13.06.2000

SARKOHI FARAJ, Journalist/Juni 1999

Die Goldene Feder der Freiheit des Weltverbands der Zeitungen wird pro Jahr einem Journalisten verliehen, der sich trotz Repression staatlicher Behörden für die Pressefreiheit einsetzt. Sie geht in diesem Jahr an den Iraner Faraj Sarkohi. Was Sarkohi erlebte, ist unglaublich und grauenvoll. Doch trotz schlimmster Folter ist Sarkohi ungebrochen und schreibt weiter. Interview: Oliver Prange

Sie waren Chefredaktor von Adineh, eines Magazins, das Literatur- und Sozialkritik publizierte. Wie fand die Kritik statt?

"Über Politik darf man im Iran nicht schreiben, nur jene Zeitungen, die vom Regime kontrolliert werden. Also berichteten wir indirekt über politische Themen. Wir Iraner leben seit 3000 Jahren in einem orientalischen Despotismus. Wir haben gelernt, zwischen den Zeilen zu schreiben und zu lesen.”

Welcher Art war die Kritik gegenüber dem Schah-Regime, so dass man Sie das erste Mal verhaftete?

"Ich schrieb eine Satire, in der ich eine Figur auftreten liess, die den Schah darstellte. Zu Schahs Zeit gab es ein sogenanntes Kulturministerium und seit Khomeini heisst es Ministerium für islamische Kultur und Information, dem indessen auch die Geheimpolizei angehört. Die Aufgabe dieser Institutionen war, Schriftstellern vorzugeben, was sie zu schreiben hatten und was nicht. Die Ministerien für Kultur waren also zuständig für die Vermeidung von Kultur. So brauchte man damals wie heute eine Lizenz, um Bücher und Magazine zu veröffentlichen, die Leute wie ich nicht erhielten. Also arbeitete ich für einen Verleger, der die Lizenz besass, und gab als Chefredaktor insgesamt elf Jahre lang die Monatszeitschrift Adineh heraus, was Freitag bedeutet. Darin schrieb ich Kurzgeschichten und Literaturkritiken über Arbeiten von Autoren, die unabhängig von der Regierung sind.”

Warum unterdrücken die iranischen Machthaber Andersdenkende?

"Sie denken, dass es nur eine Wahrheit gibt und dass nur sie sie kennen. Die an die Macht kommen, glauben an eine Ideologie. Haben sie die Macht erst erreicht, benutzen sie die Ideologie, um an der Macht zu bleiben. Zu Schahs Zeiten zensierte man vorab Kritik an der Regierung, den USA und dem Kapitalismus. Zur islamischen Zeit unter Ayatollah Khomeini wurde die Zensur stark ausgedehnt auch auf soziale Bereiche. Wenn man ein Buch veröffentlichen wollte, musste man dieses erst dem Kulturminister vorlegen. Der strich Worte und Sätze aus dem Manuskript und sogar Figuren. Er veränderte die Geschichte vollkommen. Wir übersetzten auch viele westliche Bücher. Sollte der Autor die Übersetzung lesen, würde er seine Geschichte nicht mehr wiedererkennen. Man wollte im Iran, dass überhaupt nicht gelesen wurde. Ein Buch, das ich geschrieben hatte, war schnell vergriffen, aber eine zweite Auflage wurde nicht mehr gestattet, eben weil es beliebt war.”



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