13.08.2004

FORSTER UELI, Textilunternehmer/August 2004

Risikobereitschaft: Seit bald drei Jahren präsidiert der St. Galler Textilunternehmer Ueli Forster economiesuisse. Mit Forster wurde erstmals ein KMU-Vertreter an die Spitze des grössten Wirtschaftsverbandes der Schweiz gewählt. Ueli Forster ist der Ehemann der St. Galler FDP-Stände-rätin Erika Forster. Wo er die grössten Probleme der Schweizer Wirtschaft sieht und warum er selbst einen Teil seiner Textilfirma Forster Rohner ins Ausland auslagern musste, erklärt der 64-Jährige gegenüber “persönlich”. Interview: Matthias Ackeret, Oliver Prange Fotos: Marc Wetli

Enter the questionHerr Forster, Sie sind nun seit rund 1000 Tagen economiesuisse-Präsident. Was sind Ihre wichtigsten Erfahrungen?

“Zunächst bin ich primär Unternehmer. Und als Unternehmer weiss ich, wie wichtig ein zukunftstauglicher politischer und rechtlicher Rahmen für die Wirtschaft ist. Es macht mir deshalb Freude und ist mir ein echtes Bedürfnis, einen Beitrag für eine erfolgreiche Schweizer Wirtschaft zu leisten.”

Wie schätzen Sie denn die momentane wirtschaftliche Situation der Schweiz ein?

“Zwiespältig. Die erste Jahreshälfte begann sehr gut; Exportzahlen und Erträge vieler Unternehmen lagen über den Erwartungen, während die Arbeitslosigkeit weiter zurückging. Es stellt sich nun die Frage, ob es sich um ein konjunkturelles Strohfeuer handelt oder um eine nachhaltige positive Entwicklung, wie die Gewerkschaften optimistisch annehmen, indem beispielsweise Serge Gaillard sogar von einem siebenjährigen Aufschwung ausgeht. Ich sehe dies weniger positiv. Die Strukturprobleme der Schweiz sind keineswegs gelöst. Vielmehr handelt es sich momentan um eine konjunkturelle Belebung, die zwar stärker ist als erwartet. Das Wachstum wird aber unter zwei Prozent liegen, was im internationalen Vergleich bescheiden ist.”

Wo liegen die strukturellen Probleme?

“Es gibt zu viele Wachstumsbarrieren. Die stark regulierten Binnenmärkte – ein Resultat auch der Kleinheit unseres Landes – bescheren ein zu hohes Lohn-Preis-Niveau. Zu den Strukturproblemen zähle ich auch die absehbaren Folgen der demografischen Entwicklung, deren ganze Tragweite von einem Grossteil der Bevölkerung noch gar nicht erfasst wird. Immer weniger Arbeitstätige müssen für immer mehr Rentner aufkommen. Auch die hoch subventionierte Landwirtschaft hemmt das Gesamtsystem. Schliesslich drohen die chronischen Defizite in den öffentlichen Haushalten zu einer Hypothek zu werden.”



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