26.03.2018

Ringier

Izzy kopiert britisches Video

Das Viralvideo von Ringier für Helvetic Airways ist nicht wirklich neu. In England geisterte 2016 ein fast identisches durchs Web.
von Edith Hollenstein

«Wir werden von allen Seiten auf das Video angesprochen und sind beeindruckt, was diese Art von Markenkommunikation auslöst», lässt sich Tobias Pogorevc in einer Mitteilung von letzter Woche zitieren. Der Helvetic-CEO redet von einem Film, der die hippe Truppe Izzy aus dem Hause Ringier produziert hatte. Mit Erfolg: Über 680'000 Views habe das Video auf Facebook und Instragram generiert, hiess es letzte Woche (persoenlich.com berichtete).

Was von Ringier als «eine redaktionell entwickelte Idee» beschrieben wurde, ist gar nicht neu, sondern existiert seit 2016. Im Rahmen der Kampagne «Redraw the Balance» hatte die Agentur Mullen Lowe aus London im Auftrag einer Freiwilligen-Plattform ebenfalls ein solches Video angefertigt. Mit grossem Erfolg: «Mehrere Medien berichteten darüber, so etwa The Huffington Post, MashableCreativity und viele mehr», wie Mullen Lowe damals im Kampagnenbeschrieb erwähnte.

Im Vergleich der beiden Videos fällt auf, dass die Idee aus England nicht nur aufgenommen und adapiert wurde, das Ganze geht weiter: Die Version von Izzy für Helvetic ist fast identisch.

Mit Pilotin und Feuerwehr-Mitarbeitende setzen beide auf die gleichen Berufe, das Video startet mit den genau gleichen Worten der Lehrerin, logischerweise einfach auf Deutsch übersetzt. Und nach drei gezeichneten Berufspersonen kommen die Frauen ins Schulzimmer. Das Gesicht haben sie zuerst noch mit Helmen verdeckt. Als sie diese dann abnehmen, sind im Video verblüffte Kindergesichter zu sehen. Die Einspieler sind identisch – nur auf Deutsch übersetzt.  

Bei Ringier stört man sich nicht daran, dass das alles fast 1:1 übernommen wurde. Die Izzy-Redaktion habe sich ganz allgemein von wissenschaftlichen Experimenten und Videos zu Gender-Rollen in Schulklassen inspirieren lassen, diese würden seit 1966 durchgeführt, erklärt Sprecherin Manuela Diethelm auf Anfrage von persoenlich.com. Dass es sich beim Helvetic-Video um ein bekanntes Experiment handelt, sei allen Beteiligten bewusst gewesen, so Diethelm. «Da im Video aber alles echt ist, liess sich der Verlauf der Geschichte nicht vorhersagen».

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Ringier lancierte Izzy Ende 2017. Der Claim lautete: «Mut zur Meinung. Echt jetzt». Izzy-Chef Bernhard Brechbühl sagte beim Start gegenüber persoenlich.com, man wolle Werte vertreten, die selbstverständlich sein sollten: etwa Gleichstellung und die Verurteilung jeglicher Formen von Diskriminierung. 



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