08.11.2016

Serviceplan Schweiz

«Grösse ist für uns kein erstrebenswertes Ziel»

Im September übernahm Serviceplan Schweiz von «Factory Design Labs» ein zehnköpfiges Team, nun kauft Christian Baertschi mit der Digitalmarketingagentur INM gleich eine ganze Agentur mit 25 Leuten. Gegenüber persoenlich.com erklärt der Serviceplan-Chef seine Beweggründe für die Akquisition.
Serviceplan Schweiz: «Grösse ist für uns kein erstrebenswertes Ziel»
Er führte sieben Jahre lang eine eigene, kleine Agentur. 2012 verkaufte Christian Baertschi Anteile seiner Agentur an die Serviceplan Gruppe und übernahm als Partner und Geschäftsführer den Aufbau von Serviceplan Schweiz.
von Edith Hollenstein

Herr Baertschi, Sie scheinen in Shopping-Laune. Was gibt es zu feiern?
Wir finden immer einen Grund zu feiern – nicht nur unsere Erfolge, sondern auch unsere Misserfolge (lacht). Aber im Ernst, wir feiern, dass der Zusammenschluss unser Haus mit einem professionellen, hochmotivierten Team bereichert, welches unsere bisherige Mannschaft in idealer Weise ergänzt.

Versetzt Sie allenfalls der gute Jahresabschluss (32,2 Prozent mehr Umsatz) von 2015 in Hochstimmung?
Das freut uns, da alle Agenturen ein gesundes Wachstum aufweisen. Wachsende Unternehmen haben den Vorteil, dass sie sich viel aktiver gestalten lassen als stagnierende. Gleichzeitig werden wir uns aber nicht an der Vergangenheit orientieren. Uns interessiert das Jetzt und wie wir für unsere Kunden heute und morgen den bestmöglichen Job machen können.

Wie hoch war der Kaufpreis?
Er liegt in einem gesunden Rahmen. Über die eigentliche Höhe haben wir Stillschweigen vereinbart.

Was werden Sie durch die Integration von INM Ihren Kunden neu zusätzlich anbieten können? 
Wir haben bei Plan.Net Suisse in den letzten Jahren immer Leistungen von externen Anbietern bezogen, da wir keine eigene eigenständige Entwicklungsabteilung an unserem Standort in Zürich hatten. So zum Beispiel bei der Programmierung von komplexeren Microsites mit Datenbankanbindung etc. Das stellte uns oft vor die Herausforderung, Verantwortung zu übernehmen für Drittleistungen, welche wir nur indirekt kontrollieren konnten. Zudem sind für viele unserer Kunden die Themen Geschwindigkeit und Vertraulichkeit von entscheidender Bedeutung. Beide können wir nun noch besser als bisher garantieren.

Wie erklären Sie es langjährigen INM-Kunden, dass der Name INM nicht weitergeführt wird?
Philipp Sauber und sein Team sind eine tolle Einheit, denen viele Kunden gerne das Vertrauen schenken. Das wird sich nicht ändern, denn das Team und auch die Ansprechpartner bleiben gleich. Es verschwindet nur der Name INM. Weiterhin da ist eine starke Plan.Net Suisse.

Wetzikon ist ja nicht so weit weg: Warum müssen die INM-Mitarbeiter in die Stadt zügeln?
Unsere Gruppe zeichnet sich aus durch die erfolgreiche Integration von Kreation, Technologie und Media. Um dieser Herausforderung tagtäglich zu begegnen, vereinen wir im Haus der Kommunikation die verschiedenen eigenständig geführten Agenturen unter einem Dach. Damit reduzieren wir unnötige Schnittstellen und fördern gleichzeitig unter den Agenturen und ihren Mitarbeitern das gegenseitige Verständnis und Vertrauen – beides Punkte, welche entscheidend sind für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Entwicklung integrierter Kommunikationskonzepte.

Wann zügeln Serviceplan, Plan.Net Suisse, Serviceplan Public Relations Suisse und Solutions Suisse an den neuen Standort im Seefeld?
Wir zügeln – sofern alles klappt – Ende November dieses Jahres. Zurzeit befindet sich unser neues Haus der Kommunikation noch in Renovation. Der Umzug wird so gehen, wie man es sich von uns gewohnt ist. Schnell, unkompliziert und unprätentiös. Eröffnung feiern wir dann erst im neuen Jahr, wenn wir uns eingelebt haben.

Was wird für Sie persönlich komfortabler?
Pam Hügli (Anm. d. Red.: Geschäftsführerin der Werbeagentur) und ich kriegen wieder mehr Platz in unserem gemeinsamen Büro, weil all die anderen, die jetzt aus Platzgründen bei uns sitzen, ein eigenes Büro beziehen werden.

Serviceplan ist weiterhin inhabergeführt. Inwiefern wird dies schwieriger oder einfacher mit zunehmender Grösse der Agentur?
Das ist definitiv einfacher. Die Agenturen werden ja von mehreren Partnern resp. Inhabern geführt, welche mit Ihrem Namen für ihre Kunden einstehen. Wir müssen uns nicht mit «Business Class»-Geschichten à la Martin Suter abkämpfen wie Unternehmen, die von Managern geführt werden. Kommunikation erfolgt bei uns auf allen Ebenen direkt, ehrlich und lösungsorientiert.

Bei der Integration von zehn neuen Mitarbeitern von «Factory Design Labs» hiess es, Plan.Net Suisse komme ihrem Ziel, an die Spitze der Schweizer Digitalagenturen vorzustossen, einen weiteren Schritt näher. Ist es durch den Zukauf von INM nun soweit?
Nein, wir bewegen uns auf dieses Ziel zu und ich bin überzeugt, dass die Ambition, dieses zu erreichen, wichtiger ist, als der eigentliche Status Quo. Sobald wir das Gefühl haben, an der Spitze angekommen zu sein, haben wir einen fundamentalen Fehler gemacht und das Ziel zu wenig ambitioniert gesetzt. Das wird nicht passieren.

Mit rund 120 Mitarbeitern und einem Honorarvolumen von 16,5 Millionen Franken (2015) bewegt sich Serviceplan in Richtung grösste Schweizer Kommunikationsagentur. Warum aber taucht Ihre Agentur im LSA-Ranking weiter hinten auf?
Bisher ist lediglich die Werbeagentur Mitglied des LSA. Entsprechend rapportieren wir auch nur diese Zahlen. Andere im Ranking haben da mehr Stress ihre Zahlen zu halten.

Inwiefern soll sich das ändern?
Grösse ist für uns kein erstrebenswertes Ziel. Da wir inhabergeführt sind und unserer Arbeit mit grosser Leidenschaft nachgehen, sind persönliche Betreuung der Kunden, Verbindlichkeit und überdurchschnittliches Engagement wichtiger als der Wunsch zu quantitativer Grösse. Die Grösse ist nur dahingehend wichtig, dass wir alle Kommunikationsdisziplinen aus eine Haus anbieten können und so ein wirkliches Kundenbedürfnis erfüllen wollen.

Nochmals zurück zur Einkaufslaune: Was steht als nächstes auf Ihrer Wunschliste?
Weihnachtsgeschenke für meine Frau und für meinen Sohn. Ich möchte es dieses Jahr schaffen, die Geschenke vor dem 24. Dezember zu kaufen.



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