09.12.2015

RINGIER MICHAEL, WALDER MARC/September 2015

Ringier ist in aller Munde: zuerst die Werbeallianz mit der SRG und der Swisscom, dann der spektakuläre Austritt aus dem Verband Schweizer Medien und zuletzt die Eröffnung des neu renovierten Pressehauses im Zürcher Seefeld. Erstmals äussern sich VR-Präsident Michael Ringier und CEO Marc Walder in einem Doppelinterview über die hektischen Tage.

Herr Walder, Ringier ist mit grossem Getöse aus dem Verband Schweizer Medien ausgetreten. Wie fest isolieren Sie sich dadurch?
Marc Walder: Dieser Austritt hat zwei Gründe: Erstens setzt sich der Verband für ein Werbeverbot für die SRG ein, was Ringier niemals unterschreiben könnte. Wir finden ein solch striktes Werbeverbot für die SRG falsch. Weder die Politik noch die Wirtschaft, noch die Bevölkerung würde diese Radikal-forderung verstehen. Zweitens empfand ich die Art und Weise der Debatte – sagen wir –nicht adäquat, eher unhöflich.

Sie meinen Herrn Supino.
Marc Walder: Was in einer solchen Sitzung geschieht, sollte intern bleiben. Aber es ist bekannt, dass der Vizepräsident bezüglich SRG eine sehr, sagen wir, konsequente Linie fährt. Was übrigens sein gutes Recht ist. Ein Austritt von Ringier ist vor diesen Hintergründen aber nichts als konsequent.

Die anderen Präsidiumsmitglieder werfen Ihnen jetzt aber vor, dass Sie vorher auch für dieses Werbeverbot plädiert hätten und ihnen jetzt mit der geplanten Vermarktungsfirma mit der SRG und der Swisscom in den Rücken fallen würden.
Marc Walder: Ringier vertritt seit jeher die Position für ein Onlinewerbeverbot. Nicht aber für ein totales Verbot von Werbung für die SRG. Ich habe an besagter Klausur­tagung, welche dann leider aus dem Ruder lief, meine Kollegen gefragt, ob es denn einen Präsidiumsbeschluss des Verbandes Schweizer Medien gebe, der ein Werbeverbot für die SRG fordere. Dazu gab es keine Antwort. Das Einzige, was vorliege, sei ein Positionspapier. Zwei Tage später teilte mir die Direktorin in einem Mail mit, dass umgehend eine Medienmitteilung gemacht werde. Mit dem langjährigen und stets korrekten und engagierten Mitglied Ringier wurde diese nicht einmal abgestimmt. Das empfanden Michael Ringier und ich als nicht korrekt. Daraufhin habe ich den Präsidenten angerufen, der stets versucht hatte, die Risse zu kitten. Ich teilte ihm mit, dass wir umgehend zurücktreten würden, was wir bedauern würden. Der Präsident versuchte bis zuletzt, die Risse zu kitten, was wir wiederum sehr schätzen.

Ist der Austritt von Ringier aus dem Verlegerverband jetzt unwiderruflich?
Marc Walder: Wir fällen keine Entscheide, um diese drei Tage später zu widerrufen.

Herr Ringier, Sie sind doch schon sehr lange im Mediengeschäft. Können Sie die Widerstände innerhalb des Verbandes verstehen?
Michael Ringier: Selbstverständlich. Für mich ist es völlig logisch, dass andere Verleger unsere Initiative problematisch finden. Ehrlich gesagt, kann ich ich deren Bedenken sogar nachvollziehen. So weit die Fakten. Die andere Seite ist aber die Art und Weise, wie diese Auseinandersetzung abgelaufen ist. Ich habe kürzlich den Film «Der Kindergarten-Cop» gesehen. Höchstwahrscheinlich hat das Präsidium des Verbandes Schweizer Medien dieses Drehbuch damals gelesen oder sogar daran mitgearbeitet (lacht).
 



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