10.06.2002

OGI ADOLF, Alt-Bundesrat/Juni 2002

Die Intellektuellen haben gelächelt über den Dölf, den Bundesrat ohne akademische Weihen. Das Aussenministerium hat man ihm nie anvertraut. Doch jetzt, als Alt-Bundesrat, erweist sich der als “Skilehrer” Verspottete als bester Repräsentant der Schweiz, ein eigentlicher Branding-Pionier des Landes. Mit Bergkristallen, Helikopterflügen und Wanderungen hat er vorgemacht, wie man Swissness im Ausland verkauft. Meisterhaft beherrscht er den Spagat zwischen Heimatstolz und Weltoffenheit. Interview: Klaus Vieli und Oliver Prange.

Herr Ogi, Sie sind viel auf Achse. Wohin geht Ihre nächste Reise?

“Nach Korea, nicht bloss wegen dem Fussball. Der Weltsport ist dort. Und UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat mich delegiert, eine Rede über die Friedensmission des Sportes zu halten.”

Sie sind als Sportbotschafter unterwegs – und auch als Schweizer?

“Ich bin vor allem Schweizer und versuche immer wieder, die Schweiz so darzustellen, dass man sie zur Kenntnis nimmt, mit all ihren Vorteilen. Die Nachteile werden natürlich nicht ausgebreitet. Ich stelle gerade im Fernen Osten immer wieder fest, dass sie zu wenig über unsere Staatsform wissen: unseren Föderalismus, unsere Volksrechte, unsere 154 Jahre des Zusammenlebens der vier Kulturen, vier Sprachen, 26 Kantone, in Frieden und Freiheit, was einen Weltrekord bedeutet, eine ‘Success Story’.”

Ogi der Schweizverkäufer! Wie kommen Sie an mit diesem Produkt?

“Das kommt an. In dem Sinne habe ich auch wirklich das Gefühl, dass ich für die Schweiz und für unsere Botschaften ein sehr guter Türöffner bin. Wenn ich irgendwo hingehe, komme ich als ‘Former President of Switzerland’ und Kofi Annans Berater für Sport in Zusammenarbeit mit Entwicklung und Friedensförderung. Dann habe ich Zugang, ohne es bewusst zu suchen, zu allen Staatsoberhäuptern, zu den Ministerien und so weiter. Der Botschafter kann mich immer begleiten und erhält damit einen guten Kontakt und eine gute Beziehung zu den Regierungen der Gastländer.”



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