05.01.2009

HESS M. DONALD /November 2008

Multiunternehmer: Sein ursprüngliches Handwerk lernte er im Biergeschäft, dann wurde er Hotelier in Marokko, mutierte zum Weinunternehmer im kalifornischen Napa Valley, betrieb das Valser Wasser, betätigte sich als Boxer und Kunstsammler. In Donald M. Hess vereinen sich Charaktereigenschaften, die selten in einer Person zu finden sind; er ist gleichzeitig ein stahlharter Kämpfer wie auch ein sensibler Beobachter.

Sie sind ein erfolgreicher Geschäftsmann, aber auch ein Kunstsammler. Was machen Sie lieber?

“Meine beiden Leidenschaften im Leben und am liebsten unter einem Dach sind: hervorragende Weine und gute zeitgenössische Kunst.”

Sie betreiben mehrere Weingüter in aller Welt ?unter dem Namen Hess Collection. Wie hat alles angefangen?

“Mein Vater war Brauereibesitzer, und ich war auf der Braumeisterschule in München, als er mit 66 Jahren ganz unerwartet starb. Er war ein derart ausgeprägter Patriarch, der alles selber entschied, dass keiner der zwei Prokuristen sich zutraute, die Geschäfte weiterzuführen. So kam ich im Januar 1957 in der kleinen Brauerei Steinhölzli ziemlich auf die Welt und musste mit zwanzig leider mein Studentenleben in München beenden. Im Büro standen die Angestellten noch am Stehpult. Es gab grosse schwarze Bücher mit roten Etiketten als Hauptbuch; alles wurde noch von Hand aufgeschrieben. Die Abfüllhalle hatte den Charme einer Chicago-Brauerei während der US-Prohibition. Der ganze Abfüllraum war voller Schimmel.”

Hat Ihr Vater Sie nicht vorbereitet?

“Nein, eigentlich nicht. Mein Vater wollte mit mir nie über das Geschäft sprechen. Ich solle lieber in der Schule besser werden und ihm das Geschäft überlassen. Wir besassen bereits damals ein kleines Weingut oberhalb von Nyon und ein Hotel in Tanger. Ich wusste einigermassen, wie man Bier herstellt, doch von Wein und vom Führen eines Hotels in Marokko und vom Verwalten von Liegenschaften hatte ich wirklich keine Ahnung. Die Brauerei machte offenkundig ein schlechtes Bier und verlor ständig an Umsatz. Ich musste deshalb zuerst den alten Braumeister entlassen, und das tat weh. Er war nämlich ein sehr netter Mensch, der leider kein gutes Bier mehr brauen konnte. Ich wollte aber erfolgreich sein, und der Weg ging nur über ein gutes Bier.”



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