16.07.2009

BODIN FRANK, Juni 2009

Branchensolidarität: Frank Bodin, Werber des Jahres 2009 und bsw-Präsident, sorgt sich um die Solidarität innerhalb der Branche. Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten, so sein Fazit, werde mit härteren Bandagen gekämpft. Gegenüber “persönlich” äussert sich der 47-jährige CEO von Euro RSCG über Missgunst, sein Image und neue Geschäftsmodelle.

Herr Bodin, wie beurteilen Sie als Präsident des bsw leading swiss agencies, des Verbands der führenden Werbe- und Kommunikationsagenturen der Schweiz, die aktuelle Wirtschafts­situation?

Nebst der konjunkturellen Herausforderung muss uns vor allem die strukturelle beschäftigen.Ich bin überzeugt, dass wir an der Schwelle zu einer neuen Ära stehen; die mediale Gesellschaft nimmt jetzt das Zepter mehr und mehr selbst in die Hand. In den Dörfern hatten früher der Dorfarzt, der Dorflehrer und der Pfarrer das Sagen. Das Sagen im Staat beziehungsweise eine grosse Macht im Lande hatten bis heute die grossen Verleger – nicht von ungefähr spricht man von der vierten Staatsgewalt. Die Situation verändert sich mit dem Internet, Stichwort Mediendemokratisierung.

Konkret: Was bedeutet dies nun für die Werbe­branche?

Bildlich gesprochen ist Werbung die Rückseite von redaktionellen Beiträgen. Verleger und Werber sitzen im selben Boot. Wenn Sie die Zeitungen durchblättern, ahnen Sie etwas von unserer momentanen Befindlichkeit. Auch die Werbung wird von strukturellen Änderungen nicht verschont. Die elektronischen Medien prägen schneller und tiefgreifender unsere Emotionen und unsere Zukunft, als dies manche derzeit wahrhaben wollen. Dass die Entwicklungen zum Teil noch etwas zögerlich vonstattengehen, hat auch damit zu tun, dass in zahlreichen Unternehmen noch die ältere Generation am Steuer sitzt. Dies wird sich aber spätestens dann ändern, wenn meine 17-jährigen Töchter an deren Stelle treten werden. Sie laden Medieninhalte wie auch Musik und Filme längst über ihr Handy herunter. Die CD wird das sein, was mal die LP war – es wird praktisch keine CD-Läden mehr geben. Auch Print-Titel mit Tagesaktualitäten werden als Medium früher oder später zu dem, was für die Römer einmal Steintafeln waren. Mit dem mobilen Internet werden nicht alle, aber viele gute Tageszeitungen von der Bildfläche verschwinden. Dafür entstehen neue Geschäftsmodelle. Ich bin ein Fan des iPhones, und diesbezüglich hat die Zukunft längst begonnen. Diejenigen, die sagen, mit dem PC sei ja auch nicht das papierlose Büro gekommen, werden sich noch wundern – nur schon der Umwelt zuliebe ist weniger Papier wünschenswert. All dies hat auch Auswirkungen auf die Werbebranche. Die einen haben Angst vor diesen Neuerungen. Ich freue mich auf die neuen Chancen und Herausforderungen.

Warum sind Werber so zurückhaltend beim Kommunizieren schlechter Meldungen?

Das entspricht unserem Berufsverständnis. Unsere Aufgabe ist es, unsere Kunden in ein gutes Licht zu rücken. Und was für unsere Kunden gut ist, sollte auch für uns selbst gelten.



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