30.10.2007

GUT MARKUS/WIDMER ANDREAS, Young & Rubicam-Gruppe/Oktober 2007

Neustart: Die Young & Rubicam-Gruppe baut auf ein neues Agenturmodell: Futurecom interactive, Wunderman sowie Advico Young & Rubicam werden unter einem Dach vereint. Zugleich kommt es zum grossen Sesselrücken: Das Kreativunternehmen wird neu vom Führungsduo Andreas Widmer und Markus Gut geleitet, der die Publicis überraschend verlässt. Edgar C. Britschgi gibt die operative Leitung ab.

Herr Gut, Herr Widmer, in welchem Zustand befindet sich die Agenturgruppe, die Sie führen werden?

Widmer: “Die einzelnen Agenturen der Gruppe sind in unterschiedlicher Verfassung. Der digitale und der Dialog-Teil – Futurecom und Wunderman – läuft prächtig. Für AY&R ist die Situation nach dem Verlust des Sunrise-Etats sicherlich nicht ideal. Trotzdem ist die Agentur grundsätzlich gut aufgestellt. Kreativ-Team und Beratung sind gut besetzt, ebenfalls können wir auf eine hervorragende strategische Planung zählen. Das ist eine gute Basis, um die Agenturen zusammenzuführen. Wichtig ist, dass ein grosser Teil der Mitarbeiter hinter der Umstrukturierung steht. Die vielen positiven Reaktionen spüren wir auch intern.” Gut: “Die Unternehmen sind Top-Spezialisten auf ihrem Gebiet. Die Leute bei Futurecom zum Beispiel beherrschen die digitalen Medien wirklich. Dass die Advico Federn lassen musste, bestreitet niemand. Personell ist die Agentur aber immer noch mit Top-Leuten besetzt. Das starke, von Urs Schrepfer zusammengestellte Kreativ-Team von AY&R kenne ich bestens. Einige sind ehemalige Mitarbeiter, mit anderen bin ich zusammen im ADC.”

AY&R ist in der Krise – und für die gibt es Gründe. Was wird nun besser?

Widmer: “Die Agentur von morgen muss ein integriertes Modell über sämtliche Disziplinen sein. Der organisatorische Zusammenschluss ist ein zukunftsgerichteter Schritt, denn es gibt in der Werbung keine Königsdisziplin mehr. Auch wenn dies noch nicht alle realisiert haben – es hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Es hat sich im In- und Ausland gezeigt, dass die einzelnen Teile einer Agenturgruppe umso besser funktionieren, je näher sie beieinander liegen. Näher zusammen, heisst für mich, unter einer Leitung organisatorisch kombiniert.” Gut: “Es gibt ein Bedürfnis der Kunden nach integrierter Kommunikation. Alle Unternehmen wollen in Bezug auf die Kommunikation vor allem zwei Dinge: eine gute, kreative Idee und eine integrierte Umsetzung auch in den digitalen Medien. Wir müssen die ganze Klaviatur spielen können. Das ist der Hauptgrund, weshalb ich zu 100 Prozent an das neue Agenturmodell glaube und auch, warum ich zur Young & Rubicam-Gruppe wechsle.”

AY&R wird in der Gruppe keine zentrale Rolle spielen?

Gut: “Nein. Es geht nicht um eine einzelne Firma, sondern um die Gruppe. Es gab und gibt immer wieder Agenturgruppen in der Schweiz. Meistens war aber genau dies der Knackpunkt, dass eine Firma zu dominant war und den Gruppengedanken nicht ermöglichte. Bei der Young & Rubicam-Gruppe sollen deshalb die einzelnen Teile möglichst ausgewogen sein.” Widmer: “Es wird bei uns keine Königsdisziplin geben. Alle Partneragenturen bewegen sich auf der gleichen Augenhöhe. Konsequenterweise wollen wir das Interdisziplinäre zu einer neuen, dritten Lösung führen.”



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