13.06.2003

BRUHN MANFRED, Professor von der Universität Basel/Juni 2003

Markenartikler gegen Handelsmarken – ein alter Kampf. Doch er bekommt Aktualität durch die Übernahme der Waro durch Coop – weil das Oligopol im Schweizer Detailhandel immer mächtiger wird. Professor Manfred Bruhn von der Universität Basel sieht dennoch einen Silberstreifen am Horizont der Markenartikler. Interview: Oliver Prange, Fotos: Marc Wetli

Die Konzentration im Detailhandel nimmt weiter zu, nachdem die Weko die Übernahme der Waro durch Coop bewilligt hat. Wie beurteilen Sie die veränderten Marktbedingungen vor dem Hintergrund der Frage Markenartikel oder Handelsmarke?

“Die Schweiz ist Vorreiterin in der Handelsmarkenentwicklung, was mit der Entwicklung der Migros zu tun hat. Wenn die Konzentration im Handel nun weiter zunimmt, wird der Wettbewerb der Markenartikler noch schärfer. Anderseits könnte Coop die Markenartikelorientierung auch als Positionsvorteil gegenüber den Migros noch stärker ausbauen wollen. Ich kann mir deshalb vorstellen, dass die Entwicklung durchaus kehrt und zu Gunsten der Markenartikel verläuft.”

Die Untersuchungen weisen aber alle Richtung Handelsmarken.

“Ich weiss, die Zahlen zeigen Richtung Handelsmarken. Wenn man aber eine Situation in der Schweiz hat mit zwei dominierenden Grossverteilern, stellt sich die Frage nach der Differenzierung. Coop kann sich meines Erachtens gegenüber der Migros stärker profilieren, wenn Coop Richtung Markenartikel geht, das heisst die Markenartikel auch als Differenzierungsvorteil nutzt.”

Laut einem Bericht über die in Amsterdam abgehaltene Messe “World of Private Labels” sind die Marktanteile der Handelsmarken gegenüber den Markenartikeln regelrecht explodiert.

“Ja, das stimmt. Der Bericht bezieht sich aber auf andere Länder. In Deutschland hatten wir immer wieder Wellen, auf welchen Handelsmarken angeschwemmt wurden. Das ist in dieser Zeit auch wieder der Fall. Allerdings ist der Anteil der Handelsmarken am Markt dort viel geringer als in der Schweiz, weil es dort keine Migros gibt, also lässt sich die Situation nicht vergleichen.”



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