16.11.2001

FLUECKIGER ERWIN, CEO/November 2001

Das traditionsreiche Rheinfelder Unternehmen Feldschlösschen-Hürlimann Holding wurde letztes Jahr in den Grundfesten erschüttert, als die börsenkotierte Gesellschaft den Getränketeil abstiess. Als Retter erwies sich die dänische Carlsberg-Gruppe: Sie erwarb für 870 Millionen Franken die Feldschlösschen-Getränkegruppe und sorgte mit der Ernennung von Erwin Flückiger zum CEO dafür, dass das Management in Schweizer Hand blieb. Im "persönlich”-Interview erklärt Flückiger, wie er Carlsberg einführen will und warum das Emotionale in der Bierbranche für das Marketing von ganz besonderer Bedeutung ist. Interview: Oliver Prange

Was ist für den Bierumsatz wichtiger: das Wetter oder die Konjunktur?

"Zuallererst studiere ich den Wetterbericht, der mich schon rein persönlich mehr interessiert als die Konjunkturmeldungen. In der Getränkebranche ist man relativ konjunkturresistent. Trinken muss man sowieso regelmässig. Aber Hudelwetter mit wochenlangen Regenperioden, wie wir sie im September hatten, drückt schon auf den Bierabsatz. Dieser extrem kalte und feuchte Monat war für die ganze Getränkeindustrie einer der allerschlechtesten seit langem. Der schöne, milde Oktober kompensierte die Ausfälle zum Teil. Im Normalfall sind die Herbstmonate für uns eher umsatzschwach. Das Wetter spielt für uns also eine wesentliche Rolle.”

Haben auch die vielen tragischen Ereignisse der jüngsten Zeit Einfluss?

"All die Negativ-Ereignisse haben eine enorm gedrückte Stimmung ausgelöst mit der Folge, dass nicht mehr so richtig Lust aufs Feiern und Festen aufkommen wollte. Die Leute blieben zu Hause, um im Fernsehen die neuesten Meldungen zu verfolgen. Immerhin hatten die grossen Feste, wie das Eidgenössische Schwingfest, das Eidgenössische Musikfest oder unser Schlossfestival, noch vor dem 11. September stattgefunden. Aber die Hotelbelegung ging drastisch zurück. Allein im Grossraum Zürich reduzierte sich die Zahl der Logiernächte um rund elf Prozent. Auch viele Events und Meetings wurden abgesagt, vor allem in internationalen Tagungshotels. Das alles wirkt sich ebenfalls negativ auf den Getränkeabsatz aus.”

Sie haben ein grosses Marketing-Portefeuille. Auf welche Marken legen Sie zurzeit das Schwergewicht?

"Die Feldschlösschen-Getränkegruppe steht nicht allein für Bier, sondern auch für Mineralwasser und Softdrinks. Besonderen Wert legen wir auf unsere strategischen Biermarken Feldschlösschen, Cardinal und Carlsberg sowie auf unsere eigenen Mineralwasser Passugger, Rhäzünser und Arkina und den eigenen Softdrink Sinalco. Ergänzend runden wir das Angebot ab mit einem Sortiment von Nummer-Eins-Marken, die keine Active Selling Time benötigen, sondern die sich einfach mit unseren Getränkelieferverträgen mitverkaufen lassen, weil auf Kundenseite die entsprechende Nachfrage da ist.”



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