14.09.2005

VILLIGER WALTER, Grossinvestor /September 2005

Mut oder Leichtsinn aus Sicht des Finanzers: Die Schweizer Politik leitet zu viel Geld in die falsche Richtung – in den Konsum, in das Sozialwesen und ins Zwangssparen. Damit erzielt man kein Wachstum. Wir brauchen neue Märkte in Wachstumsbranchen. Unternehmer und Geld gäbe es genug. Was wir tun müssen, sagt im “persönlich”-Interview Walter Villiger, der viele Jahre Finanzchef von Stephan Schmidheinys Anova war und heute Grossinvestor in Medizinal- und Biotechfirmen ist. Interview: Oliver Prange Fotos: Marc Wetli

Anfangs der Achtzigerjahre setzte nach langer Stagnation eine positive Börsenentwicklung ein, die bis 2000 dauerte. Was war der Grund für diese Boomphase?

“Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen ging die Inflation ständig zurück und dadurch auch die Zinsen. Zum andern wurde als Folge des neuen Aktienrechts die Rechnungslegung immer transparenter. Die börsenkotierten Firmen wurden gezwungen, Transparenz zu schaffen. Man konnte nicht mehr einfach stille Reserven bilden und wieder auflösen; der Erfolg musste sich in den Bilanzen niederschlagen. Dadurch sah man konkret, was die Firmen tatsächlich verdienten. Es war zu erwarten, dass die Aktien in der Schweiz steigen würden, wie das in den angelsächsischen Ländern schon längst eingetreten war. Darum setzte ich voll auf Schweizer Aktien, für die Anova und für mich.”

Was geschah nach dem Börsenknall im Jahr 2000?

“Die Unternehmensbewertungen waren viel zu hoch, und das Shareholder-Denken stand zu stark im Vordergrund. Natürlich gehen die Investments dorthin, wo gute Returns zu erwarten sind. Aber das Schwergewicht lag zu einseitig beim Aktionär. Stakeholder, Lieferanten und Arbeitnehmer waren vernachlässigt worden.”

Wie schätzen Sie die Lage heute ein?

“Die Schweizer Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben ihre Strukturen angepasst. Sie haben sich auf das Kerngeschäft fokussiert und sind effizienter geworden. Das hat die Schweizer Wirtschaft besser gemacht als Deutschland, Frankreich und Italien, wo die Strukturen nicht aufgebrochen wurden.”



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