09.06.2000

TOSCANI OLIVIERO, Fotograf/November 1997

Oliviero Toscani – Er ist auf der Suche nach dem verlorenen Paradies: der streitbare Benetton-Fotograf Oliviero Toscani. Mit missionarischem Eifer verurteilt er die Schandtaten in dieser Welt, doch seine Argumente sind rational schwer zu begreifen. Trotzdem: Er machte Benetton und vor allem sich selbst zur weltbekannten Marke. Interview: Oliver Prange

Sie sind bekannt für Ihre provokativen Fotos, deshalb starte ich mit einer provokativen Frage: Offensichtlich existieren Bilder von der sterbenden Prinzessin Diana im verunfallten Mercedes. Wenn Sie als einziger an diese Fotos kämen, würden Sie sie benützen als Werbung für Benetton?

"Sie trug Versace-Kleider, nicht Benetton. Wir machen keine Werbung für Versace. Im übrigen würde ich nichts im Zusammenhang mit der Monarchie zeigen, ich hasse sie. Ich bin ein Republikaner.”

Aber der Unfall von Lady Di ist eine Realität, die bewegt. Sie sind bekannt dafür, in Ihrer Werbung keine Illusion, sondern die nackte Realität zeigen zu wollen.

"Ich denke, es gibt viel wichtigere Dinge als Lady Dianas Sterbezeremonie. Es gibt Leute, die viel mehr leiden, als sie es tat. Sie steht nicht zur Diskussion. Ich fände es auch ziemlich grotesk.”

Im heutigen Medienzeitalter erlangen Menschen Bedeutung, ohne eine spezielle Leistung erbracht zu haben. Wie beurteilen Sie diesen Trend?

"Ich denke, die Realität ist heute nicht mehr realistisch. Sie wird von den Kameras und Bildern gemacht. Das Image erlangt grössere Wichtigkeit als der Inhalt. So wird das Image zur Realität. Die echte Natur gibt es ja heute auch nicht mehr. Wenn wir zum Fenster hinausschauen, sehen wir wohl Bäume. Sie wurden aber alle gepflanzt, also ist die Natur doch gefälscht. Das Paradies ist verloren gegangen, es gibt es nicht mehr. Alles ist Fälschung. Alles ist nur Nachbildung.”



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