13.03.2017

Familie und Karriere

So familienfreundlich sind Werbeagenturen

Während sich immer mehr Unternehmen mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen zu profilieren versuchen, tut sich die Werbebranche schwer. Unregelmässige, oftmals abends sehr lange Präsenzzeiten sind die Regel. Die Digitalagentur Webrepublic versucht trotzdem eine attraktive Arbeitgeberin zu sein für Eltern.
Familie und Karriere: So familienfreundlich sind Werbeagenturen
Familienfreundliche Arbeitsbedingungen als Frage der guten Organisation: Mitarbeiter in den Büros von Webrepublic. (Bild: zVg.)

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Herr Zehnder, gibt es bei Webrepublic einen Vaterschaftsurlaub, der über den gesetzlich vorgeschriebenen Tag hinaus geht?

Ja, bei Webrepublic gibt es seit Ende 2015 einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Schon vorher hatten wir fünf Tage Vaterschaftsurlaub als Standard.

Warum ist Vaterschaftsurlaub wichtig?
Wir haben den Vaterschaftsurlaub eingeführt, um junge Familien zu unterstützen und Vätern zu ermöglichen, nach der Geburt zu Hause zu sein und in die neue Situation zu wachsen. Wir sind davon überzeugt, dass Arbeitnehmer und -geber davon profitieren, wenn frisch gebackene Eltern in Ruhe starten können und dann entspannt wieder zurück zur Arbeit kommen. Als junge Agentur mit jungen Mitarbeitern war das lange kein Thema für uns - wir haben dann aber schnell gemerkt, dass auch fünf Tage noch sehr wenig Zeit sind und dies auf zwei Wochen verdoppelt.

Können Mitarbeiter, die Eltern sind, unbezahlten Urlaub zu nehmen? 
Ja, das ist bei uns möglich. Einige Mitarbeiterinnen haben ihren Mutterschaftsurlaub bereits mit unbezahltem Urlaub verlängert. Bei männlichen Mitarbeitern war dies bisher kein Thema, wäre aber grundsätzlich kein Problem. Natürlich muss mit dem Team-Lead und dem Team koordiniert werden, dass die laufenden Projekte und Aufgaben von den Kollegen übernommen werden können.

Ist Job-Sharing bei Ihnen erlaubt? 
Nein, das bieten wir nicht an. Aber durch das Wachstum der Agentur haben wir heute sicher mehr Möglichkeiten, Verantwortung flexibel zu teilen und denken auch konkret über Teilzeitpensen für Teamleiter nach.

Bieten Sie andere familienfreundliche Angebote?
Grundsätzlich möchten wir natürlich, dass Mütter nach einer Pause bei uns weiterarbeiten - die meisten kommen denn auch in Teilzeit zurück, was uns sehr freut. Um dies zu erleichtern besteht für Mütter wie auch Väter die Möglichkeit zu regelmässigen Home-Office-Tagen, wobei an diesen Tagen eine Kinderbetreuung gewährleistet sein muss. Auch hier denken wir darüber nach, wie wir das Angebot noch zusätzlich verbessern können.

Ist es für Agenturen schwieriger, familienfreundliche Arbeitsbedingungen bieten zu können als für andere Unternehmen? 
Agenturen haben sicherlich eine spezielle Ausgangslage. Oft arbeiten eher kleine Teams unter sehr hohem Zeitdruck und im engen Austausch mit den Kunden. Wir haben aber gemerkt, dass eine gewisse betriebliche Grösse Spielraum mit sich bringt und das Agenturleben nicht mehr zwingend im Widerspruch zu einem familienfreundlichen Arbeitsumfeld stehen muss.

Was heisst das?
Es ist eigentlich hauptsächlich eine Frage der guten Organisation und wir glauben, der Aufwand zahlt sich auf jeden Fall aus. Denn wir wollen die besten Mitarbeiter gewinnen und diese langfristig im Team halten können. Dazu gehört heute auch, Mitarbeitern mit Familie ein Umfeld zu bieten, dass ihnen ermöglicht, berufliche Ambitionen und familiäre Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Wir sind uns bewusst, dass unsere Lösung noch nicht perfekt ist, daher geben wir uns Mühe, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen und ein besserer Arbeitgeber zu werden.

 

*Tobias Zehnder ist Mitgründer und Partner von Webrepublic

 

Nachdem die NZZ im neuen Familienreglement einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub gewährt und künftig Teilzeit- sowie Jobsharing-Möglichkeiten anbietet, startete persoenlich.com eine Umfrage in der Branche. Während von den angefragten Medienhäuser Tamedia, Ringier, AZ Medien, Radio Zürisee, WOZ und SRF innert kurzer Frist Auskunft gaben, blieb es unter den Werbeagenturen still. Abgesehen von Webrepublic gingen weder von Publicis, Advico, Wirz noch Namics Antworten ein. (wid/eh)

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch den Kommentar von persoenlich.com-Redaktionsleiterin Edith Hollenstein.



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Kommentare

  • Adrienne Hofmann, 10.03.2017 23:27 Uhr
    Familienfreundliche Arbeitsbedingungen? Ich denke, dass auch solche ohne Kinder das Recht haben, sich nicht im Dauerzustand Nachtschichten, Wochenendarbeit, 60-Stunden-Wochen und unregelmässige Arbeitszeiten zu befinden.

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