07.05.2012

Rolf Dobelli/März 2012

Der Luzerner Rolf Dobelli ist vielseitig aktiv: Zuerst gründete er mit Kollegen den Referatsdienst getAbstract, später schrieb er für den Diogenes-Verlag viel beachtete Romane und gründete das Wissenschaftsforum ZURICH.MINDS. Der grösste Clou ist ihm aber jetzt gelungen: Mit seinem Sachbuch «Die Kunst des klaren Denkens» (Hanser-Verlag) liegt der 46-Jährige seit Wochen auf dem ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste.

Herr Dobelli, Sie sind seit einigen Wochen mit Ihrem Buch «Die Kunst des klaren Denkens» Nummer eins der Spiegel-Bestsellerliste. Ganz banal gefragt: Wie ist Ihre Befindlichkeit?

Gut, vor allem, weil dieser Erfolg doch sehr überraschend kam. Es handelt sich bei meinem Buch um eine Zusammenstellung von 52 Kolumnen, die ich während eines Jahres für die Sonntags-Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung geschrieben habe. Ursprünglich wollte ich gar kein Buch daraus machen. Dies änderte sich aber, als ich sehr viele begeisterte Leserzuschriften erhalten hatte. Und doch war ich am Anfang skeptisch: Wie viele Menschen gibt es wohl, die sich für Denkfehler interessieren? Der Erfolg des Buches hat mich positiv überrascht: Wir haben in der deutschsprachigen Welt ein erstaunlich grosses Publikum für wissenschaftliche Themen.

Wie viele Bücher haben Sie mittlerweile verkauft?

Wir haben bis Anfang Februar rund 150?000 Bücher verkauft. Jetzt konnten wir auch noch die Übersetzungsrechte für über ein Dutzend Sprachen, darunter Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Spanisch, Russisch, Finnisch und Englisch, vergeben. Gerade für den amerikanischen Markt erwartet man einiges, da das Thema der kognitiven Psychologie en vogue ist.

Können Sie sich diesen Erfolg erklären?

Nein, einen Bucherfolg kann man nicht erklären. Das ist wie in Hollywood, entweder toppt ein Film, oder er floppt. Man hat erfolglos Millionen von Dollars in Studien investiert, um das Erfolgsgeheimnis von Blockbustern zu ergründen. Es gibt nur ein winzig kleines Erfolgsindiz: das Wetter. Regnet es bei der Lancierung eines neuen Films in den Hauptstädten, ist die Chance, dass er zu einem Erfolg wird, etwas höher als bei schönem Wetter. Bei den Büchern ist dies ähnlich. Sobald eine kritische Masse erreicht ist, funktioniert die Mundpropaganda. Man nennt dies Kaskadeneffekte.



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