02.11.2009

RUSS A. EUGEN, Oktober 2009

Der österreichische Verleger Eugen A. Russ galt lange als einer der Trendsetter der Branche. Vor 26 Jahren in den elter­lichen Betrieb eingestiegen, besitzt sein Vorarlberger Medienhaus heute über über 60 Zeitungen, zahlreiche Internet-Portale und Radiosender in halb Europa. Wegen des Konkurses der Gratiszeitung .ch, wo er einer der Hauptaktionäre war, hat sein Image hierzulande ein paar Schrammen abbekommen.

Herr Russ, Sie galten jahrelang als einer der Pioniere in der Branche. Nun haben Sie nach dem .ch-Debakel einen Stiefel mit Wasser herausgezogen. Wie haben Sie die ganze Sache erlebt?

Dies war auch für uns kein angenehmes Erlebnis, zumal wir da viel Geld verloren haben.

Wie viel ungefähr?

Darüber gebe ich keine Auskunft, der Verlust liegt aber im siebenstelligen Bereich, da wir die Zeitung auch gedruckt haben. Mehr noch zählt aber die Energie, die wir in dieses Projekt gesteckt haben. Ich habe immer an den Erfolg und die Mannschaft geglaubt, aber wir haben .ch in einer denkbar schlechten Zeit lanciert. Diese Krise war aber so auch nicht vorausschaubar. Wer hätte geahnt, dass Lehman pleitegeht? Wer hätte vor einem Jahr vorausgeahnt, dass der Schweizer Werbemarkt um 30 Prozent einbricht? Als wir vor zwei Jahren starteten, hatte Metro Interna­tional, die Mutter aller Gratiszeitungen, einen Börsenwert von 1,5 Milliarden Dollar. Als wir für .ch die Einstellungsverfügung treffen mussten, betrug der Börsenwert noch 30 Millionen Dollar. Der Wert von Metro ist also innerhalb eines Jahres praktisch um 98 Prozent geschrumpft, was beweist, wie schwierig die Situation im Gratiszeitungsmarkt ist.

Trotzdem gaben Sie sich vor einem Jahr, als Sie den Relaunch durchführten und die Hauszustellung beschlossen, noch zu­versichtlich.

Im Frühling 2008 glaubten wir noch, dass wir das Blatt kehren könnten. Die wirtschaftliche Lage hat sich aber in der Schweiz innerhalb eines halben Jahres massiv verschlechtert. Unsere Massnahmen zeigten kurzfristig sogar Wirkung, wir erhöhten die Leserzahlen massiv und wurden von der Schweizer Werbeindustrie als attraktive Alternative goutiert. Doch dann waren die Rahmenbedingungen einfach zu schlecht, sodass wir die Konsequenzen ziehen mussten.



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