14.06.2018

Goldbach Group

«Die Googles dieser Welt grasen im Online alles ab»

Am Donnerstagabend hat Goldbach 25 Jahre Schweizer Privatfernsehen mit einer grossen Party gefeiert. 700 Gäste waren im Schloss Sihlberg in Zürich dabei. Im Gespräch mit «persönlich» sprechen CEO Michi Frank und Verwaltungsratspräsident Jens Alder über den Verkauf an Tamedia.
Goldbach Group: «Die Googles dieser Welt grasen im Online alles ab»
Goldbach-CEO Michi Frank und Verwaltungsratspräsident Jens Alder beim Treffen mit «persönlich». (Bilder: Marc Wetli)
von Matthias Ackeret

Herr Frank, Ihre Firma befindet sich momentan in einer ungewöhnlichen Situation: Zum einen feiern Sie 25 Jahre Privatfernsehen in der Schweiz, zum anderen wurde bekannt, dass Ihre Firma von Tamedia aufgekauft wird. Wehmut oder Geburtstagsstimmung?
Frank: Man muss das eine vom anderen trennen. 25 Jahre Privatfernsehen ist einfach eine coole Geschichte. Am 1. Januar 1993 startete unsere Vorgängerin, die IP Multimedia, mit den ersten Werbefenstern. Das andere, der geplante Verkauf an Tamedia, ist die richtige Antwort auf die grundlegenden Veränderungen in unserer Branche. Der Zusammenschluss mit Tamedia ermöglicht Goldbach, sich auch in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln. Unser Management steht zu 100 Prozent hinter diesem Entscheid.

Sie, Herr Alder, waren die treibende Kraft hinter dem Verkauf der Goldbach Group an Tamedia. Was waren Ihre Überlegungen?
Alder: Auslöser war die Erkenntnis, dass sich unsere Branche in einem rasanten Umbruch befindet und wir einen starken Partner benötigen. Diese Erkenntnis wurde durch die Gründung von Admeira vor bald drei Jahren beschleunigt. Admeira hat uns gegenüber den Riesenvorteil, dass es auf die Swisscom-Daten zurückgreifen kann. Der zweite Punkt ist mittlerweile eine Binsenwahrheit. Trotzdem ist es eine Tatsache, dass die Googles und Facebooks dieser Welt im Onlinebereich alles abgrasen. Dagegen wollten wir eine Alternative aufbauen. Deswegen muss ich schmunzeln, sobald die Forderung erhoben wird, man solle die Werbegelder in der Schweiz behalten. Das ist ein Terminus aus dem letzten Jahrtausend. Wer Dienstleistungen und Inhalte benötigt, muss diese finanzieren können, dabei spielt es keine Rolle, woher die Gelder kommen. Und zum Dritten: Die fortschreitende Digitalisierung ist wahnsinnig kapitalintensiv. Dazu braucht es einen finanzkräftigen Partner.

Das hiesse, Goldbach hätte selbstständig gar nicht mehr weiter existieren können …
Zumindest hatten wir den Eindruck, dass wir in dieser Aufbruchsituation einen starken Partner benötigen. Als ich bei Goldbach startete, befand sich das Unternehmen in einer schwierigen Situation. Bei einer solch strategischen Weichenstellung kann man nachträglich nie sagen, welcher Weg der bessere gewesen wäre. Tatsache jedenfalls war, dass wir uns vor fünf Jahren europaweit auf die Suche nach einem idealen Partner machten.

Das heisst, Tamedia war anfänglich nicht Ihre Wunschpartnerin ...
Das stimmt. Die ganze Partnersuche war ein langer, strukturierter Prozess. Tamedia kam relativ spät dazu, wobei die Kontaktaufnahme von uns ausging. Obwohl wir schnell die Vorteile einer Übernahme sahen, gab es längere Diskussionen, bis es auch für unsere Mitarbeiter und Aktionäre stimmte.

Aber warum entschieden Sie sich schliesslich für Tamedia?
Wir glauben, dass wir mit Tamedia die richtige Antwort auf Admeira gefunden haben. Zudem ist es eine schweizerische Antwort auf Google und Facebook. Tamedia muss – wie wir auch – in den nächsten Jahren sehr viel Geld in die Digitalisierung investieren. Gerade bezüglich der Buchungsplattformen gibt es zwischen unseren Unternehmen grosse Synergien. Zudem ist Tamedia finanzkräftiger als wir.

Herr Frank, Admeira ist seit zwei Jahren auf dem Markt. Ist es für Sie wirklich der grosse Konkurrent geworden, wie bei der Gründung immer wieder behauptet wurde?
Frank: Man muss nochmals die Ereignisse rekapitulieren. Im Frühsommer 2015 wurde die Revision des RTVG ganz knapp angenommen, mit welcher die Haushaltabgabe eingeführt wurde, von der ein ganz grosser Anteil zur SRG fliesst. Nur knapp drei Monate später wurde die Gründung von Admeira zwischen SRG, Swisscom und Ringier bekannt gegeben. Die Firma nahm vor genau zwei Jahren ihren Betrieb auf. Jetzt muss man das ganze Konstrukt nochmals anschauen: Die Swisscom als Admeira-Partner verfügt über ein Datenmeer, zu dem wir, aber auch alle anderen Marktteilnehmer ebenfalls Zugriff benötigen. Nicht mehr und nicht weniger. Dafür würden wir selbstverständlich auch zahlen. Die Antwort der Swisscom: Sie sammle diese Daten lediglich. Für uns bedeutet es eine massive Marktverfälschung – ein Thema, das wir nicht ruhen lassen können. Daneben haben wir die SRG, die hauptsächlich durch Gebührengelder finanziert ist. Wir stellten uns ganz klar gegen die «No Billag»-Initiative. Trotzdem kann es nicht sein, dass die SRG mehr Möglichkeiten bekommt als wir. Nicht zuletzt ist das Verbot der Onlinewerbung für die SRG auch richtig.

Herr Alder, Google und Facebook entwickeln sich immer mehr zu einem Schreckgespenst für die Schweizer Werbeindustrie. Sie verdienen aber Ihr Geld mit einem «konservativen Medium», der TV-Werbung. Ein Widerspruch?
Alder: Wir verdienen unser Geld in der Tat mit Fernsehwerbung. Das ist unsere Nische. Ich möchte Google und Facebook auch nicht als Schreckgespenst bezeichnen, sie haben einfach ihr eigenes, internationales Profil, mit dem sie unschlagbar sind. Der grösste Fehler wäre es, diese beiden Konzerne kopieren zu wollen. Deswegen ist es wichtig und auch unerlässlich, eine eigene Strategie aufzubauen. Bei den Werbekunden besteht zweifellos das Bedürfnis nach einer solchen Lösung. Mit Tamedia wäre dies auch möglich, sofern die Wettbewerbskommission die definitive Genehmigung erteilt. Ich hoffe, dass es der Weko klar ist, dass wir für Wettbewerb stehen. Dies ist in unseren Genen. Das Allerletzte wäre es, wenn der Markt strukturiert und uns jemand am Wettbewerb hindern würde. Das Einzige, was wir fordern, sind gleich lange Spiesse. Wegen Admeira ist dies nicht gewährleistet.

Aber ist die Weko-Überprüfung nicht eine Alibiübung?
Überhaupt nicht. Die Wettbewerbskommission ist eine sehr wichtige Behörde. Es war mir immer klar, dass man diese Übernahme vertieft untersuchen muss. Der Medienmarkt ist sehr kompliziert geworden und verfügt mittlerweile über viele Komponenten. Für die Weko besteht die Schwierigkeit darin, nicht die Vergangenheit zu beurteilen, sondern die Zukunft. Solche Einschätzungen sind naturgemäss sehr komplex und benötigen auch sehr viele Daten. Doch wir sind hoffnungsfroh, da Admeira von der Weko auch ohne Auflagen genehmigt wurde.

Aber besteht nicht die Gefahr, dass Sie nach einem Zusammenschluss mit Tamedia plötzlich auch noch Print vermarkten müssen?
Was heisst «die Gefahr»? Wir haben für diese Transaktion mit Tamedia einige Bedingungen ausgearbeitet. Erstens: Goldbach soll Goldbach bleiben. Nicht für alle Ewigkeit, aber zumindest für die nächsten drei Jahre sicher. Zweitens: Wir haben auch vereinbart, dass die Marke Goldbach zumindest für diesen Zeitraum bestehen bleibt. Bis dahin bleiben wir ganz sicher in Küsnacht.

Warum nur drei Jahre?
In drei Jahren sollte man in diesem ständig wechselnden Markt ein Gefühl entwickeln, wie man die Firma langfristig am besten positioniert. Ich kann nicht ausschliessen, dass Tamedia Appetit auf Goldbach bekommt, das eine hervorragende Vermarktungsmaschinerie darstellt.




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Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Print-Ausgabe von «persönlich».



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