05.01.2009

GOMEZ PETER, VR-Präsident der Schweizer Börse SIX/Dezember 2008

Mehr Dialog: Mehr Gesprächsbereitschaft der Wirtschaft fordert Peter Gomez, VR-Präsident der Schweizer Börse SIX, nur so könne die aktuelle Finanzkrise bewältigt werden. Gomez’ Fazit: Die Spitzen der Wirtschaft wie auch die akademische Welt seien in der öffentlichen Diskussion nicht mehr präsent und über-liessen das Feld den Staatsgläubigen. Für den langjährigen HSG-Rektor ist aber klar: Für Vergangenheitsbewältigung sei momentan der falsche Zeitpunkt, zu gross seien die Probleme, die anstünden.

Herr Gomez, wie kann man die Finanzkrise ganz einfach erklären?

“Ein so komplexes Ereignis lässt sich eigentlich gar nicht einfach erklären. Das versuchen zwar viele, indem sie es mit der Bemerkung ‘Das ist ja nichts anderes als?…’ so darstellen, dass es in ihr Weltbild und zu ihrer Expertise passt. Damit ist aber niemandem geholfen, vor allem nicht jenen, die jetzt den Worten Taten folgen lassen wollen.”

Trotzdem muss es doch eine Begründung für diese Krise geben?

“Die Finanzkrise allein darauf zurückzufüh-ren, dass die Amerikaner während Jahrzehnten über ihre Verhältnisse gelebt haben und durch Greenspan mit billigem Geld noch unterstützt wurden, greift genauso zu kurz, wie das Verhängnis in der Gier der Manager zu sehen. Es waren der Machbarkeitswahn unserer Wirtschaft, die?Vollkasko-Mentalität?unserer Gesellschaft und die Systemgläubigkeit unserer Politik, die?über Dominoeffekte zu dieser fatalen Entwicklung geführt haben.”

Warum hat niemand – auch die Experten nicht – ?das Ausmass dieser Krise prophezeit?

“Heute behaupten viele Experten, sie hätten schon vor Jahren vor dem Platzen dieser Blase gewarnt. Der ‘Schwarze Schwan’ von Taleb (als Metapher für ein sehr unwahrscheinliches Ereignis) sei hier stellvertretend genannt. Aber offensichtlich haben wir uns alle lieber an den weissen Schwänen mit ihren hohen Gewinnerwartungen erfreut. Auch kann kein Experte heute im Ernst die Meinung vertreten, er hätte diese Wucht der Entwicklung vorausgesehen – komplexe Systeme haben eben ein Eigenleben, sie verhalten sich kontraintuitiv.”



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