11.06.2018

Benci Brothers

«Menschliche Nähe ist für das Kauferlebnis unerlässlich»

Die Schuhmacherei Benci Brothers will nach Deutschland expandieren. Inhaber und Geschäftsführer Flaviano Bencivenga spricht im Interview über den «ruinösen Preiskampf» im Detailhandel und sagt, weshalb er vollständig auf Onlineverkauf verzichtet.
Benci Brothers: «Menschliche Nähe ist für das Kauferlebnis unerlässlich»
«Der Detailhandel betreibt einen ruinösen Preiskampf»: Flaviano Bencivenga, Inhaber und Geschäftsführer von Benci Brothers. (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Bencivenga, Sie sind sehr ambitiös, Zürich und die Schweiz sind für Ihre Firma mittlerweile zu klein. Jetzt planen Sie die Expansion nach Deutschland. Was waren Ihre Überlegungen?
Ich hatte immer den Wunsch, Benci Brothers in einer grösseren Stadt zu platzieren.

In einer grösseren als Zürich.
(Lacht.) Ja, unser Konzept ist international ausgerichtet. Ich könnte mir einen Benci-Brothers-Store in allen grösseren Städten von London über Paris bis Tokio und New York vorstellen. Darum wollte ich meinen nächsten Laden ausserhalb von Zürich eröffnen. Mit der Wahl von München haben wir den Vorteil, dass die bayerische Landeshauptstadt nicht weit von Zürich entfernt ist und wir die Entwicklung unseres Stores eng begleiten können.

Aber das Kaufverhalten in Deutschland ist völlig anders als in der Schweiz.
Unsere Schuhe sind ein Nischenprodukt. Diejenigen, die unsere Schuhe lieben, kaufen sie in der Schweiz, in Deutschland oder auch anderswo. Wir zielen überhaupt nicht auf den Massenmarkt ab.

«Wir zielen überhaupt nicht auf den Massenmarkt ab»

Aber die Deutschen sind ja vor allem Schnäppchenjäger.
Das würde ich so nicht sagen. Schnäppchenjäger gibt es überall; diese gehören jedoch nicht zu unseren Kunden. Deswegen gibt es bei uns praktisch auch keine Rabattaktionen. Der Detailhandel betreibt einen ruinösen Preiskampf. Viele Geschäfte bieten mittler- weile während des ganzen Jahres Preisreduktionen an. Für mich ist dies aber unseriös. Warum soll ein Konsument am Ende noch einen regulären Preis bezahlen?

Sie verzichten vollständig auf Onlinehandel.
Ein bisschen salopp formuliert: Onlinehandel ist für mich wie virtueller Sex. Die menschliche Nähe ist für das Kauferlebnis aber unerlässlich. Wer auf Onlinehandel setzt, benötigt grundsätzlich auch keine eigenen Läden mehr. Dies mag bei Elektronikprodukten funktionieren, für ein sinnliches Produkt wie Benci-Brothers-Schuhe aber ganz sicher nicht. Die Harmonie in unseren Läden, aber auch der Service, die persönliche Beratung und die Leidenschaft sind für mich enorm wichtig und ein Erfolgsgarant. Momentan beschäftigen wir an unseren drei Zürcher Standorten achtzehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir vermitteln in unseren Läden auch ein Lebensgefühl und verkaufen nicht nur den «nackten» Schuh. Ziel ist es, den Käufer beim Kauf zu inspirieren.

Ihren letzten Flagship-Store haben Sie unmittelbar neben einem Navyboot-Shop eröffnet. Ist dies Zufall?
(Lacht.) Ja, das ist wirklich Zufall. Wir haben diesen Platz nicht bewusst gesucht. Als bei unserem ersten Ladenlokal der Mietvertrag nicht mehr verlängert wurde, waren wir gezwungen, neue Räumlichkeit zu suchen. Daraufhin wurde uns das Geschäft an der Nüschelerstrasse, direkt gegenüber von Navyboot, angeboten. Ich habe kein Problem gesehen. Im Gegenteil: Zwei Schuhläden von dieser Qualität tragen wesentlich zur Belebung der Ecke bei. Auf einem Fischmarkt hat es schliesslich auch verschiedene Fischhändler.

Sie stellen Ihre Produkte teilweise in der Schweiz, teilweise im Ausland her. Welche Rolle spielt dabei die Swissness?
Sie spielt eine begrenzte Rolle. Leider kann ich nicht so viel in der Schweiz produzieren, wie ich möchte. Aber ich suche immer wieder nach Fabriken, die unsere Kriterien erfüllen. Das ist nicht ganz einfach. Der Grossteil unserer Produkte wird in Italien in ausgewählten Manufakturen hergestellt. Es sind vorzugsweise familiär geführte kleine Unternehmen, die mit uns die gleiche Passion für die Lederverarbeitung teilen. Was in der Schweiz aber möglich ist, lassen wir hier produzieren. Wir haben im Aargau eine kleine Fabrik, die zwei Linien für uns herstellt. Wir haben auch einen Gürtelhersteller gefunden, der unseren Bedürfnissen entspricht. Aber das Angebot ist noch limitiert, weil es in der Schweiz praktisch keine Anbieter mehr gibt, die dieses Handwerk beherrschen.

«Rund 70 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir durch den Verkauf von Damenschuhen»

Sind Frauen oder Männer für Sie die besseren Kunden?
Rund 70 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir durch den Verkauf von Damenschuhen. Das Angebot ist auch viel breiter als bei den Männern. Dies widerspricht ein wenig unserem Auftritt, der eher maskulin ist. Doch es scheint, dass dieses Ambiente Frauen anspricht.

Machen Sie vor der Kreation Ihrer Schuhe eine permanente Konkurrenzanalyse?
(Lacht.) Nein, das brauche ich nicht, unsere Kollektionen entstehen durch Gefühl. Für uns ist nur entscheidend, was zur Marke Benci Brothers passt, was sie verkörpert und was nicht. Wir verfolgen natürlich, was auf den Laufstegen von Paris oder Mailand gezeigt wird, orientieren uns jedoch überhaupt nicht daran. Das ist Fashion-Industrie, die nichts mit unseren Produkten zu tun hat.


Das vollständige Interview lesen Sie im aktuellen «persönlich»-Heft. Informationen zum Abo finden Sie hier.



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