21.07.2004

SCHAWINSKI ROGER, Medienpionier/August 2004

Roger Schawinski ist wieder in seinem Element: Seit vergangenem Jahr leitet der Schweizer Medienpionier den deutschen Privatsender Sat.1. Wo Schawinski ist, kommen auch die Schlagzeilen: Der überraschende Abgang von Fernsehikone Harald Schmidt und die Einführung von “Anke Late Night” setzten den 59-Jährigen einem publizistischen Sperrfeuer aus. Gegenüber “persönlich” äussert er sich über Anke Engelke, Haim Saban und Moritz Leuenberger, seine späten Erfahrungen als Angestellter und sein schwieriges Verhältnis zu den Schweizer Medien. Interview: Matthias Ackeret Fotos: Marc Wetli

Roger Schawinski, 1978 kurz nach dem Tat-Rausschmiss schworen Sie sich, dass Sie ausser sich keinen anderen Chef mehr akzeptieren. Nun – nach 26 Jahren – haben Sie Ihre Meinung geändert und sind wieder Angestellter. Ist es wirklich so schlimm?

“Nein. Als Geschäftsführer von Sat.1 befinde ich mich auch in einer Chefposition, und verfüge über jenen Freiraum, den man in dieser Stellung benötigt. Meine Aufgabe ist es, den Reformstau, der sich bei Sat.1 im Lauf der Jahre gebildet hat, aufzubrechen. Nach vielen Jahren als schweizerischer Medienunternehmer hatte ich nochmals Lust auf eine grössere Herausforderung. Bis jetzt bin ich positiv überrascht, wie gut das Ganze funktioniert.”

Doch nun müssen Sie Ihren Vorgesetzten Rechenschaft ablegen…

“Es wäre trügerisch zu glauben, dass ein selbstständiger Unternehmer ausschliesslich einsame Entscheide fällt. Jeder muss mit Argumenten überzeugen, ob gegen unten oder oben ist gar nicht so unterschiedlich. So jedenfalls habe ich es immer gesehen.

Wurden Sie bereits von den klassischen Angestelltenängsten befallen?

“Nein, aber ich befinde mich auch in der komfortablen Situation, dass ich nicht mehr gross Karriere machen muss. Ich übe diese Tätigkeit aus Freude an der Arbeit aus und bin deshalb vielleicht noch etwas lockerer und besser als früher. Es gibt keine existenziellen Ängste mehr, die ich eine Zeit lang hatte. Sollte ich scheitern, würde mein Selbstwertgefühl wohl nicht völlig in Brüche gehen.”



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