06.04.2017

Rocket

«Fühle mich im besten Praktikumsalter»

Er hat das Experiment gewagt: Livio Arfini, 68 Jahre alt. Er fühlt sich #TooYoungToFeedTheBirds. Im Interview spricht der vermutlich älteste Praktikant der Schweiz über die ersten Wochen in der Luzerner Werbeagentur und die Frage, was ihn dabei am meisten überrascht hat.
Rocket: «Fühle mich im besten Praktikumsalter»
«Es macht grossen Spass, in einer motivierten jungen Crew zu arbeiten», sagt Praktikant Livio Arfini. Er verdient mit seinem 80-Prozent-Pensum 1350 Franken monatlich. (Bilder: zVg.)
von Christian Beck

Herr Arfini, seit fünf Wochen sind Sie Praktikant bei der Werbeagentur Rocket (persoenlich.com berichtete). Wie alt fühlen Sie sich jetzt?
Nun, es gibt junge Alte und alte Junge. Ich zähle mich zu den jungen Alten und fühle mich im besten Praktikumsalter.

Wie haben Sie sich im jungen Team eingelebt?
Ich fühle mich rundum wohl und habe das Gefühl, schon seit Jahren in diesem kreativen, aufgestellten und offenen Team zu arbeiten. Ja, ich bin ein Teil der Rocket-Crew.

Was hat Sie bislang am meisten überrascht in der Werbeagentur?
Das, was «die» so alles können! Mit welcher Zielstrebigkeit gearbeitet wird und der respektvolle Umgang aller Mitarbeiter.

Seit dem ersten Tag werden Sie in Kundenprojekte eingebunden. Was sind Ihre Hauptaufgaben?
Hauptaufgaben habe ich keine. Es geht jedoch immer darum, spannende Ideen zu generieren, sie in ein Konzept zu integrieren, um Kunden damit weiterzubringen. Spannend war natürlich, dass ich bereits ab dem ersten Tag bei einem Projekt mitwirken durfte. Rocket hatte sich entschieden, an einem Agentur-Pitch teilzunehmen. Die Aufgabenstellung bestand darin, einen neuen visuellen Auftritt zu gestalten. Ich erhielt den Auftrag, auf der Basis der Briefings einen Konzeptentwurf zu schreiben. Im Team reifte der Entwurf anschliessend zu einem erfolgversprechenden Konzept.

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Praktikant Livio Arfini mit Sandra Fischer (Account Manager Digital/Fotografie).

Wie reagieren die Kunden auf den 68-jährigen Praktikanten?
Soweit ich das beurteilen kann, sind die Reaktionen ausnahmslos positiv. Die Kunden zeigen Interesse. Ich höre hie und da, wie mutig und kreativ die Agentur das gemacht hat. Ich schnappe auch Fragen auf, die lauten: Wie geht es mit eurem Praktikanten? Was macht er denn so?

Sie haben bei einem Projekt den Lead übernommen und arbeiten mit einem 50 Jahre jüngeren Grafiker zusammen. Ist das wie ein Vater-Sohn-Team?
Nein, überhaupt nicht. Es ist ein sehr kollegialer Umgang. Ich empfinde keinen Altersunterschied. Und das, obwohl unser Geburtstag ein halbes Jahrhundert auseinanderliegt. Wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen. Er bringt sein und ich mein Know-how ein.

Sie waren früher Chief Learning Officer bei Manor, leiteten also eine Personalentwicklungsabteilung. Können Sie sich da überhaupt «unterordnen»?
In meiner Arbeitswelt gab es nie ein «Unterordnen»! Es ging immer um die besseren Argumente. Daran hat sich nichts geändert. Da das bei Rocket auch zur Kultur gehört, stellt sich diese Frage überhaupt nicht.

Zu Praktikantenaufgaben gehört manchmal auch Saubermachen und Kaffee holen. Machen Sie das auch?
So, gehört das dazu? Hier im Haus holt sich jeder den Gratis-Kaffee selber, und für das Saubermachen ist ein Putzinstitut zuständig.

Wie kann das Rocket-Team von Ihnen profitieren?
Nun, ich strahle eine gewisse Ruhe aus, und «operative Hektik» ist nicht mein Ding. Ich verfüge über ein breites Allgemeinwissen sowie eine ordentliche Lebenserfahrung. Ich habe auch den Mut, meine Meinung einzubringen sowie auf Verbesserungsmöglichkeiten hinzuweisen. So habe ich zum Beispiel angeregt, eine Welcome-Karte für neue Crew-Members zu gestalten.

Und was nehmen Sie nach den ersten fünf Wochen bereits mit?
Dass ich mich bei den «Werbern» schon gut eingelebt habe. Ich fühle mich jedenfalls schon als Teil der Community, mein Arbeitstag beginnt mit dem Lesen des persoenlich.com-Newsletters. So bin ich bestens informiert, was in der Branche läuft. Auch fühle ich, dass lebenslanges Lernen keine leeren Floskeln sind und es grossen Spass macht, in einer motivierten jungen Crew zu arbeiten.

Ihr Praktikum dauert bis Ende Mai. Was wollen Sie noch erreichen?
Eine gute Frage. Ich denke, wenn es in der Art und Weise weitergeht, wie es begonnen hat, kann ich sagen: Es hat meine Erwartungen weit übertroffen. Der Entscheid, dieses Experiment einzugehen, war goldrichtig. Super wäre natürlich, wenn Rocket den Pitch zum neuen visuellen Auftritt gewinnen würde und daraus ein Auftrag entstünde.


Im Januar schrieb die Luzerner Werbeagentur Rocket die Stelle für den ü65-Praktikaten aus. Mit dem Kurzvideo #TooYoungToFeedTheBirds sollten bewusst junggebliebene, aktive Rentner angesprochen werden.



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