22.02.2005

STRAHM RUDOLF, Preisüberwacher/Februar 2005

Runter mit den Preisen: Früher bedeutete ein hoher Preis gute Qualität, ein tiefer Preis hingegen Ramsch. Das ist vorbei. Trotzdem bezahlen Schweizer 20 Milliarden Franken zu viel für Importprodukte. Wir sollten Parallelimporte zulassen, fordert Monsieur Prix, Rudolf Strahm, im “persönlich”- Interview. Erst wenn Detailhändler wie Konsumenten auch direkt im Ausland bestellen können und dadurch das Oligopol der Alleinvertreiber fällt, entsteht wirklich Wettbewerb. Interview: Oliver Prange Fotos: Marc Wetli

Denner-Chef Philippe Gaydoul kündigte an, dass die Preise um bis zu dreissig Prozent gesenkt werden müssten. Migros hat die Billiglinie M-Budget lanciert, Coop die Prix-Garantie-Linie. Was halten Sie davon?

“Wir begrüssen das. Es ist volkswirtschaftlich von Vorteil, wenn mehr Wettbewerb entsteht. Wir stellen fest, dass das Preisbewusstsein der Konsumenten gestiegen ist, vor allem in der jüngeren Generation. In meiner Generation ging man noch davon aus, dass ein hoher Preis gute Qualität bedeute, ein tiefer Preis hingegen Ramsch. Das stimmt heute nicht mehr. Wir haben heute also ein grösseres Preisbewusstsein. Aber wir haben auch eine Preisdifferenzierung. Es gibt auch viele Leute, die für besondere Artikel mehr bezahlen wollen. Insgesamt sind wir aber immer noch ein Hochpreis-Land. Für Importprodukte zahlen wir durchschnittlich zwanzig Prozent mehr als für die gleiche Produktepalette in Deutschland.”

Irgendwo habe ich gelesen, dass wir zwanzig Milliarden Franken pro Jahr zu viel bezahlen.

“Das ist richtig. Im letzten Jahr haben wir für 130 Milliarden Franken importiert. Für Erdöl haben wir Weltmarktpreise, und bei Nahrungsmitteln gibt es Sonderregelungen. 20 Prozent der verbleibenden 115 Milliarden ergeben ungefähr die genannten zwanzig Milliarden.”

Könnte man sagen, dass der Schweizer Konsument um zwanzig Milliarden hintergangen wird?

“Es sind eher die Strukturen, die dazu führen, dass wir zu viel bezahlen. Bei uns werden Parallelimporte weit gehend verhindert, Detailhändler oder Konsumenten können also nicht direkt im Ausland bestellen, sondern nur über einen Alleinvertreiber. Das führt oft dazu, dass die ausländischen Konzerne die Schweiz teurer beliefern als andere Länder, weil unsere höhere Kaufkraft mehr hergibt. Dabei spielen auch das Patentrecht und spezielle schweizerische Normen eine Rolle, die Parallelimporte verhindern.”



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