17.12.2003

RUSSI BERNHARD, Sportstar/Dezember 2003

Bernhard Russi vertritt nicht nur Marken, er ist selbst eine starke. Nach Jahrzehnten seines Abschieds vom Skirennsport ist der Sympathieträger noch immer den meisten Schweizern bekannt. Russi spricht im Interview mit “persönlich” über Hochs und Tiefs im Spitzensport, über Imagepflege und über Werbeverträge. Interview: Oliver Prange

Wenn ein Sportler heute Erfolg hat, braucht er einen Agenten oder einen Manager, der ihm die wirtschaftlichen Angelegenheiten abnimmt. Was bedeutet es für einen Sportler, wenn er plötzlich zu einem Wirtschaftsfaktor wird?

“Es braucht einen Bösen oder einen Realisten, der dagegen hält, wenn man als Spitzensportler das Gefühl bekommt, dass die Bäume in den Himmel wachsen. Der Manager muss cool bleiben, wenn es um den Sportler herum tobt. Wenn es um die Vermarktung geht, ist es für den Sportler sehr schwer, seinen Preis einzuschätzen. Er braucht einen Manager, der vernünftig und langfristig denken kann.”

Wie war es in Ihrem Fall?

“Es gibt viele Möchtegern-Manager. Ich sah zu, welcher Skirennfahrer diesbezüglich Erfahrung hatte, und sprach mit Jean-Claude Killy. Er führte mich zur IMG-Gruppe, die hauptsächlich im Tennis und Golf zuhause ist. Ich achtete sehr darauf, dass ich einen Betreuer bekam, mit dem ich mich sehr gut verstand, Ian Todd, der nachträglich eine fantastische Karriere machte und heute Marketingchef von Nike International ist. Die Leute von IMG und ich zogen uns dann für drei Tage nach Andermatt zurück, wo sie mir alle möglichen Fragen über mich und meine Ansichten stellten.”

Was haben Sie dabei über sich selbst herausgefunden?

“Geld ist mir weniger wichtig als Genugtuung. Ich muss mich mit einer Aufgabe identifizieren können, sonst geht es nicht. Auch wenn ich für etwas, das ich nicht mag, viel Geld erhielte – es ginge ohne Identifikation nicht. Heimat und Natur stehen ebenso im Zentrum, ich könnte also nicht, wie andere Spitzensportler, den Wohnsitz aufgrund von Steuerüberlegungen wählen.”



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