09.06.2018

Digital Out of Home

ZKB und Raiffeisen testen intelligente Screens

Die Bildschirme analysieren Alter, Geschlecht und Bewegungen der Passanten und schalten je nach dem eine andere Werbung.

Die beiden Banken Raiffeisen und ZKB testen zurzeit umstrittene Werbebildschirme, wie die Zeitung «Schweiz am Wochenende» berichtet. Mithilfe von Kameras und Detektoren wissen die intelligenten Screens, wer vor ihnen steht. Sie analysieren Alter, Geschlecht und Bewegungen der Passanten und schalten je nach dem eine andere Werbung. Während solche Screens im Ausland, insbesondere in Asien, schon breit im Einsatz sind, gab es sie in der Schweiz bisher nicht.

Echtzeitanalyse

Doch mit den beiden Banken wagen sich nun erste namhafte Firmen in dieses Feld vor. Seit Mai hat die Zürcher Kantonalbank (ZKB) zwei Bildschirme am Hauptbahnhof in einem Pop-up-Geschäft installiert. Dass der Kunde von drei an der Decke montierten Kameras beobachtet wird, ist nicht deklariert. «Das ist nicht nötig, da nicht wirklich gefilmt wird, sondern der Geschehene in Echtzeit analysiert wird», sagt der ZKB-Vertreter vor Ort in der «Schweiz am Wochenende». «Das Gesicht wird weder fotografiert noch gespeichert.» Dass dies geschehe, habe bisher noch kein Kunde bemerkt.

Kinder werden erkannt

In der ZKB-Filiale funktioniert die Magie so: Betritt ein zirka 30-jähriger Kunde das Geschäft, erscheint auf dem Bildschirm Werbung für die Bezahlfunktion Twint. Bei 40-Jährigen werden ZKB-Vorsorgepläne propagiert. «Und Leute um die 60 werden auf unsere Nachlass-Optionen aufmerksam gemacht», sagt der ZKB-Mann. Auch Kinder werden erkannt. Bei ihnen erscheint das Bank-Maskottchen Filou.

Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte hat sich laut einer Sprecherin noch nicht näher mit der Technologie befasst. Dennoch mahnt sie: «Wird die Gesichtserkennung für Werbezwecke eingesetzt, müssen die Passanten entsprechend informiert werden und sie müssten ihre Einwilligung geben können.» Das Argument, dass keine personenbezogenen Daten erhoben werden, sei nicht schlüssig, da es schliesslich um biometrische Daten gehe und die personalisierte Werbung das Ziel sei. (pd/eh)



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Kommentare

  • Julius Zehnder, 09.06.2018 12:49 Uhr
    Absolute Frechheit was hier passiert! Wie kann eine Bank es wagen Leute im öffentlichen Raum zu filmen, ohne diese darüber zu informieren. So was geht gar nicht! Wahrscheinlich werden die Daten die generiert werden noch irgendwie im Ausland gespeichert!
  • Guido Stillhard, 12.06.2018 09:14 Uhr
    Audience Measurement und die Verzahnung der physischen Welt mit der digitalen sind ja keine absolute Neuheit. Das man dieses Thema allerdings gerade mit zwei national bedeutenden Banken im öffentlichen Raum austestet, ohne dabei proaktiv auf das sensible und hochaktuelle Thema des Datenschutzes zu verweisen, ist speziell und sehr erstaunlich. Diese Information kommt ganz bestimmt nicht von den erwähnten Banken, sondern wohl eher von Unternehmen aus der Digitalwirtschaft, welche diese Technologie verkaufen wollen. Super spannende Tests und interessante Technologie - leider kommunikativ sehr schlecht platziert bzw. geleakt...

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