17.03.2009

VÖGELI STEPHAN, Jaguar-Chef/März 2009

Kultmarke: Jaguar ist der Inbegriff von Luxus. Doch die Krise in der Automobilbranche hat auch Auswirkungen auf das Geschäft mit den Edelkarossen. Glück im Unglück: Noch im vergangenen Sommer wechselte Jaguar von Ford zum indischen Autoproduzenten Tata. Jaguar-Schweiz-Chef Stephan Vögeli über das Jaguar-Feeling, die Zusammenarbeit mit den Indern und den Niedergang der englischen Auto­mobilindustrie.

Herr Vögeli, landläufig wird behauptet, Luxusmarken seien weniger krisenanfällig. Gilt dies auch für Jaguar?

Bis zum Zeitpunkt dieses Interviews, also Mitte Februar, stimmt es. 2008 war für Jaguar weltweit und vor allem in der Schweiz ein sehr erfolgreiches Jahr. Wir haben 981 Einheiten verkauft, 22,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei solchen Zahlen dürfen wir, zumindest was das Jahr 2008 anbelangt, wirklich nicht von Krise reden.

Sind dann Luxusprodukte krisenresistenter?

So generell würde ich das nicht sagen, aber Ihre Erkenntnis gilt im Grossen und Ganzen für die Schweizer Automobilbranche. Der Gesamtmarkt hat 2008 noch um 1,2 Prozent zugelegt, obwohl es im übrigen Europa teilweise massive Einbrüche gegeben hat. Das gilt für die ganze Branche, also auch für das Premium- und Luxussegment. Aber auch diese Kundschaft reagiert früher oder später auf die Krise. Natürlich können sich vermögende Leute die teuren Autos immer noch leisten, aber man wird vorsichtiger, auch aus psychologischen Gründen. Höchstwahrscheinlich will man nicht mit einem neuen Super-Auto gesehen werden, wenn es rundherum kriselt. Obwohl wir diese Zurückhaltung bereits etwas spüren, hat sie bisher noch nicht voll auf die Verkaufszahlen durchgeschlagen.

In Europa stehen überall die Förderbänder still: Mercedes und auch BMW haben teilweise einen Produktionsstopp eingelegt. Ist dies für Ihre Marke ein Vor- oder ein Nachteil?

Wenn es der Branche schlecht geht, ist das letzten Endes für keinen der Mitbewerber von Vorteil. Vielleicht geht es dem einen kurzfris­tig sogar ein bisschen besser als dem anderen, aber insgesamt ist es nicht gut. Praktisch alle Hersteller haben ihre Weihnachtsferien verlängert, um hohe Lagerbestände zu vermeiden, teilweise bis Ende Januar. Gerade in den Premium- und Luxussegmenten können Überkapazitäten sehr kostspielig werden. Doch dies ist bestimmt für niemanden positiv.



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