29.05.2009

ZEINDLER PETER, Juni 2009

Kein Entrinnen: Woraus schöpft ein Schriftsteller seine Fantasie? Der bekannte und vielfach ausgezeichnete Zürcher Krimiautor Peter Zeindler kehrt für seine Bücher immer wieder in seine Heimatstadt Schaffhausen zurück, deren Aura er trotz einer bald 50 Jahre lang andauernden Flucht nicht entrinnen kann. Ein Werkstattgespräch.

Herr Zeindler, welche Erinnerungen haben Sie an Schaffhausen?

Sehr viele, schliesslich habe ich meine Jugend in Schaffhausen verbracht. In meinem vierten Lebensjahr zogen meine Eltern von Baden nach Schaffhausen, wo mein Vater Direktor des Elektrizitätswerks wurde. Zuerst wohnten wir an der Steigstrasse, später in einer wunderschönen Villa am Meisenweg, von wo aus man die ganze Stadt im Blickfeld hatte. Während der Bombardierung 1944 haben wir uns im Luftschutzkeller unter der grossen Terrasse versteckt. Wenn ich aber an Schaffhausen denke, kommt mir als Erstes das Munotfest in den Sinn, an dem ich jeweils als Indianer verkleidet teilnahm. Meine schönsten Momente verbrachte ich jedoch auf dem Rhein. Trotz fehlender Gardemasse war ich Mitglied des Ruderclubs und gehörte auch zu einer Mannschaft, die an verschiedenen Regatten teilnahm.

Wie sprachen Sie zu Hause?

Auf der Strasse sprach ich wie ein Schaffhauser, kaum war ich aber zu Hause angekommen, änderte sich auch der Dialekt. Auch heute kann ich noch auf Knopfdruck in den Schaffhauser Dialekt wechseln. Dies im Gegensatz zu meiner Mutter, die Zürcherin war und dies auch zeit ihres Lebens geblieben ist. Schaffhausen blieb ihr fremd. Doch dies lag nicht an Schaffhausen, sondern wäre auch anderswo der Fall gewesen. Meine Mutter war sehr zurückhaltend und leicht depressiv. Mein Vater hingegen hatte sich trotz seines leichten Berner Akzents in Schaffhausen sehr gut integriert. Wenn er jeweils von seinem Büro am Obertor nach Hause lief, konnte ich ihn von unserer Terrasse aus praktisch auf dem ganzen Weg verfolgen, wie er sich unserem Haus näherte. Dieses Bild hat sich in mir eingebrannt.

Inwiefern hat Sie Ihr Vater geprägt?

Ich wollte immer den Anforderungen meines Vaters gerecht werden. Als mein Vater verlangte, dass ich Pfadfinder werde, bin ich Pfadfinder geworden. Da mein Vater ein begeisterter Ruderer war, ging ich auch in den Ruderclub, obwohl ich viel lieber Fussballer geworden wäre. Doch Fussball war ein Proloclub und des Sohnes eines Akademikers unwürdig. Trotzdem habe ich immer sehr gerne gerudert und wurde später – nach dem Wechsel zum Seeclub Zürich – sogar einmal Schweizer Juniorenmeister im Achter.



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