15.11.2004

CADSKY NICO UND CATSKY CLAUDE, Karikaturist und Werber/November 2004

Dreamteam: Nico Cadsky und sein Sohn Claude Catsky sind wohl die kreativste Vater-Sohn-Beziehung des Landes. Während der Ältere seit 36 Jahren für den Tages-Anzeiger zeichnet und soeben vom Nationalratspräsidenten gerüffelt wurde, hat der Jüngere an den diesjährigen Cannes Lions als einziger Schweizer Werber einen Löwen gewonnen. Gegenüber “persönlich” erklären sie, warum sie sich verschieden schreiben, Tamedia-Werbung nicht mögen und Gerhard Schröder schonen. Interview: Matthias Ackeret Fotos: Marc Wetli

Nico, Ihre Karikatur mit dem Ausländer am Grillspiess hat für einige Aufregung und Kritik gesorgt, so auch bei Nationalratspräsident Max Binder, der sie als menschenverachtend bezeichnete. Haben Sie diese Reaktionen überrascht?

Nico: “Ja, schon ein bisschen, weil ich glaube, dass ich früher schärfere und bösere Karikaturen gemacht habe. So zeichnete ich Jesus am Kreuz, wie er dem Papst in den Hintern tritt. Damals gab es keine Reaktion. Ein anderes Mal landete die ehemalige SP-Präsidentin Ursula Koch aufgrund ihres Namens in einem Kochtopf. Auch hier keine Empörung. Nur wenn Ueli Maurer einen Ausländer am Spiess dreht, geht ein Aufschrei durch das Land.”

Aber ist es für einen Karikaturisten nicht auch ein Kompliment, wenn er solche Resonanz bekommt?

Nico: “Es ist immer ein Kompliment, wenn man Reaktionen bekommt, ob diese nun negativ oder positiv ausfallen. Dieses Mal ist das Pendel am Ende sogar zu meinen Gunsten ausgeschlagen. Doch dies ist nicht so wichtig, entscheidend ist vielmehr, ob man die Leserin oder den Leser zu einer kritischen Sichtweise bringt.”

Claude Catsky, hat Ihr Vater jetzt einen Tabubruch begangen?

Claude: “Ich weiss zwar nicht genau, welches Tabu er gebrochen haben soll. Ein SVP-Parteipräsident als Kannibale? Der Asylant als Grillgut? Aber der Nico wars bestimmt. Und er hats absichtlich getan. Vielleicht wollte er dafür sorgen, dass vor lauter Skandalgeschrei um die Karikatur die Auflage des Tages-Anzeigers wieder steigt. Weil die Tagi-Werbung im Augenblick – gelinde gesagt – nicht gerade dazu im Stande ist. Richtig ulkig finde ich aber, von welcher Seite der Vorwurf der Menschenverachtung kommt – nämlich von rechts.”



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