14.06.2000

LEBRUMENT HANSPETER, Gasser-Gruppe/August 1999

Hanspeter Lebrument hat die ehemals unbedeutende Gasser-Gruppe mit Sitz in Chur zu einem Konglomerat mit über 100 Millionen Franken Umsatz ausgebaut. Jetzt wird er auch die finanzielle Kontrolle übernehmen. Er wird dadurch zu einem der grössten Verleger in der Schweiz. Lebrument über die Philosophie eines starken Willens. Interview: Oliver Prange

Sie haben vor zwei Jahren 13 völlig unterschiedliche Zeitungen zum Südostschweiz-Verbund zusammengebracht. Sie müssen einen starken Willen haben, ist Ihnen dieser angeboren?

"Wenn man sich in einem Berggebiet durchsetzen will, muss man lernen, nein zu sagen. Man sagt eigentlich lieber ja, das ist in der Natur des Menschen, das macht vieles einfacher. Ein starker Wille basiert eigentlich auf etwas anderem als nur auf einem starken Kopf, er basiert auf einer guten Argumentation. Dort, wo ich antrete und das Gefühl habe, dass ich gute Argumente habe, um meine Absicht durchzusetzen, kommt der starke Wille klarer zum Ausdruck, als wenn ich das Gefühl habe, ich sei dem anderen argumentativ unterlegen. Diese Erkenntnis führt also dazu, dass man sich nicht allzuviel aufhalsen sollte, weil man dann keine Zeit mehr hat, die Probleme durchzudenken. Ich wurde angefragt, im Verwaltungsrat von Bergbahnen, Hotels und in der Politik mitzumachen, lehnte dies aber ab. Der Mensch hat nur eine beschränkte Kapazität, die er bewältigen kann.”

Wie bereiten Sie Ihre Argumentation vor?

"Ich lese alle Akten, und dann muss man sich beantworten, was man eigentlich will. Wenn man die eigene Absicht festgelegt hat, untermauert man diese mit Argumenten. Zudem muss man sich fragen, was die Gegenseite beabsichtigt, und man muss auf sie eingehen, dadurch erhält man Respekt.”

Wie führen Sie Ihre Leute?

"Wenn man eine Firma leitet, muss man sich die Frage stellen, wo lasse ich los und übergebe anderen? Das ist wie bei einem Pilot, der sich zum Beispiel in bezug auf die Technik auf den Board-Ingenieur verlassen muss, aber selbst die Gesamtverantwortung trägt. Für mich gibt es zwei Komponenten: das Controlling, das erfolgsorientiert ist und auf Zahlen beruht, auf Auflagezahlen, Verkaufszahlen, Erfolgsrechnung, und die Sympathie. Ich muss die Leute, mit denen ich zehn Stunden täglich zusammenarbeite, gern haben. Gern haben heisst auch, dass man einander kritisch begegnen kann. Wenn Mitarbeiter nur loyal sind, genügt das nicht, weil sie dann unkritisch sind.”



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