08.06.2000

WANNER PETER, aargauische AZ Medien/August 1998

Seit 1995 kontrolliert Peter Wanner vollständig die aargauische AZ Medien, die mit über 160 Millionen Franken Umsatz fast Monopolstatus hat. Doch Wanner hat an allen Ecken und Enden zu kämpfen, nachdem andere Verleger in sein Herrschaftsgebiet eindringen wollen. Und diesen August will Wanner über Prime-TV entscheiden, nachdem immer mehr Private national auf Sendung gehen wollen. Interview: Oliver Prange

Warum wollen Sie überhaupt nationales Fernsehen machen?

"Wir machen schon lange regionales Fernsehen, sogar lange vor Roger Schawinski. Wir haben sozusagen die Pionierrolle übernommen. Ich habe Roger Schawinski seinerzeit an der Universität Stanford in Kalifornien kennengelernt und ihn auf die Idee gebracht, Lokalfernsehen mit Stundenschlaufen zu machen, wie wir dies im Aargau bereits taten. Er hat dies dann erfolgreich nachgemacht.Wenn man nun also regionales Fernsehen produziert, folgt automatisch die Überlegung, dies durch eine Verbundlösung zu stärken. Wir haben seit längerem schon mit anderen Stationen Sendungen ausgetauscht. Es besteht auch ein Werbepool. Also entstand die Idee, ein nationales Programm mit regionalen Standbeinen zu lancieren.”

Wenn Sie der Pionier sind, warum gehen Sie nicht als erster mit einem nationalen Programm auf Sendung?

"Das ist eine reine Kosten- und Risikofrage. Mit Tele M1 erreichen wir in diesem Jahr ganz bestimmt Break-even. Jetzt produzieren wir aber auch TeleTell, da gibt es Anfangsschwierigkeiten, die wir überwinden müssen. Wenn man zudem nach Deutschland sieht, erkennt man, dass nur zwei private TV-Sender rentieren, 18 schreiben Verluste. So ist es illusorisch anzunehmen, dass in der Schweiz alle privaten Sender und Fenster Geld verdienen werden. Das wird eng. Dies erklärt auch eine gewisse Vorsicht unsererseits und seitens Bern. TA-Media kommt mit einem neuen Projekt, Schawinski will Regionalfenster machen, RTL und Pro7 wollen ein Schweizer Programmfenster lancieren: Aufgrund der neu entstandenen Situation überprüfen wir die Auswirkungen und kalkulieren nochmals die verschiedenen Modelle. Geld kann man im Fernsehen sehr schnell verlieren.”

Hat Prime-TV angesichts so starker Konkurrenz überhaupt noch eine Chance?

"Wir glauben, dass man regional noch etwas bewirken kann, wenn man es gut macht. Auch national sollte dies möglich sein. Aber ich bewege mich eher auf der vorsichtigen Linie nach dem Motto: ‘Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte, wer zu früh kommt, den bestraft die Liquidität’.”



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