11.07.2012

Charles von Graffenried/April 2011

Charles von Graffenried prägte als Verleger der Berner Zeitung jahrlang die Schweizer Medienszene. Jetzt hat er mit dem Ehepaar Franziska und Erwin Reinhardt-Scherz den Schweizer Medienpreis lanciert. Gegenüber «persönlich» hat er sich über seine Motivation, sein verlegerisches Credo und das «von» in seinem Namen geäussert.

Herr von Graffenried, herzliche Gratulation zum Schweizer Medienpreis. Was war eigentliche die Motivation für dieses Engagement?

Der Schweizer Medienpreis, welcher dieses Jahr erstmals verliehen wird, ist eigentlich die logische Fortsetzung des BZ-Preises für Lokaljournalismus, den wir 1986 bei der Gründung unseres Druckzentrums für die damals siebenjährige BZ am Nordring von Bern ins Leben gerufen haben. Wir haben damals die Druckereien in Langnau, Münsingen und Bern neu konzipiert. Dabei kamen wir auf die Idee, dem Schweizer Lokaljournalismus, der gegenüber den Mantelressorts Ausland, Inland, Wirtschaft etc. für Journalisten oft als Anfängerressort bezeichnet wurde, eine würdige Plattform zu geben.

Die Gretchenfrage lautet oft: Gibt es überhaupt einen effektiven Lokaljournalismus?

Natürlich gibt es das: Das wahre Leben fast jedes Menschen findet schlussendlich primär im lokalen Raum statt.

Warum ist der jetzige Preis eine Dimension grösser als der ehemalige BZ-Preis?

Den zwei Stifterfamilien, dem Ehepaar Reinhardt-Scherz und meiner Familie, war und ist es ein Anliegen, den Schweizer Lokaljournalismus und die Schweizer Pressefotografie weiterhin zu fördern und zu unterstützen. Deshalb gründeten wir im Jahre 2009 die Fondation Reinhardt von Graffenried. Die Stiftung wurde mit elf Millionen Franken dotiert, geleitet wird sie vom Stiftungsratspräsidenten Guido Albisetti. Im Gegensatz zu der früheren, von mir während 25 Jahren präsidierten BZ-Stiftung ist unsere neue Stiftung verlagsunabhängig. Man hat mir nämlich verschiedentlich vorgeworfen, der BZ-Preis für Lokaljournalismus sei auch eine Marketingveranstaltung von Espace Media und der BZ. Damit hatten meine Kritiker sicherlich nicht ganz unrecht, auch wenn wir immer auf Neutralität geachtet haben. Bei der Gründung des BZ-Preises für Lokaljournalismus war die Berner Zeitung noch das Trägerschiff des Verlags. Später kamen Lokalradio und Lokalfernsehen dazu. Mit dem Aufkommen des Internets hat sich die Situation in der Medienwelt aber grundlegend verändert. Heute konsumiert fast jeder Schweizer tagtäglich alle vier Medien (Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet). Das war der entscheidende Grund, um das Konzept des BZ-Preises neu zu überdenken. Ich glaube, unserer hochkarätigen, 45 Personen umfassenden Jury der Fondation ist es auch dieses Jahr wieder gelungen, herausragende Arbeiten aus dem Lokalbereich aller vier Medien auszuwählen, wobei das Niveau, so liess ich mir jedenfalls sagen, noch höher war als in den vergangenen Jahren. Nur die in der Internetkategorie eingereichten Arbeiten entsprachen den vorgegebenen Kriterien nicht, sodass wir – auf Vorschlag der entsprechenden Jury – dieses Jahr auf eine Preisvergabe verzichten. Eigentlich schade, könnte doch das Internet zum wichtigsten und verbreitetsten Medium überhaupt werden.



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