29.09.2004

RÜBEL ALEX, Zoo-Direktor/September 2004

Das Zoo-Networking-System: Das Zoo-Fest gehört zu den prestigeträchtigsten Anlässen. Wer eingeladen wird, gehört entweder zum alten oder zum neuen Geld der Wirtschaft. Das Fest, das im August stattfand, ist aber nur ein Beispiel, wie Direktor Alex Rübel mit Fingerspitzengefühl Balance hält zwischen dem Zoo als Kulturinstitution und als Sponsoringplattform. Das meiste Geld erhält der Zoo aber noch immer aus Testamenten und Schenkungen. Rübel sagt “persönlich”, wie er den Spagat meistert.

In der letzten Zeit viel war viel zu lesen über Events rund um den Zoo Zürich. Wie wichtig sind solche Events für den Zoo?

“Für mich ist der Zoo eine Kulturinstitution, die von Menschen für Menschen betrieben wird, natürlich mit einem ideellen Ziel. Unser Ziel ist die langfristige Erhaltung der Tierwelt. Das müssen wir mit dem Zoo vermitteln, da haben wir eine erzieherische Aufgabe. Je mehr Menschen den Zoo besuchen, umso besser können wir unsere Ideen verbreiten und zum Engagement motivieren. Deshalb ist es für mich ganz entscheidend, dass ein Zoo breit abgestützt ist, durch alle Schichten hindurch. Die Natur ist unsere gemeinsame Lebensgrundlage, und wir wollen die Leute dafür sensibilisieren.”

Haben Sie in Bezug auf den Zoo eine ähnliche Funktion wie Herr Pereira für das Opernhaus? Seine Hauptaufgabe besteht darin, das nötige Geld zu beschaffen und unter den wohlhabenden Leuten einen Community-Effekt zu fördern.

“Der Opernhausdirektor spricht nur ein bestimmtes Segment des Publikums an. Wir hingegen wollen möglichst alle Bevölkerungsschichten erreichen. Dabei gehts primär nicht ums Geld; wir wollen die Menschen miteinbeziehen. In unserem Unterstützungsverein, der Tiergartengesellschaft, ist man mit 30 Franken pro Jahr dabei. Dafür bekommt man das Zoojournal, kann an gewissen Abenden in den Zoo gehen und an Spezialanlässen teilnehmen. Man trägt die Idee mit, ohne dass man viel Geld aufwenden muss. Dies ist der Ausgangspunkt des Netzes: Wenn die breite Bevölkerung mitmacht, machen die Politiker auch mit. Wenn die Politiker für ein positives Image sorgen, machen auch die Firmen und die wohlhabenden Privatleute mit. So wird das Netz immer breiter, und die Verknüpfungen werden immer enger.”

Das Netz wird auch getragen von alten Zürcher Familien wie Bodmer, Abegg, Syz, von Schulthess und anderen, die sich untereinander sehr gut kennen. Welche Bedeutung hat diese Community für den Zoo?

“Natürlich spielt Zürich eine ganz grosse Rolle. Das meiste Geld bekommen wir aus Legaten, aus Testamenten zu Gunsten des Zoos. Dort kommen die grossen Summen zusammen. Wir finanzieren uns etwa zu einem Drittel aus Schenkungen. Und wenn die Verbindungen zwischen den alten Zürcher Familien stimmen, dann kommt über diesen Kreis ein grosses Netzwerk von Donatoren zusammen, das auch in die Wirtschaft hineinreicht.”



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