jahren bei ‹20 Minuten› habe ich eine neue Herausforderung gesucht, bei der ich mich beruflich weiterentwickeln kann», sagt Wolfensberger gegenüber persoenlich.com. Lindegger verlässt die Gratiszeitung per Ende September.

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Neu zum Wirtschaftsteam stösst Anfang September Dominic Benz, wie Looser erklärt. Der 40-Jährige war unter anderem für die «Handelszeitung» und Thomson Reuters tätig.

Kathrin Kocher wird neue Auslandchefin

Auslandchef Oliver Fischer hat «20 Minuten» bereits Ende Mai verlassen, um per 1. Juni bei der «Südostschweiz» anzufangen. Dort ist er Leiter des Newsdesks über alle vier SO-Kanäle Print, Radio, TV und Online. Ersetzt wird Fischer bei «20 Minuten» seit Anfang Juni durch Kathrin Kocher, die zuvor beim Gratismedium Online-Blattmacherin war.

Oliver Fischer, Somedia Kopie

Auch im Zürich-Ressort ist es zu einer Rochade gekommen. Redaktor Cédric Knapp ist Ende Juli gegangen, Tobias Wedermann ist seit August sein Nachfolger. Wedermann übernahm zuvor die Mutterschaftsvertretung der stellvertretenden Ressortleiterin Maja Sommerhalder. Für Wedermann, der im März 2013 bei «20 Minuten» im Ressort Zürich begann, ist es eine Rückkehr: Bereits von August 2014 bis Mai 2015 war er Zürich-Redaktor. Während seiner Abwesenheit hat er seine Karriere als DJ vorangetrieben. «Ich hatte mich damals schwergetan, die ‹20 Minuten›-Familie zu verlassen», sagt Wedermann. Insofern freue es ihn, zurückzukehren. Von August bis Mitte November 2016 war er als Freelancer an einem Video-Projekt der Tamedia beteiligt.

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Beim «20 Minuten»-Newsdesk gibt es ebenfalls einen Neuzugang: Barbara Lanz ist seit Anfang August Blattmacherin. Davor leitete sie während vier Jahren das Online-Team der «Schweizer Illustrierten».

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Barbara Lanz ist nicht die einzige Journalistin, die von der SI zu «20 Minuten» stösst. Katja Fischer, zusammen mit Lanz Co-Leiterin des Online-Teams, wechselt ebenfalls zur Gratiszeitung. Sie ist seit wenigen Tagen Teil des Newsexpress-Teams.

Ausserdem hat Community-Redaktor Christian Messikommer «20 Minuten» per Ende Juli verlassen.

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Alle Stellen werden ersetzt, «aber nicht alle mit dem bisherigen Aufgabenprofil», sagt Gaudenz Looser gegenüber persoenlich.com. «Teils haben langjährige, verdiente Mitarbeiter spannende Jobangebote angenommen, teils haben Mitarbeiter nach längerem oder kürzerem Einsatz bei uns ganz ‹Millennial-like› Lust auf etwas völlig Neues verspürt», erklärt Looser. Er fügt an: Teils hätten Mitarbeiter die hohen Anforderungen ihrer Position nicht erfüllen können.

Looser sieht in den Abgängen auch Positives: «Sie sind angesichts des nicht nachlassenden Kosten- und Veränderungsdruckes in unserer Branche immer auch eine Chance, die bestehenden Strukturen zu überdenken und die Redaktion mit neuen Job- und Fähigkeitsprofilen weiterzuentwickeln.»

 



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Kommentare

  • Beat Hardegger, 13.08.2017 18:14 Uhr
    Was alle denken, aber sich niemand zu schreiben getraut: Vielleicht sollte man mal den stv. Kopf des Fisches überdenken. Es ist doch einfach schrecklich billig, sich solch eine Fluktuation (nicht die erste Welle) mit dem "‹Millennial-like› " schönzureden. Vielleicht liegt es einach auch nur daran, dass es Looser & Co. nicht schaffen, ein Team erfolgreich zu führen.
  • Ivan Madeo, 14.08.2017 08:34 Uhr
    Die Abgänge sie „eine Chance, die bestehenden Strukturen zu überdenken und Fähigkeitsprofile weiterzuentwickeln“? Warum sagt Tamedia nicht offen, dass sie derzeit den mutmasslich grössten Abbau der Pressevielfalt der Schweiz vorbereitet? Bereits ab Ende August sollen am Standort Bern (Berner Zeitung, Bund) Stellenkürzungen bis zu 30 Prozent erwartet werden. Und dies obwohl die Tamedia in den letzten 10 Jahren einen kumulierten Gewinn von 1,5 Milliarden Franken erwirtschaftete. Man sollte sich gegen das geplante Massenentlassungs-Massaker unbedingt wehren. Mehr dazu hier: https://nzzas.nzz.ch/wirtschaft/einsparungen-einheitskost-tamedia-ld.1291046 Und hier: https://www.woz.ch/-7f3b
  • Nico Herger, 14.08.2017 14:29 Uhr
    @Ivan Madeo: Diese Berner Zeitungen werfen keinen oder zu wenig Gewinn ab. Es gibt Gründe, weshalb Leute kein Abo mehr bezahlen und weniger Werbung schalten. Werden diese Zeitungen von andern Tamedia-Produkten quersubventioniert, bedeutet dies, dass die Konsumenten dieser andern Produkte zu viel bezahlen. Wieso sollen sie dies? Was Tamedia mit dem Gewinn macht, ist ihre Sache. So wenig ich von diesem Unternehmen halte, verstehe ich doch sehr gut, dass es nicht einfach unprofitable Blätter durchfüttern will.

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