12.05.2004

RINGIER MICHAEL, Verleger/Mai 2004

Zwei Jahre nach der Borer-Affäre strotzt der Ringier-Verlag vor Tatendrang. In Deutschland wurde das Politmagazin Cicero lanciert, in der Schweiz plant man eine Tageszeitung auf hohem Niveau und auch der Blick erscheint – im Kampf gegen den Auflageschwund – möglicherweise schon bald im Tabloid-Format. Auch das Auslandgeschäft floriert: Über ein Drittel des Umsatzes wird im Osten erzielt. Nur der Bundesrat befindet sich nicht mehr auf Ringierlinie. Im “persönlich”-Gespräch äussert sich Verleger Michael Ringier über Blocher, Blick und Boulevard und beantwortet die Frage, warum es in Deutschland mehr brillante Schreiber gibt. Interview: Matthias Ackeret, Oliver Prange. Fotos: Marc Wetli

Herr Ringier, Sie haben in Deutschland soeben das neue Politmagazin Cicero lanciert. Was war Ihre Motivation?

“Wir möchten seit Jahren im obersten Segment stärker vertreten sein. In der Schweiz ist uns dies mit Cash und L’Hebdo gelungen, jetzt versuchen wir es in Deutschland. Zufälligerweise hat Wolfgang Weimer, der ehemalige Welt- und jetzige Cicero-Chefredaktor, nach seinem Abgang bei Springer ein solches Konzept entworfen, welches wir gemeinsam sehr stark überarbeitet haben. So haben wir uns gefunden.”

Warum wollten Sie wieder zurück nach Deutschland? Erst vor zwei Jahren haben Sie das Reisemagazin Globo eingestellt.

“Durch Cicero wollen wir ein Netzwerk von brillanten deutschen Journalisten und Autoren aufbauen, von denen es im kleinen Land Schweiz zwangsläufig zu wenig gibt. Obwohl ich für diese Behauptung ständig geprügelt werde, stehe ich dazu. Wir können ausgezeichnete deutsche Schreiber und Autoren wie Martin Walser, Maxim Biller oder Henrik Broder an unseren Verlag binden und hoffentlich auch für andere Publikationen nutzen.”

Inwiefern sind Schweizer Journalisten zu wenig gut?

“Ich verstehe die Empfindlichkeit der Schweizer bei diesem Thema nicht. Ich habe niemals behauptet, dass unsere Journalisten schlechter seien als beispielsweise die englischen, die französischen oder die deutschen. Aber als kleines Land können wir vom Reservoir unserer Nachbarn nur profitieren. Auch im Eishockey engagieren unsere Clubs Starspieler aus Finnland oder Tschechien. Um in der Champions-League zu spielen, braucht man ein grosses Kader.”



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