21.07.2004

SORRELL MARTIN, CEO von WPP/August 2004

In Sorrells Reich geht die Sonne nie unter: Der 59-jährige Sir Martin Sorrell ist CEO von WPP, einem der grössten weltumspannenden Netzwerke mit britischen Wurzeln, zu welcher neben Advico Young & Rubicam Dutzende von Werbe- , Media-, Marktforschungs- und PR-Brands gehören, die zusammen einen Bruttoumsatz von über 30 Milliarden Dollar und einen Betriebsgewinn von 680 Millionen Dollar erzielen. Doch wie beurteilt Sorrell den Zustand der Schweizer Werbung? Interview: Oliver Prange Fotos: Marc Wetli

Warum benötigen Sie unter dem Dach der WPP-Gruppe so viele Networks?

“Wir haben in der Tat viele Networks: drei in der Werbung, zwei im Mediabereich, drei in der Forschung; für Public Relations haben wir zwei grosse und zwei kleinere. Die Vielzahl hat Gründe. Im kreativen Bereich gibt es Diseconomies of Scale – je grösser die Einheiten werden, umso schwieriger sind sie zu managen. Deshalb ist die Fragmentierung von Brands eine gute Sache; nur im Media-Geschäft braucht man Grösse.”

Mit welchen Herausforderungen schlägt sich Ihre Branche zurzeit herum?

“Das Wichtigste ist die Globalisierung, die ich lieber Amerikanisierung nenne. Sie wird weiter fortschreiten. Um in einem Bereich dominieren zu können, muss man das Geschäft in den USA aufbauen. Im amerikanischen Markt fallen 40 bis 45 Prozent der Werbeausgaben an. Heute verändert sich das ein wenig, weil Asien, Lateinamerika, Afrika und der Nahe Osten wichtiger werden. Diese Regionen bilden heute rund 20 Prozent unseres Geschäfts. Die USA bringen 45 und Europa 35 Prozent. Eines unserer strategischen Ziele ist es, das genau zu dritteln. Amerikas Anteil wird also zurückgehen, und ich wette darauf, dass China bis 2008 der zweitgrösste Markt der Welt wird.”

Wie sieht dann die Welt im Jahre 2008 aus?

“Dann bestehen in praktisch allen Branchen Überkapazitäten. Unser grösster Kunde, Ford, könnte weltweit 80 Millionen Autos und Lastwagen produzieren, der Markt gibt aber maximal 60 Millionen her. Ein technischer Vorsprung lässt sich kaum mehr über längere Zeit aufrechterhalten, die Produkte- und Markenlebenszyklen werden immer kürzer. In einem solchen Umfeld wird die Differenzierung immer wichtiger. Und damit unsere Tätigkeit.



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